Heute Morgen nach dem Frühstück ging es weiter. Dazu mussten wir zunächst zum Flughafen. Wir wurden vom Uber direkt am Hotel eingesammelt. Auf dem Weg versuchte uns der Fahrer etwas zu erklären aber viel mehr als „Polizei“ und „Uber“ und „Flughafen“ war nicht zu verstehen. Schließlich konnte er uns mit Hilfe von einem Übersetzer erklären, dass Uber in Santiago nicht am Flughafen halten dürfen und dass dort die Polizei steht und kontrolliert. Stattdessen gibt es ein kostenloses Shuttle zum Flughafen, zudem er uns bringt.
Der Parkplatz und das Shuttle waren in unmittelbarer Nähe. Eigentlich waren wir davon ausgegangen er setzt uns dort ab und das war’s. Aber er parkte sein Auto und begleitete uns zum Bus. Natürlich bestand er darauf, dass er meine Tasche nimmt. Frauen sollten hier sowas nicht tun müssen… an der Bushaltestelle angekommen sagten wir ihm, dass er uns gerne den richtigen Bus zeigen soll, wir es aber alleine zum Flughafen schaffen. Das ging jedoch nicht, da er von Uber die Fahrt erst am Flughafen beenden durfte um sein Geld zu erhalten. Also fuhren wir gemeinsam die vier Minuten mit dem Bus zum Flughafen. Dabei passierten wir unter anderem auch die Kontrollstelle der Polizei, die jedes Auto einzeln kontrollierten und ggfs. abschleppten. Falls man erwischt wird kostet es 600€ und einen Monat Entzug der Taxilizenz. Am Flughafen angekommen ging er mit uns zum Terminal. So nett die Begleitung auch war, so froh waren wir, als wir dann doch wieder alleine unterwegs waren.
Die Abgabe der Koffer nahm dann noch mal etwas Zeit und Nerven in Anspruch, da das ganze an automatischen Schaltern ablief. Grundsätzlich ein gutes System und in Frankfurt hatte Ninja auch gute Erfahrungen damit, hier funktionierte es aber sehr unzuverlässig und zusätzlich seeeeeehr langsam. Von acht Stationen funktionierten nur vier. Und dort mussten man geduldig sein. Als wir endlich dran waren gab es eigentlich nur drei Schritte zu tun. Koffer auf das Band stellen, Gepäckanhänger (den man zuvor woanders ausgedruckt hatte) scanne und Bordpass scannen. Jedoch mussten man zwischen jedem dieser Schritte mindestens dreizig Sekunden warten während der Computer rödelte. Zusätzlich stimmten die Waagen nicht ganz und zeigten immer mal etwas unterschiedliche Gewichte an. Demnach sollte auch unser Koffer 500g zu schwer sein. Beim ersten Mal wollte uns das Gerät deshalb zu einem Schalter schicken. Nachdem wir den Koffer erneut drauf gelegt haben, brach es einmal den Vorgang ab nur um dann beim dritten Mal den Koffer zu akzeptieren und gleichzeitig anzuzeigen dass wir nach drei fehlgeschlagenen Versuchen jetzt zum Schalter sollten… Da wir aber alle Koffer abgegeben hatten ignorierten wir den Hinweis und machten uns auf den Weg zum Gate. Dank fünf Minuten Sicherheitskontrolle erreichten wir dieses bereits früh und uns blieb noch Zeit für eine Portion Pommes vor dem Abflug.
Unsere Weiterreise ging ganz in den Süden von Chile in die wunderschöne Region Patagonien. Unser Flug führe uns dabei, mit einer Zwischenlandung in Puerto Montt, nach Punta Arenas. Punta Arenas ist die südlichste Stadt der Welt (auf dem Festland) und wird oft als Ausgangspunkt für Expeditionen in die Antarktis genutzt.
Wir hatten bei der Zuweisung der Plätze für diese Flüge etwas Pech und saßen in der aller letzten Reihe des Flugzeugs. Grundsätzlich ist uns meistens relativ egal wo wir sitzen (wobei am liebsten am Fenster…), die letzte Reihe hat allerdings den entscheidenden Nachteil überhaupt kein Fenster zu haben. Heißt egal wo genau man in dieser Reihe sitzt, hat man keine Möglichkeit raus zu sehen. Das war nicht nur sehr schade, weil wir direkt an den Anden vorbei geflogen sind, sondern ein richtiges Problem auf dem zweiten Teil des Fluges.
