Ab Dienstag beginnt wieder der Ernst des Lebens, denn die Vorlesungen fangen an. Daher wollten wir die freien Tage definitiv nutzen um durch die Stadt zu wandern. Auch danach ist unsere Woche zum Glück nicht komplett voll, aber etwas strukturierter muss sie schon wieder sein.
Die Vorlesungen werden normalerweise online belegt. Da die entsprechende Seite jedoch komplett auf koreanisch ist erhielten wir dabei Hilfe. Im Beitrag “Quarantäne 3/3” habe ich bereits berichtet, welche Kurse ich belegen wollte. Dies hat tatsächlich (vermutlich) alles so funktioniert und die erste Woche habe ich überwiegend erfolgreich hinter mich gebracht. Die ersten Veranstaltungen waren noch nichts komplett überraschendes und grundlegend ähnlich mit dem, was ich schon aus Deutschland kenne. Allerdings haben auch nur Einführungen stattgefunden, die richtigen Vorlesungen beginnen dann nächste Woche.
Montag
Zurück zu den freien Tagen bevor die Vorlesungen begannen: Am Montag wollten wir zum Namdaemun Market. Dies soll einer der größten und ältesten Märkte in Südkorea sein. Direkt daneben befindet sich das Sungnyemun Tor, auch bekannt als Namdaemun Tor, welches eines der drei verbliebenen Stadttore in Seoul ist. Ursprünglich war es das größte Holzgebäude in Seoul, als es 1395 gebaut wurde. Jedoch wurde es 1447 grundlegend umgebaut. Die zugehörige Stadtmauer, welche die Stadt vor Tigern schützen sollte, steht heute nur noch in Einzelteilen rund um die Stadt. Es gibt einen zugehörigen, 22 km langen Wanderweg welcher entlang der ehemaligen Stadtmauer führt. Dieser steht, neben anderen Dingen noch auf unserer ToDo Liste.
Leider kommt man nicht wirklich nah an das Tor dran und kann es nur aus einiger Entfernung ansehen. Allerdings ist es auch nicht großartig spektakulär um ehrlich zu sein.

Nachdem wir dies staunend betrachtet hatten ging es weiter zum Markt. Dieser besteht nicht aus einfachen Marktständen sondern ehr aus vielen kleinen Länden welche alle dicht aneinander gebaut sind.

Teilweise gibt es zusätzlich unterirdisch Läden und in dunklen Gassen lassen sich verschiedene Restaurants finden.

Die Läden bieten überwiegend Kleidung an, wobei die sehr andere Mode in Korea dabei umso deutlicher wird. Bei manchen Ständen fragten wir uns wirklich, bei wessen Oma dafür der Kleiderschrank geplündert wurde. Neben Klamotten gab es noch esoterische Angebote und das gute Plaste Zeug. Sehr beliebt sind dabei momentan Ketten, welche an dem Mundschutz befestigt werden. Den Zweck habe ich allerdings noch nicht ganz erfasst, da der Mundschutz hier ja konsequent immer und überall getragen werden muss. Vielleicht einfach damit es schön aussieht…

Nachdem wir an den größeren Kreuzungen mehrfach vorbei gelaufen waren, ging es quer rein durch einige dunkle Gassen. Überrascht waren wir, dass genau in diesen dunklen Gassen verschiedene Suppenküchen waren.
Gut möglich, dass es dort gut schmeckt, aber wir wollten uns nicht so sehr darauf einlassen, nachdem wir die Küchen gesehen hatten. Insgesamt haben wir definitiv mehr von dem Markt erwartet, vor allem etwas mehr Abwechslung was die Angebote betrifft. Da gefällt uns der Essensmarke bei uns um die Ecke besser. Aber es gibt ja noch mehr Märkte, die wir mit der Zeit alle besuchen können.
Während dem Tag hatte sich Kwon bei uns gemeldet und gefragt, ob wir abends schon etwas vor hätten. Er hatte für den Abend ein Auto und wollte uns etwas von der Stadt zeigen. Daher beschlossen wir vom Markt aus nur schnell einkaufen zu gehen, damit wir zumindest ein Mittag-/Abendessen hatten.

