Besonders berühmt im Süden von Chile ist der Nationalpark Torres del Paine. Er lockt jährlich zahlreiche Touristen in die sonst menschenleere Gegend. Auch uns.
Von Punta Arenas aus Starteten wir nach einer Nacht im Boot. Zunächst noch über eine große asphaltierte Straße, führte uns der Weg die letzten 70km bis zum südlichen Eingang in den Nationalpark über eine Schotterstraße. Dabei war die Schotterstraße mal in besserem und mal in schlechterem Zustand. Wir durchqueren eine sich verändernde Landschaft, an Seen vorbei immer näher auf die Berge zu.
An der Grenze des Nationalparks gibt es eine Kontrolle. Der Nationalpark kostet Eintritt, der besonders für Ausländer nicht ganz günstig ist. Für drei Tage kostet er 30€ pro Person. Wir haben den Parkpass bereits im Vorhinein besorgt und müssen diesen an den Eintrittsstellen trotzdem vorzeigen. Wir sind also brav ausgestiegen und rein gegangen, um dort zu erfahren, dass die Ranger streiken und man ohne Kontrolle in den Park kommt. Gut, dann fahren wir also so weiter.
Auf dem Weg zur Unterkunft hatten wir etwa 40km Strecke durch den Nationalpark. Dafür haben wir natürlich extra Zeit eingeplant und zahlreiche Stopps. Die Strecke begann mit einem Ausblick auf die bekannten Felsentürme des Nationalparks, die besonders aus dem Bermassiv hervor stechen. Sie verleihen dem Park auch ihren Namen. „Paine“ bedeutet auf der Sprache der Ureinwohner so viel wie „himmelblau“. Torres del Paine heißt also die Türme vor dem blauen Himmel. Auch wenn bei uns das Himmelblau zunächst etwas fehlte, waren die Türme unfehlbar. Am Paine Fluss entlang kamen wir zum Pehoé See. An diesem liegt eines der sehr bekannten (und teuren) Hotels des Parks. Es bietet aber auch einen kleinen Hügel mit Stegen, von denen man einen tollen Blick auf die Berge und den See hat. Zusätzlich wurde der Himmel klarer und die Sonne kam raus, sodass das Wasser des Sees blau glitzerte. Vom dort fuhren wir weiter zum Salto Grande, der wie sein Name schon sagt, ein großer Wasserfall ist. Man kann mit dem Auto an einer Fähre vorbei ein ganzes Stück an die Wasserfälle ran fahren. Das letzte Stück muss man jedoch laufen. Weit ist die Strecke dabei nicht. Aber windig. Und wie doll es mal wieder pustete. Man musste besonders an exponierten Stellen etwas aufpassen. Am Wasserfall angekommen wurde auch von dort das Wasser natürlich nach oben gepustet. So groß wie der Name vermuten lässt war der Wasserfall dann auch nicht…
Zuletzt kamen wir noch am Nordenskjöld Aussichtspunkt vorbei. Auch von dort kann man die umliegenden Seen und Berge super sehen. Nicht erwähnt sind hier die ganzen anderen Aussichtspunkte und Stopps die wir entlang der Route gemacht haben. Nach insgesamt 3,5 Stunden waren wir aus dem Park wieder raus. Von dort war es eine knappe Stunde bis zur Unterkunft. Doch auch das dauerte auf Grund von zahlreichen Foto Stopps deutlich länger. So viel länger dass wir beide irgendwann keine Lust mehr hatten und einfach nur froh waren, als wir um 21:30 Uhr unser neues Tiny House für die nächsten drei Nächte erreichten. Dieses lag im kleinen Ort Cerro Castillo direkt an der chilenischen Grenze. Das beste an dieser Unterkunft war (außer dass sie im Gegensatz zu den wenigen Unterkünfte im Park bezahlbar war) das große Fenster direkt am Bett mit Blick auf die Felder und Berge hinter dem Haus. Besonders bei Sonnenuntergang leuchteten dort die Wiese und de Berge in rot orangen Licht.
