Wahnsinn wie die Zeit vergeht! Man fühlt sich als wäre man schon lange hier und kann trotzdem immer noch zufrieden feststellen, dass die vor uns liegende Zeit noch länger ist.

Die vergangene Woche verlief weitestgehend unspektakulär, auch weil leider einige geplante Sachen ausgefallen sind.

Montag war wie jede Woche koreanisch Unterricht. Allerdings diesmal besonders lustig, da die Lehrerin uns aufforderte ein Taschentuch zu holen. Dieses sollten wir locker vor unserem Mund hängen lassen, damit sie überprüfen konnte ob wir die Buchstaben richtig aussprechen (harte Aussprache –> mehr Luft –> Tuch bewegt sich). Es fing aber schon damit an, dass Dominik und ich keine Taschentücher hier hatten und stattdessen Toilettenpapier benutzen mussten und Felix nur deutsche Taschentücher hatte, die einfach viel dicker sind und es sich deshalb nicht bewegte. Zwischen mehreren Lachanfällen musste auch die Lehrerin irgendwann erkennen, dass diese Methode nicht so wirklich funktionierte, außer um die Stimmung zu lockern.

Dienstag und Mittwoch Abend traf ich mich mit anderen internationale zum essen. Dabei gab es Mittwoch das erste mal schwarze Nudeln für mich. Diese sind nicht wirklich schwarz, sondern haben lediglich eine schwarze Soße, welche unter anderem Soya, Bohnen, Fleisch und Kohl enthält und kein bisschen scharf ist. Genau mein Geschmack an dem Tag! Nur man sollte vor dem Essen nach einer Schürze fragen (diese werden hier von den Restaurants beim Essen verteilt, damit man sich nicht vollkleckert), da die Soße wirklich blöde Flecken auf weiße Kleidung macht…

Nach dem essen wollte ich draußen einen Moment arbeiten, da ich aber währenddessen, trotz langer Kleidung, von Mücken zerstochen wurde trat ich lieber den Rückzug an. Mittwoch traf ich mich mit Melanie und Anaïs. Die beiden wollten Ricecake in roter Soße essen und es sollte sogar eine Variante geben, die nicht scharf ist. Da ich erst etwas später dazu kam hatten sie bereits angefangen und rieten mir auch von der angeblich nicht scharfen Variante ab, da diese scharf war. Dafür gab es dort Coolpis, ein zugegeben verstörender Name für ein leckeres Getränk. Dabei handelt es sich um ein Getränk auf Milchbasis, welches in unserem Fall nach Pfirsich schmeckt. Hilft auf jeden Fall sehr schnell gegen die Schärfe.

Anschließend ging es weiter für einen Nachtisch. Eigentlich sollte es Bingsu geben, dieses war jedoch leider ausverkauft, weshalb Torte eine würdige Alternative war. Allerdings nahm ich die Hälfte für den nächsten Tag mit.

Zum Abschluss des Abends warfen wir noch einige Körbe mit dem neuen Basketball an der Uni. Eine halbe Stunde, bevor die Leute aus dem Studentenwohnheim zurück mussten stieß Dominik noch dazu, während ich (um 23 Uhr…) noch eine Videokonferenz mit den anderen Mitarbeitern vom Kinderkreis hatte um zu klären wie es weitergeht und ob dieser wieder starten kann.

Da mein Abendessen, abgesehen von der Torte, sehr klein ausgefallen war und Dominik ebenfalls Hunger hatte entschieden wir auf dem Rückweg einen kurzen Abstecher in ein Fried Chicken Restaurant zu machen, als Mitternachtssnack. Wie gut, dass diese Stadt nie schläft!

Donnerstag wurde endlich auch der letzte Internationale Student aus der Quarantäne entlassen. Um dies zu feiern trafen wir uns alle zusammen zum Essen in Itaewon. Dieses Stadtviertel ist vor allem bei Touristen sehr beliebt und bietet ein großes Nachtleben, welches allerdings nicht ganz günstig ist. Auch das Essen war hier teurer und überraschend mexikanisch, da ich für den Abend ein Quesadilla aß.