Um kurz nach halb sieben stand Kwon bei uns vor der Tür. Er erklärte, dass er noch einen Gutschein für eines der Sharing Autos in der Stadt hatte, der an diesem Tag ablief.

Er nutzte diesen um uns mit zum Skyway zu nehmen. Dies ist ein Aussichtspunkt, der sich auf dem Berg hinter dem Haus des Präsidenten befindet. Bereits bei der Anfahrt bekamen wir eine Vorahnung, was uns am Ende der langen, kurvigen Straße erwartete.

Oben angekommen parkten wir das Auto und lief zum einzige, dort stehenden Gebäude. Die Aussicht auf die beleuchtete Stadt war spektakulär und lässt sich durch die Bilder nicht ansatzweise ausdrücken.
Der Aussichtspunkt ist nur mit dem Auto zu erreichen, sodass es eine wirklich gute Idee von unserem koreanischen Freund war, uns genau dorthin mitzunehmen. Wir genossen den Ausblick zu verschiedenen Seiten und uns wurde erst dort bewusst, wie groß diese Stadt tatsächlich ist. Ein Besuch dort lohnt sich in jedem Fall! Zumal es außer dem Parkplatz auch kostenlos ist.
Zusätzlich gab es dort oben zwei Springseile, da diese in irgendeiner Weise mit einer Tradition zu tun haben. Wir wollten es auch unbedingt ausprobieren und hatten eine Menge Spaß dabei auch wenn der ein oder andere sich immer wieder im Seil verfing.

Weiter ging es an dem Abend quer durch die Stadt in den Yeuido Hangang Park, der direkt am Hangang Fluss liegt. Dort treffen sich abends bei gutem Wetter viele junge Leute und Paare. Sie alle saßen dort verteilt auf Decken, teilweise mit kleinen Tischchen und Lampen.
Meistens mit etwas zu essen unterhielten sich alle. Das Wetter hatte sich im Vergleich zu den letzten Tagen etwas abgekühlt und war dort am Fluss sehr angenehm, wobei man auch zur späten Uhrzeit nur ein T-Shirt und kurze Hose brauchte.
Wir liefen ein Stück am Fluss entlang. Dort gibt es auch jede Menge Netzliegen (ähnlich wie große, gespannte Hängematten) und sogar einzelne Hollywoodschaukeln, Fährenanleger und einen Minisupermarkt. Das besondere an dieser Treppe ist die Station zum Zubereiten von Ramen.
Eigentlich hatten wir vor dem Ausflug zuhause gegessen, weshalb ich nur ein Eis als Nachtisch wollte. Nach einem Eis und einiger Überlegung reizte es mich jedoch sehr, die Ramen und zugehörige Station auszuprobieren. Kwon wollte ebenfalls noch etwas essen, weshalb wir noch einmal das kurze Stück bis zum Markt zurück liefen. Der Supermarkt befindet sich im ersten Stock. Dort kauft man die abgepackten, trockenen Nudeln und den zugehörigen Topf. Mit diesem geht man draußen unter die Treppe, welche zum Supermarkt führt. Die Nudeln werden ausgepackt und mit Gewürzen aus einem Tütchen in den Topf gelegt. An der Station scannt man den Code, welcher auf den Topf gedruckt ist. Anschließend stellt man den Topf in die Station. Diese füllt automatisch eine gewisse Menge Wasser ein und kocht diese anschließend, bis dass alles gar ist. Abschließend werden erneut Gewürze hinzugefügt und alles vermischt.
