Für Samstag hatten wir uns mit zwei Koreanern, sowie einigen anderen Austauschstudenten zum Wandern verabredet. Ziel dabei war der höchste Berg um Seoul: Bukhansan.
Vergleichsweise früh startete der Tag, da wir um 10 Uhr bereits in der Bahn sitzen mussten. Das U-Bahn Netz ist hier so gut ausgebaut, dass man mit dem Zug bis zu den Bergen fahren kann. Jedoch hatte an diesem Tag eine der Bahnen technische Probleme, weshalb unsere Bahn immer wieder langsamer fahren musste und warten, teilweise auch zwischen zwei Stationen im Tunnel. Für uns Deutsche nichts ungewöhnliches, setzte es die Koreaner doch etwas in Panik. Irgendwann entwickelte es sich jedoch der Witz, dass es sich lediglich um einen deutschen Zug handeln würde, der nicht schnell fahren und pünktlich sein darf.

Am Ziel angekommen deckten sich die meisten mit Gimbap (das koreanische Sushi) als Stärkung ein. An dem Punkt war ich sehr froh, dass ich mir ein Brötchen eingepackt hatte. Anschließend ging es noch etwas fünf Minuten mit dem Taxi den Berg hoch. An der Stelle war ich etwas verwundert, dass wir nicht einfach bis zum Startpunkt liefen. Später stellte sich noch heraus, dass wir ausreichend Bergsteigen würden, sodass ich das erste Stück nicht vermissen würden.

Nachdem alle Wasserflaschen aufgefüllt und alle Toilettengänge erledigt waren ging es endlich los. Während ich auf die anderen gewartet hatte, gab es Zeit die Menschen zu beobachten, die sich ebenfalls auf den Weg zum Berg machten. Der Großteil war dabei gut ausgerüstet, mit dicken Wanderschuhen, Funktionskleidung und der obligatorischen Kopfbedeckung. Trotz der Temperaturen trugen die meisten lange Hosen und Oberteile.
Zusammen mit diesen Leuten ging es los. Der Weg war nur etwas über 2 km lang. Allerdings geht es auf diesen 2 km über 500m nach oben.
Gefühlt ging es durchgängig wie eine Treppen hinauf. Zunächst aus großen Steinen, zwischenzeitlich auch kleineren Felsen und Erdboden ging es zwischen einem Bachlauf in Kurven hoch.
Nach einiger Zeit kamen Stahlseile hinzu, damit man sich an diesen festhalten kann. Etwa 45 Minuten nach Beginn der Wanderung hatten wir den ersten Hügel überwunden und konnten ein Blick auf das Ziel werfen, welches jedoch noch weit entfernt schien. Von hier ließen sich auch Kletterer am Felsen erkennen.
Der Weg ging zunächst ein wenig bergab bevor er anschließend erneut steil den Berg hoch führte und dann in eine sehr lange Treppe überging.
Kurz zuvor waren wir auf einen Koreaner getroffen, der barfuß den Berg hoch lief. Kurz hinter der Treppe erreichten wir eine kleine Ansammlung von Hütten, wo unter anderem Bergretter stationiert sind. Dort gab es auch Picknicktische wo viele Leute Pause machten. Wir ruhten uns ebenfalls einen Moment aus und kamen mit dem Koreaner etwas ins Gespräch. Er war unter anderem neugierig woher wir kommen und ob wir schon einmal in Korea gewesen seien.
Als es weiter ging begleitete er uns. Die Wege wurden erneut steiler, dafür konnte man einige erste Blicke Richtung Tal werfen und diese spornten uns an weiter zu gehen. Schließlich kamen wir an ein Tor, an dem der Weg, welcher auf der anderen Seite des Berges hoch führte mit unserem zusammen lief und es ab dort nur noch einen Weg zum Gipfel gab.
Man merkte, dass es mehr Menschen wurden. Zunächst noch über Treppen ging es dann über schmale Wege am Fels entlang, nur Gesichert durch ein Stahlseil auf der anderen Seite. Kurz darauf kamen die ersten großen Felsen über die man klettern musste. In Deutschland wäre die Strecke auf keinen Fall mehr als Wanderweg durchgegangen, wahrscheinlich ehr als Klettersteig, mit Sicherung. Hier aber kraxelten die verschiedensten Leute hoch. Junge wie alte, voll ausgestattet sowie in dünnen Schühchen.
Selbst der Koreaner der zuvor barfuß gelaufen war trug nun wieder Schuhe. Wir hatten nun alle wieder unsere Masken an, die wir zuvor auf der leeren Strecke im Wald teilweise ausgezogen hatten, da sie die Wanderung nur anstrengender machte. Auf den letzten Metern zog sich die Gruppe etwas auseinander, da wir an verschiedenen Stellen stehen blieben um Fotos zu machen. Der Ausblick war aber auch einfach zu beeindruckend um dies nicht zu machen.
Kurz vor dem Gipfel gab es Stau. Dort standen alle Menschen, nach koreanischer Art, ordentlich in einer Schlange um ihr Bild an der Fahne auf dem Gipfel zu machen.