Für Freitag hatte ich mich mit zwei Jungs aus meinem CoPro Projekt verabredet. Dieses ist mir der Grund, warum ich jetzt gerade überhaupt in Korea bin. Das Projekt startete im März und besteht aus mehreren Gruppen, die jeweils aus Koreanern und Deutschen bestehen. Normalerweise wären wir im Rahmen dieses Projekts nach Seoul geflogen, jedoch musste das wegen Corona ausfallen. Somit hatte ich schon mehrere Stunden mit den beiden verbracht, jedoch immer getrennt und nur digital. Umso schöner war es, sie endlich in echt zu treffen, auch wenn wir zunächst einige Minuten nebeneinander standen und ich sie nicht erkannt und sie mich nicht gesehen haben… Nachdem das aber geklärt war ging es los zum Essen. (Ich bekomme den Eindruck, dass es sich zu 80% auf dem Blog um Essen dreht im Moment. Ich verspreche, ich tue auch noch andere Dinge…) Es gab Korean BBQ. Allerdings im kleinsten Laden wo ich bisher war. Es war ehr ein einzelner Raum, eine halbe Treppe von der Straße aus runter, mit Klapptischen und Fässern als Hocker. Dort war es bereits relativ voll und vor allem auch laut, durch die ganzen Menschen die sich unterhielten. Wir hatten definitiv auch unseren Spaß und wurden zwischenzeitlich sogar gebeten etwas leiser zu sein. Passiert… Nach dem Essen dort ging es weiter zu einem nahgelegenen Laden um eine weitere koreanische Spezialität zu probieren. Als diese serviert wurde dachte ich nur: “Das Gericht kenne ich doch.”. Es erinnerte an einen tellergroßen Reibekuchen. Auch der Geschmack war ähnlich, wobei hier auf die Eier im Teig verzichtet wird. Außerdem gibt es dazu kein Apfelmus sondern Sojasoße. Schmeckt auf jeden Fall auch und war passend zur Kuckucksuhr an der Wand, die dort als Dekoration hing. Wir unterhielten uns den ganzen Abend über das Projekt, die Uni und die Unterschiede zwischen Deutschland und Korea. Fast schon etwas traurig war es, als wir uns gegen Mitternacht verabschieden mussten, da einer von beiden im Studentenwohnheim wohnt und der andere noch 1,5 Stunden Zug fahren musste. Allerdings stand die nächste Verabredung für Sonntag zum Mittagessen und anschließend Basketball spielen.

Ich hatte mit Dominik ausgemacht, dass ich mich bei ihm melden wenn ich mit meiner Verabredung durch bin um herauszufinden, ob der Rest der Gruppe noch unterwegs ist und ich dazu stoßen kann. Allerdings erreichte ich ihn nicht und in Anbetracht der Zeit war ich davon ausgegangen, dass er bereits zuhause ist. Umso überraschter war ich, als die Wohnung leer war. Bereits auf dem Weg hatte ich meinen Bruder angerufen um mit ihm das wöchentliche, freitagsabendliche Telefonat zu führen während ich durch die Stadt wandere. Als ich nach über einer Stunde auflegte sah ich, dass Melanie mir geschrieben hatte und fragte wo ich war. Sie erzählte dann, dass sie es nicht rechtzeitig ins Wohnheim geschafft hatte, aber gerade noch mit den Jungs im PC Raum war. So fand ich dann auch heraus wo Dominik steckte. Der Plan der Gruppe war, anschließend noch feiern zu gehen. Da ich bereits müde und umgezogen im Bett lag, verzichtete ich und wünschte viel Spaß.

Am Samstag war es morgens sehr lange ruhig in der Wohnung. Gegen 12:30 Uhr kam Dominik aus seinem Zimmer und man konnte ihm die vorherige Nacht definitiv ansehen. Er erzählte, dass die Party sehr lustig aber auch sehr lang war. In den Morgenstunden ist er, während dem Sonnenaufgang (gegen 6 Uhr) mit dem Scooter nachhause gefahren. Da wir momentan leider direkt nebenan eine Baustelle haben und dort die arbeiten unabhängig vom Wochentag, bereits um 7 Uhr beginnen hatte er nicht viel erholsamen Schlaf. Andere Leute hatten aber wohl noch eine deutlich härtere Nacht und mehr Alkohol, weshalb der geplante Brillenkauf mit zwei anderen vorerst verschoben werden musste. Somit trafen wir uns Samstag Abend nur zum Abendessen mit den anderen, mit dem Plan früh ins Bett zu gehen. Daraus wurde jedoch nichts, denn als wir nach dem Abendessen noch etwas trinken gingen und es eigentlich Zeit wurde, dass die Wohnheimleute los müssen, hatte Anaïs noch keine Lust und wollte lieber Tanzen gehen. Da wir nicht direkt etwas besseres vorhatten (schlafen kann man ja bekanntlich wenn man tot ist…) begleiteten Dominik und ich sie. Es war sehr lustig, der Eintritt umsonst und lief gute Musik, sodass wir viel tanzten, bis dass uns gegen 3 Uhr doch die Müdigkeit einholte. Da ich ein großes Bett haben kam Anaïs mit zu uns und schlief hier, damit sie nicht die ganze Nacht draußen sein musste.

Leider hatten mit Samstag die beiden Jungs für Sonntag aus verschiedenen Gründen abgesagt. Deshalb beschlossen wir, unsere eigene Basketball Gruppe zusammen zu suchen. Dazu trafen wir uns um 16 Uhr am Sportplatz wo deutlich mehr los war als erwartet. Die Felder waren alle besetzt, wobei es pro Gruppe schon nur ein halbes Feld gab. Wir hatten jedoch Glück, dass um 17 Uhr ein halbes Feld frei wurde und wir dort über eine Stunde mit 2 gegen 2 und 3 gegen 3 spielen konnten. Als Stärkung ging es dann mit der großen Gruppe um 18:30 Uhr zum Abendessen in die Nähe. Diesmal jedoch tatsächlich nur kurz, da Dominiks Schlafdefizit in der letzten Nacht nur größer geworden war und auch ich müde wurde. Zudem erwartete mich noch eine Skype Verabredung mit Freunden aus der Heimat. Trotzdem war es schön wieder richtig Sport zu machen.