Die fertigen Ramen nahmen wir mit zu einem Platz unter der Brücke. Ich würde es nicht jeden Tag essen wollen, aber als Snack am Fluss war es eine super Idee. Kwon hatte außerdem Sikhye, auch bekannt als Reispunsch, gekauft. Dass ist ein süßes, alkoholfreies Getränk, welches häufig als Nachtisch serviert wird. Dazu wird Reis mit kochendem Malzwasser übergossen. Nachdem der Reis eingewichen ist, wird die Flüssigkeit abgesiebt und zusammen mit Zucker oder Honig erneut aufgekocht. Gekühlt und abgepackt ist es hier in Korea überall erhältlich. Der Geschmack ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber besonders der Honig macht es sehr süßlich und lecker.
Bis kurz nach Mitternacht saßen wir am Fluss und unterhielten uns über die verschiedensten Dinge. Danach setzte uns Kwon wieder zuhause ab. Wir bedankten uns vielmals für den tollen Abend und er machte sich ebenfalls auf den Heimweg.
Dienstag
Dienstag verriet ein Blick in den Kühlschrank, dass es Zeit wurde für einen Einkauf. Besonders Obst und Gemüse war ziemlich leer. Da wir gesehen hatten, dass der Markt, im Vergleich zum Supermarkt, etwas günstigere Preise hat, war der Plan dort einkaufen zu gehen. Dort ist jedoch auch die Auswahl um ein vieles höher, mit den ganzen Ständen. So verglichen wir die Preise und liefen bis zum anderen Ende des Markts.
Das Frühstück lag bewusst schon einige Stunden zurück, da ich gerne eine der unbekannten Speisen probieren wollte. Da der Markt bei uns in der Nähe ist und wir dort wahrscheinlich noch häufiger einkaufen gehen, ist mein Plan, dort jedes Mal etwas anderes zu probieren. Diesmal entschied ich mich für gefüllte, frittierten Teig. Eines davon war herzhaft, mit Kartoffeln gefüllt (Goroke), das andere süß und erinnerte an Stockbrot (ggwa begi). Das gefüllte war eine blinde Wahl, da alle Schilder auf koreanisch geschrieben war und auch die Verkäuferin kein Englisch sprach. Einige Tage später fand ich heraus, dass nur ein Fach daneben die mit Tintenfisch gefüllten lagen. Glück gehabt!
Goroke stammen von den uns bekannten Kroketten ab sind jedoch aus Hefeteig gemacht. Dabei gibt es verschiedene Füllungen. Neben Kartoffeln und Tintenfisch gibt es sie auch gefüllt mit Gemüse, Fleisch oder auch Pizzabelag. Nächstes Mal werde ich definitiv eine andere Füllung probieren, da die Kartoffeln nicht sehr viel Geschmack hatten.
Gestärkt ging es zurück zum Anfang des Markts, da wir dort das günstigste Gemüse gesehen hatten. Ingesamt besorgten wir 1kg Kirschtomaten für nur 2000won (~1,40€), Zitronen, Pflaumen und Pfirsiche. Zurück zuhause gab es als erstes etwas Obst.