Für den nächsten Tag hatten wir eine Wanderung geplant. Da wir jedoch keine Lust hatten auf Wege voller Menschen, entschieden wir nicht die bekannte Wanderung zu der Lagune an den Torres zu machen. Stattdessen fanden wir eine Wanderung die genau auf der Rückseite der Türme ist. Sie startet an einem großen See, führt durch Wiesen voller Blumen (wie im Film) und mehrere Bergkuppen hinauf. Die Landschaft veränderte sich dabei stetig. Es gab viele abgestorbene und teils abgebrannte Bäume. Das besondere an der Wanderung: die drei Torres (zu deren Lagune man hätte wandern können) sind die ganze Zeit vor einem. Aber von der Rückseite. Es war fast nichts los, wir begegnete nur vier Menschen und zwei Guanachos auf der gesamten Tour. Die beiden Guanachos begegnete uns kurz vor erreichen des Ziels und standen plötzlich auf dem Weg. Als sie uns bemerkten flüchteten sie ein Stück den Hang hinauf, blieben jedoch neugierig stehen und beobachteten uns so lange, bis wir verschwunden waren. Als wir endlich das Ziel erreichten (nach mindesten drei Stellen an den wir dachten: aber da oben ist jetzt wirklich das Ziel), hatten wir einen tollen Ausblick auf zwei Seen (unter anderem die Laguna Cebolla = Zwiebelsee) und die Bergkette mit den Torres. Leider war es dort jedoch so windig, dass wir nur kurz verweilten und Fotos machten, bevor wir wieder ein Stück zurück gingen um an einem windgeschützten Ort Pause zu machen. Irgendwie war die Wanderung so anstrengend gewesen, dass auf das Essen ein kurzer Powernap folgte, bevor wir uns auf den Rückweg ins Tal zum See machten. Nach insgesamt 20km und 700hm kamen wir wieder am Auto an. Auf dem Rückweg entschieden wir uns noch für einen Abstecher zum Wasserfall Cascada Eio Paine und zur Laguna Amarga. Der Wasserfall war sehr beeindruckend und gefiel uns noch mehr als der vom Tag zuvor. Zum Glück war auch der Weg dorthin kürzer, da wir beide unsere Beine deutlich spürten. Die Laguna Armaga ist das touristische Zentrum von Torres del Paine. Dort startet unter anderem die Wanderung zu den Torres. Außerdem gibt es dort ein großes Welcome Center inklusive Tourishop. Es waren wirklich viele Menschen dort (obwohl es bereits Abend wurde). Wir sahen uns kurz um, bevor wir zurück zum Parkeingang fuhren. Dort fahren auch die großen Busse in umliegende Städte ab. Dort tummelten sich ebenfalls zahlreiche Menschen und dass obwohl dort bereits einige Busse abgefahren waren. Auch dort hielten wir uns nutz kurz für einige Fotos auf. Auf dem Rückweg machten wir direkt außerhalb der Parkgrenzen noch einen kurzen Stopp an der eigentlich Laguna Armaga. Von dort konnten wir auch die Drohne steigen lassen. Die untergehende Sonne begann alles in ein rotes Licht zu tauchen. So hielten wir erneut bei einer anderen Lagune. Dort parkten vereinzelt Camper. Wir machten wieder Fotos und ninja für Caro ein Video vom Sticker „Schön hier, aber waren Sie schon mal in Baden Württemberg?“. Das hatten wohl zwei beobachtet, die sie daraufhin auf Deutsch ansprachen und fragten ob sie auch aus BW komme würde. Die deutschen findet man aber auch überall… Von dort fuhren wir zurück in unser Tinyhouse und waren sehr froh, dass wir am Tag zuvor so viel essen gekocht hatten, dass wir es nur aufwärmen brauchten.
Der dritte und letzte Tag vor Ort sollte zur Erholung sein. Nach der Wanderung am Tag zuvor, freuten wir uns, morgens einfach mal liegen zu bleiben. Wir telefonierten mit Zuhause und schrieben Blog. Für den Nachmittag hatten wir noch eine besondere Aktion geplant: einen Ausritt durch die Wiesen der Gegend. Pferde werden hier in Patagonien noch immer viel zum Arbeiten genutzt. In dem Fall des Bauernhofs wo wir zu Besuch waren (der Praktischerweise direkt neben unserer Unterkunft war) werden Schafe gezüchtet. Die Pferde werden unter anderem dazu genutzt um die Schafe zusammen zu treiben. Dabei reiten die Gauchos auf den Pferden und haben diese super unter Kontrolle, dirigieren diese auch kurzfristig mal in eine andere Richtung und nutzen außerdem Schäferhunde zur Unterstützung. Wir waren aber nicht da um Schafe zusammen zu treiben, sondern für einen dreistündigen Ausritt. Es war extrem windig, weshalb wir uns warm angezogen hatten. Durch die Wärme vom Pferd war es aber auch nicht kalt. Wir waren die einzigen beiden Teilnehmer der Tour. Jeder von uns bekam einen Helm, Gamaschen und ein Pferd und nach einer kurzen Einweisung ging es los. Für uns beide ist es schon etwas her, dass wir das letzte Mal auf einem Pferd saßen. Trotzdem lief es zunächst ganz gut. Bis Ninjas Pferd nicht ganz so wollte, wie sie. Es war ziemlich dickköpfig und wollte partout in die andere Richtung. Nach etwas Hilfe durch unseren Guide und die Anweisung ihm solchen Quatsch nicht durchgehen zu lassen, lief es aber sehr gut.
Wir durchquerten mehrere große Wiesen und gingen dabei kontinuierlich den Berg hinauf. Teilweise durch felsige Stücke, einmal steil zu einem kleinen Bach hinunter und auf der anderen Seite wieder hoch. Die Pferde machten dabei über den Bach einen kleinen (unerwarteten) Hoppser, bevor sie die andere Seite in drei großen Sätzen hoch galoppierten. Unsere Pferde wollten sie dabei immer mal messen, wer denn jetzt schneller ist und die Nase vorn hat, weshalb wir sie immer wieder bremsen mussten wenn sie in ein Trab oder schneller verfielen. Der Weg ging weiter durch eine große Wiese auf der sonst auf die Schafe der Farm stehen. Dort kamen wir auch an einigen Knochen und Schafsgerippen vorbei. Am Ziel, einem kleine See angekommen, hatten wir einen tollen Blick über das Tal in dem unter anderem Cerro Castillo liegt. Wir verweilten dort kurz, bevor es anschließend wieder runter zurück zur Farm ging. Uns machte der Ausritt wirklich viel Spaß, wenngleich uns beiden von den (doch sehr unbequemen) Metallgestellen der Sättel der Hintern ordentlich weh tat.
Für den Abend stand dann nur noch Lebensmittel aufbrauchen und Sachen packen an. Insbesondere alle frischen und tierischen Lebensmittel (Obst, Gemüse, Milch, etc.) mussten aufgebraucht werden, da für den nächsten Tag die Überquerung der Grenze auf dem Plan stand. Ein wunderschöner Sonnenuntergang, mit Schafen vor dem Fenster und Gold leuchtender Wiese, bot ein tollen Abschied vom Torres del Paine.