Ein Teil unserer Gruppe stand bereits in der Schlange, sodass wir uns an den Rand setzten und die Zeit nutzten um uns weiter mit dem Koreaner zu unterhalten.
Er erzählte uns unter anderem, dass er vier Jahre in Deutschland gelebt hatte und für eine Speditionsfirma gearbeitet hat, welche Containerschiffe belädt. Er konnte einige einfache Wörter auf Deutsch wie “Guten Tag” und “Moin, Moin”. Letzteres vermutlich auch darin begründet, dass er drei Jahr in Hamburg lebte. Seine Firma hatte ihm auch eine Deutschlehrerin engagiert, jedoch hatte er nach einem halben Jahr keine Lust mehr, da ihm die Sprache zu schwer war, weshalb seine Frau den Kurs fertig machte. Sie konnte auch innerhalb von kürzester Zeit deutsch. Außerdem erzählte er, dass er seit 26 Jahren jeden Samstag und Sonntag wandern geht und es für ihn inzwischen ehr ein Spaziergang ist, auf den Berg zu steigen. Oftmals startet er direkt an der U-Bahnstation und joggt bis zum Startpunkt (die Strecke die wir mit dem Taxi gefahren sind), was auch nicht unerheblich den Berg hoch geht. Nach einiger Zeit mussten wir uns vom ihm verabschieden, da unsere Gruppe nun fast die Spitze der Schlange erreicht hatte.

Wir machten einige Gruppenfotos, bevor es zu einer großen Felsfläche etwas unterhalb des Gipfels ging um die wohlverdiente Pause zu machen und etwas zu essen.
Dort oben war es auch das erste Mal seit Tagen etwas kühler und nicht schwül, sodass ich meinen Pullover wieder anziehen musste.
Der Rückweg war, abgesehen von dem Klettern über die Felsen, der schönste Teil der Wanderung. Besonders beeindrucken war dieser Mann mit seiner Frau. Er ist komplett blind und arbeitete sich an den Stahlseilen entlang. An Stellen ohne Seil hielt er sich am Rucksack seiner Frau fest und nutzte zusätzlich seinen Wanderstock. Die teilweise sehr steilen Abschnitte überwand er dabei in bewundernswerter Geschwindigkeit.

Wir liefen über die andere Seite des Berges zurück. Der Weg dort führte zunächst ziemlich weit um den Berg herum, sodass es ständig rauf und runter führte und zwischendurch immer wieder einen Blick über die anliegenden, grünen Hänge bot.
Jedoch mussten wir auch die Steigung wieder hinunter. Hier führten zunächst einige Treppen Berg runter bevor es wieder in einen felsigen Weg überging.
Wir überquerten auch hier mehrfach einen Wasserfluss mit kleinen Wasserfällen. Kurz vor dem Startpunkt kamen wir oberhalb an einem Tempel vorbei. Dies ist der Doseonsa Tempel, der größte buddhistische Tempel in der Bukhansan Region. Mönche halten sich dort bereits seit 862 auf. Von den ursprünglichen Strukturen steht jedoch leider nichts mehr.

Die Koreaner wollten zunächst einfach daran vorbei laufen und waren etwas überrascht über unseren Wunsch dort hin zu gehen und zu gucken. Zeigten uns aber gerne einiges. Auffällig für uns warten die vielen bunten Farben. Irritiert waren wir jedoch, als wir an einem Souveniershop vorbei kamen und dort Ringe und Ketten mit dem Symbol bedruckt waren, welches uns als “Hakenkreuz” bekannt ist. Im Buddhismus ist es jedoch als Sonnenrad bekannt und steht unter anderem für Glück. Es wurde in Deutschland jedoch durch die Nazis missbraucht.
Beeindruckend waren im oberen Teil vor dem eigentlichen Hauptteil des Tempels die vielen Laternen welche über dem Platz aufgegangen waren. An jedem war ein kleiner Zettel angebracht. Diese Laternen werden von verschiedenen Menschen aufgegangen, welche auf den Zettel einen Wunsch schreiben. Häufig sind es Eltern oder Studenten, welche sich z.B. wünschen in eine bestimmte Universität zu kommen. In Korea ist ein großer Test ausschlaggebend, auf welche Universität man gehen darf, abhängig vom Ergebnis.
Einer der Koreaner hatte in der Zwischenzeit eine Kerze gekauft. Diese zündete er an und stellte sie zu den vielen anderen in einen Glaskasten. Anschließend erklärte er, dass man sich nun etwas wünschen darf während man sich einmal dort Richtung Buddhastatur verbeugt.
Der eigentliche Tempel befand sich zwei Stufen höher. Auf der Stufe dazwischen gab es noch eine große Zeremonialtrommel, welche bei besonderen Anlässen genutzt wird.
Auf der obersten Stufe besteht der Tempel aus einem großen Raum. Buddhisten betreten diesen nur ohne Schuhe und nutzen ein Kissen um dort auf dem Boden zu beten. An den Wänden sind unzählige kleine Buddhas und an der Decke hängen erneut Laternen mit Wünschen. Das zentrale Element ist jedoch der große Altar, welche durch einen bunten Holzrahmen an der Decke eingerahmt wird. Darauf befinden sich zahlreiche, goldene Staturen.
Nachdem wir uns noch etwas weiter umgesehen hatten ging es zurück zum Ausgangspunkt wobei wir noch ein großes, ebenfalls reich verziertes Tor passierten, wo jedoch momentan Bauarbeiten sind.
Zurück am Parkplatz fuhren wir mit Taxis zurück ins Tal zur U-Bahn Station. In der Bahn merkten wir nun alle, wie anstrengend es doch gewesen war. Insgesamt waren wir 5 Stunden gewandert, auch wenn es natürlich einige Pausen zwischendurch gab.

Der Plan war nun, in der Stadt noch zusammen etwas essen zu gehen. Da einige gerne auf dem Markt etwas Obst kaufen wollten landeten wir am Ende wieder in dem Laden, den wir den Tag zuvor durch die Deutschprofessorin kennen gelernt hatten. Dort gab es wieder leckere Spieße, Tofurollen und erstmals frittiertes Hähnchen mit Honig. Dies war sehr süß und somit schon fast ein Nachtisch.
Satt und zufrieden führte uns der Weg von dort nachhause um nach einer Dusche die Beine hochzulegen und den Tag ausklingen zu lassen.














































































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