Dominik hatte bereits seit Tagen Probleme mit seinem Laptop, da der Bildschirm immer wieder komplett weiß wurde. Er vermutete ein Wackelkontakt am Kabel, konnte es jedoch nicht selbst beheben. Daher hatte er mit Kwon geschrieben ob dieser einen Computerladen in der Nähe kennt. Um diesen zu besuchen trafen wir uns gegen Abend an der Uni. Der Computerladen war winzig, sodass es bereits eng wurde als wir diesen zu dritt betraten.

Als der Computer hochfuhr zeigte er keine Anzeichen vom sonst auftretenden Wackelkontakt. Auch ein bewegen des Bildschirms und des gesamten Laptop zeigte keine Anzeichen mehr. Natürlich etwas ärgerlich, wenn man wegen eines häufig auftretenden Problems im Laden ist und dieses Problem nicht mehr auftritt. Trotzdem schraubte der Mitarbeiter den Laptop auf um sich das innere anzusehen. Er ging mit dem Laptop vor die Tür um ihn dort mit Druckluft zu reinigen, löste die Steckverbindung und verband alles wieder. Er bot an, dass der Laptop zu einem genauen Check da bleiben könnte, falls Dominik gerne abgeklärt haben wollte, was evtl. kaputt war oder ihn aber mitnehmen konnte, da ja offensichtlich kein Problem auftrat. Er entschied sich den Laptop wieder mitzunehmen. Ohne einen Cent für den Service bezahlen zu müssen zogen wir weiter. Das Problem mit dem Wackelkontakt ist seitdem nicht mehr aufgetreten.
Der Laden lag direkt neben der Uni und da wir dort noch nie gewesen waren nahm und Kwon mit auf den Campus und zeigte uns einige Gebäude, unter anderem das der Maschinenbauer. Dort befindet sich auch die Werkstatt des Racing Teams. Da er ein Teil davon ist kennt er den Code für die Tür und wir durften uns die Fahrzeuge aus der Nähe ansehen.
Ansonsten gibt es an dem Campus einen riesigen Sportplatz und die großen Gebäude in welchen sich die Studentenwohnheime befinden. Diese hätten alternativ auch für uns als Unterkunft dienen können.
Da keiner von uns drei für den Abend etwas vor hatten gingen wir zusammen etwas essen. Um erneut etwas koranisches zu probieren ging es in einen Laden wo es Gimbap gibt. Dieses besteht aus getrocknetem Purpur-Tang (kor.:Gim) und Reis (kor.:Bap) sowie verschiedenen Füllungen.
Von der Form erinnerte es an japanisch, gerolltes Sushi, jedoch wird außer gekochtem Thunfisch, kein Fisch verwendet. Leider schmeckt jedoch auch der schwarze Tang sehr fischig (kommt ja schließlich auch aus dem Meer) und war damit überhaupt nicht mein Fall.
Zusätzlich gab es jedoch auch die koreanische Version von Schnitzel. Dieses wird im Backteig gemacht und, wie sollte es anders sein, mit Reis serviert. Dieses schmeckt entfernt verwandt mit dem echten Schnitzel, was nicht bedeutet, dass es schlechter wäre. Sehr lecker!
Leider wurde ich an diesem Abend erneut Opfer von den kleinen, bösen Viechern direkt aus der Hölle: Mücken. Zu meinem Leid konzentrieren diese sich ganz auf mich und lassen die Menschen um mich herum in Ruhe. Bei mir schwellen die Stiche zudem fast Handflächen groß an und tuen teilweise sehr weh. Deshalb blieb ein Besuch in der Apotheke aus. Auch die Apothekerin schien etwas entsetzt über die großen Stiche. Eine Salbe soll jetzt gegen die Schwellung und den Juckreiz helfen. Da dies jedoch ganz offensichtlich eine Zeit dauerte wollte ich anschließend gerne zurück nachhause, in der Hoffnung dass eine Dusche den Beinen etwa helfen würde. Da der Tag ohnehin anstrengend war, kam auch Dominik mit. Der Rückweg führte uns dann noch an einem Restaurant vorbei, welches für Erdinger Weißbier warb.

Mittwoch
Mittwoch, der erste Tag der Vorlesungen. Da ich für einen falschen Kurs eingetragen war, hätte ich eigentlich bereits um 10 Uhr bei diesem falschen Kurs sein müssen. Jedoch überschnitt er sich mit dem koreanisch Kurs, welchen ich in diesem Fall als wichtiger erachtete. Dort war die erste Vorlesung etwas anders als man dies aus Deutschland kennt. Es findet sehr viel über nachahmen statt. Etwas wird vorgesagt und dann einfach “blind” nachgesprochen. Das eigentliche Verständnis bzw. selber Denken fehlte mir dabei etwas. Auf der anderen Seite ist es natürlich eine komplett neue Sprache, an die wir uns erst einmal gewöhnen müssen. Bisher sind wir jedoch nur 5 Stunden im Kurs, was eigentlich zu wenig ist, damit der Kurs stattfindet. Der Kurs ist speziell für Austauschstudenten. Es gibt jedoch dieses Jahr nur 11 Studenten, wovon einzelne koreanisch studieren oder kein Interesse haben die Sprache zu lernen. Ob der Kurs trotzdem stattfindet wird sich kommende Woche zeigen.
Für den Abend waren wir mit dem Präsidenten des International Club verabredet, sowie einigen anderen Austauschstudenten. Durch die momentan geltenden Corona-Restriktionen darf man sich mit maximal 10 Leuten gleichzeitig treffen. Daher können wir uns nicht mit allen ausländischen gleichzeitig treffen. Für den Tag waren erneut Ausläufer des nächsten Taifun angekündigt. Diese erwarteten uns, als wir den Bus an der Uni verließen. Da half selbst ein Regenschirm nur sehr eingeschränkt, zumal das Wasser in Bächen der Berg hinunter lief. Da kamen einem selbst die 200m bis zur Uni weit vor.

Wir waren absichtlich etwas früher da, um die Bücher zu besorgen, die wir für koreanisch benötigen. Dominik hatte vorher bei Kwon erfragt, dass sich die Buchhandlung im zweiten Stock befindet. Im zweiten Stock trafen wir jedoch nur auf David, den Präsidenten des International Club, der uns zufällig erkannte. Er führte uns dann zu gesuchtem Laden, welcher sich zwar im zweiten Stock befand, jedoch nach unten im Keller. Mit besagten Büchern ging es wieder hoch, wo wir in einer Sitzgruppe auf die andern warteten. Dabei fiel uns bereits auf, was für ein quirliger Kerl David ist. Dies ist ehr ungewöhnlich für Koreaner, da sie häufig etwas ruhiger und zurückhaltend sind. David heißt auch eigentlich nicht David sondern Dong Hyeok. Jedoch geben sich viele Koreaner auch einen internationalen Namen, da dieser für einige einfacher auszusprechen und vor allem zu behalten ist.
Nach einiger Zeit kamen zur Gruppe noch zwei Französinnen, Melanie und Anaïs, sowie zwei Koreaner hinzu. Eine von ihnen war das erste Mal in dem Club und musste sich durch ein kurzer Interview erst verdienen, dass sie aufgenommen wird. Zu diesem Zweck war auch JD, der andere Koreaner und Vize Präsident des Clubs da. Nachdem all dies erfolgreich erledigt war ging es erneut durch den Regen zum Pizza essen. Koreanische Pizza. Anders als die italienische ist diese üppiger belegt und hat einen dickeren Teig.
Geschmeckt hat es trotzdem und es war ein lustiger Abend, den wir später noch draußen an einer überdachten Stelle ausklingen ließen, bevor die beiden, Dahye und David, etwas überstürzt aufbrechen mussten um die letzte Bahn zu bekommen. Diese fahren momentan, bedingt durch Corona, ebenfalls deutlich kürzer.
Donnerstag
Donnerstag gab es wieder eine erste Vorlesung. Diesmal “Psychology in Design”. Die Veranstaltung wird von einem Professor gehalten, welcher aus England stammt. Daher kann man ihn ohne Probleme verstehen und ich konnte mir sicher sein, dass sie auf englisch stattfinden wird. Bei manchen anderen, eigentlich als englisch sprachig gekennzeichneten Vorlesungen, ist dies nicht der Fall.

Da es in der ersten Woche nur Einführungsveranstaltungen gibt, war bereits nach einer Stunde wieder Schluss. Am Ende der Vorlesungen gab es drei kurz Diskussionsrunden in Kleingruppen, damit wir Studenten uns einfach untereinander kennenlernen. Dies war sehr schön und ich freue mich bereits auf die nächste Vorlesung.
Anaïs hatte uns am Vortag erzählt, dass sie bereits eine koreanische SIM-Karte hatte. Bei den meisten Anbietern kann man diese nur gegen Vorlage der Allien Registration Card (ARC) bekommen. Diese müssen wir jedoch erst noch beantragen und die Bearbeitung dauert 6-8 Wochen. So lange wollten wir nicht warten, bis wir auf dem Handy erreichbar waren. Daher hatten wir uns nach der Vorlesung mit ihr verabredet an der Uni. Dort trafen wir zufällig noch JD und einen Freund von ihm, welche uns zum Mittagessen begleiten wollten, welches für nach dem Kauf geplant war. Die SIM-Karten waren schnell und sehr günstig besorgt (28€ für 3 Monate unbegrenztes High-Speed surfen) und es ging weiter zum Essen. Erneut wurde der Wunsch nach etwas koreanischem laut. Daher führten uns die beiden Koreaner zu einem kleinen Laden, in dem man wohl ohne Corona nur schwer einen Platz bekommt.
Dort gab es Suppe mit Nudeln und frittiertes Hähnchen (Udon und Kara-a-ge). Erneut war es extrem lecker (auch wenn ich später heraus fand, dass es eigentlich japanisch ist)!
Zudem unterhielten wir uns viel und erfuhren unter anderem, dass JD als Kind drei Jahre in Deutschland gelebt hat. Jedoch kann er außer einzelnen Wörtern leider kein Deutsch mehr. Nach dem Essen gingen wir zusammen mit Anaïs noch einkaufen und zeigten ihr, wo es einen großen Supermarkt gab.
Für den Nachmittag hatten wir in Anbetracht der angenehmen Temperaturen (28° und 70% Luftfeuchtigkeit) geplant zum Sportpark zu gehen. Anscheinend waren wir nicht die einzigen mit dieser Idee, da es dort relativ voll war als wir gegen 17:30 Uhr ankamen. Es lehrte sich jedoch nach und nach, sodass wir die Gelegenheit hatten uns auszupowern. Auf dem Rückweg machte ich gebraucht von der neuen SIM-Karte und dem flächendeckenden guten Empfang in Korea und rief meine Mutter an um ihr etwas von den Straßen von Seoul zu zeigen.

Freitag
Für Freitag hatte sich endlich unsere Waschmaschine angekündigt. Die Unterwäsche wurde langsam ziemlich knapp, sodass ich mich bereits darauf freute. Ich nutze den Morgen um etwas zu arbeiten und rätselte insgeheim schon ob unsere Vermieterin wohl daran dachte, dass die Waschmaschine nur ins Bad passte, wenn man die Duschwand abbaute. Die Antwort: Nein, hatte sie nicht. Jedoch konnte ein Schraubenzieher schnell Abhilfe leisten. Dominik unterstütze beim Transport der Waschmaschine an ihren Standort.
Abgesehen von der dreckigen Oberseite sah sie noch fast neu aus. Da die passenden Anschlussschläuche noch fehlten machte sich unsere Vermieterin auf den Weg diese zu besorgen. Wir boten ihr an, währenddessen die Lampe zu montieren die sie als Ersatz für die Defekte in Dominiks Zimmer mitgebracht hatte. Sie machte den Eindruck, als wüsste sie nicht ganz ob sie uns dies zutrauen könnte, lies uns dann aber doch machen. Der Wechsel der Lampe dauerte nur etwa fünf Minuten, inklusive selbst gebauter Unterlegscheibe aus einer Plastikflasche.
Sie schien überrascht, dass wir die Montage tatsächlich erfolgreich erledigt hatten, als sie 15 Minuten später wieder da war. Die Waschmaschine anschließen wollte sie dann jedoch lieber selber übernehmen. Nachdem alles fertig war lief direkt die erste Ladung Wäsche. Nur beim Trocknen mussten wir etwas improvisieren und ich funktionierte kurzerhand meinen Kleiderständer zum Wäscheständer um.
Ich hatte bereits letzte Woche mit der deutschen Professorin Kontakt aufgenommen um sie zu fragen, ob wir sie in einem der Deutschkurse besuchen könnten. Sie hatte mir daraufhin von einem Kurs erzählt “Interkulturelle Kommunikation”, bei dem es darum geht deutsche und koreanische Studenten zusammen zu bringen um über verschiedene Themen zu diskutieren aber auch Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Lebensalltag festzustellen. Am Ende des Kurses wird immer ein kleines Heft erstellt, in dem die Arbeit festgehalten wird. Da einer unserer Kurse (Metal Technique) sich als nicht geeignet herausgestellt hatte, da die meisten Erklärungen dort auf koreanisch laufen und wir alle Materialien und Werkzeuge hätten selbst kaufen müssen, die die Werkstatt in der Uni vorerst geschlossen bleibt, hatten wir Platz, diesen Kurs in den Stundenplan aufzunehmen. Spontan hatte sie mir außerdem geschrieben, ob wir uns Freitag Abend mit ihr und einem anderen deutschen Studenten treffen wollten. Ich hatte daraufhin gefragt, ob ich auch die anderen beiden deutschsprachigen Studenten noch mit einladen dürfte. Am Ende waren wir vier Studenten, alle ursprünglich aus Deutschland, wobei einer, Jan, nun in Österreich studiert. Wir trafen uns an der Uni und fuhren von dort mit dem Bus zur Mangwon Station, da es dort in der Nähe einen Markt gibt. Genau der Markt, bei dem wir schon häufiger einkaufen waren. Zunächst ging es aber zur Stärkung etwas essen. Die Professorin kommt ursprünglich aus Norddeutschland, lebt jedoch seit inzwischen 20 Jahren in Seoul und unterrichtet deutsche Sprache und Kultur an der Hongik University. Sie hat früher in der Nähe des Markts gelebt und kannte daher ein kleines, chinesische Restaurant. Jedoch ist ein koreanisches chinesisches Restaurant ≠ einem deutschen chinesischem Restaurant ≠ tatsächlich chinesischem Essen. Dieses hatte in jedem Tisch eine kleine Aussparung für heißt Kohlen.
Zudem ist es bekannt für Lammfleisch, welches auf Spießen serviert wird. Roh natürlich, da es dann direkt am Tisch selbst gegrillt wird. Dafür gibt es an den Enden der Spieße kleine Zahnräder und auf dem Tisch einen Rahmen, welcher sich nach rechts und links bewegt und dadurch das Fleisch über der Glut dreht. Das Ingenieursherz schlug bei dem Anblick einer so guten Idee definitiv höher.

Außerdem gab es dünne Tofuscheiben (erinnerten vom Aussehen erst an Lasagneplatten, waren jedoch weich) welche man auf die Hand legte, dann mit Fleisch und Gemüse füllte und anschließend einrollte. Diese waren einstimmig das Lieblingsessen des Abends.
Anschließend folgte noch eine Platte mit gebratenen Auberginen in Soße und Reis. Die Soße stellte sich jedoch, für mich, als sehr scharf raus, weshalb ich froh war über den Reis.
Gestärkt liefen wir zum Markt. Es war toll, dass uns die Professorin begleitet. Sie spricht fließend koreanisch und kennt durch ihre lange Zeit im Land die meisten Dinge. Sie zeigte uns unterwegs noch ein Café welches von einem Mexikaner und seiner Frau gemacht wird, welche beide aber auch deutsch sprechen. Ein Besuch dort steht nun ebenfalls auf meiner ToDo Liste. Auf dem Markt erklärte sie uns viele Dinge über die wir uns bereits gewundert hatten. So klärte sie auch ein Mysterium auf, welches uns zwei Tage zuvor bereits Sorge gemacht hatte. Dominik klagte Mittwoch Abend über Halsschmerzen und befürchtete krank zu werden. Am nächsten Tag waren die Halsschmerzen jedoch fast gänzlich verschwunden und er fühlte sich ansonsten nach wie vor fit. Auf dem Markt erklärte sie uns nun, dass man die Pfirsiche in Korea pellen muss, da sonst viele allergisch auf die Schale reagieren und man dies vor allem im Mund und Hals spürt. Was hatten wir Mittwoch Nachmittag gegessen? Richtig. Pfirsiche MIT Schale. Auch die Weintrauben die komisch schmeckten hatten wir bisher falsch gegessen. Die Schale wird hier nicht mitgegessen oder ausgelutscht. Was man doch alles bei so einfachen Dingen falsch machen kann. Sie zeigte uns zudem noch verschiedene traditionelle Lebensmittel, zum Beispiel eine Paste welche als Basis für Suppen dient, und verriet wo man die besten Mandus (koreanische Dumplings) essen kann. Jan kaufte frische Mandus, gefüllt mit Kimchi und bot auch Dominik, Felix und mir eine zum probieren an. Manuds sind sehr lecker, jedoch mit Kimchi etwas zu koreanisch für mich.

Es war bereits spät geworden und wir machten ein abschließendes Foto zusammen bevor sich die Professorin verabschiedete und wir vier noch einen kurzen Abstecher an den Fluss machten bevor es auch für uns jeweils nachhause ging. Der nächste Tag würde anstrengend werden, da wir uns mit einigen zum Wandern verabredet hatten und zwar auf den höchsten Berg von Seoul.






























































Schreibe einen Kommentar