Der Flug landet einmal zwischen, alle Leute die dort aussteigen verlassen das Flugzeug, alle anderen bleiben sitzen. Dann steigen Leute zu und der Flug geht weiter. Leider waren beide Flüge so voll, dass man sich auch nicht umsetzen konnte. Es war auch alles gut, bis wir uns Patagonien näherten. Neben der einmaligen Landschaft ist Patagonien vor allem für eines bekannt: starken Wind. Und den bekamen wir sehr deutlich im Landeanflug zu spüren. Das Flugzeug schwankte und wurde ordentlich durch geschüttelt. Jan ärgerte sich darüber, dass er im Reiseführer keine Notizen mehr machen konnte, weil er nicht mehr schreiben konnte. Ninja hatte währenddessen mit Reisekrankheit zu kämpfen. Schon als Kind konnte sie während Autofahrten nicht lesen und nur aus dem Fenster gucken. Alles mit Bewegung und ohne visuelle Referenz sorgt bei ihr schnell für Übelkeit. Die Landung bildete dabei keine Ausnahme sondern ehr die Spitze des Eisbergs. Hätte Jan nicht kurz vor knapp gesagt, dass es nur noch 200m bis zum Boden wäre hätte sie nicht ihre letzten Kräfte mobilisieren können um durchzuhalten. Und während wir sonst immer entspannt im Flugzeug sitzen bleiben bis alle Drängler raus sind, wollte vor allem Ninja diesmal so schnell wie möglich raus. Von einem Platz in der letzten Reihe denkbar schwierig. Nicht besser machte die Situation den kontinuierliche Wind, der das Flugzeug selbst am Boden immer noch schwanken ließ.
Als wir endlich aus dem Flugzeug raus waren, zitterte Ninja am ganzen Körper und hatte noch immer weiche Knie. Auch die Übelkeit hielt weiter an. Aber immerhin wieder festen Boden unter den Füßen und Fenster aus denen man raus gucken konnte.
Der Flughafen in Punta Arenas ist winzig, sodass wir nach nur fünf Minuten mit Gepäck aus dem Flughafen raus waren. Wir wurden von zahlreichen Rufen „Taxi?“ empfangen und kämpften uns unseren Weg dadurch. Anschließend wunderten wir uns etwas, wo denn unsere Mietwagenfirma ist. Wir fanden heraus, dass uns ein Mitarbeiter der Firma am Flughafen begrüßen würde. Allerdings erst zur ausgemachten Zeit in einer halben Stunde. Also machten wir es uns auf Stühlen im Gebäude bequem (Ninja zwischenzeitlich auch an der frischen Luft) und warteten. Und warteten noch länger. Als die abgemachte Zeit fast gekommen war, bekamen wir die Info, dass am Fahrzeug gerade noch Reifen gewechselt werden und es noch etwas dauern würde. Also warteten wir weiter. Und noch weiter. Wir konnten zusehen wie eine Reisegruppe von einer Expedition aus der Antarktis zurück kam und wurden noch immer gefragt ob wir ein Taxi brauchen (von den immer gleichen Menschen versteht sich…). Über eine Stunde nach der ausgemachten Zeit kam endlich der Herr von der Autovermietung mit unserem Fahrzeug. Nach einer Inspektion rundherum übernahmen wir unser Gefährt für die nächsten Tage. Allerdings noch nicht vollständig. Die Papiere für das Fahrzeug, die wir für den Grenzübertritt nach Argentinien brauchen (die wir vor über 6 Wochen beantragt und teuer bezahlt haben) waren nur digital und nicht ausgedruckt vorhanden, weil sie angeblich erst vor zwanzig Minuten an de Herrn der Autovermietung geschickt wurden. Da wir in den nächsten Tagen keinen Drucker verfügbar haben und auch keine Lust haben uns darum zu kümmern es zu drucken, bestanden wir darauf, sie ausgedruckt zu erhalten. Er sagte uns, falls wir jetzt nach Punta Arenas in die Stadt fahren, könnte er uns dieser dort geben. Er würde uns die Adresse schicken. Mit diesem Versprechen machten wir uns um kurz vor 19 Uhr endlich vom Flughafen aus auf den Weg in die Stadt.
Nachdem wir nun endlich vom Flughafen los konnten galt es, etwas essbares zu finden. Die Übelkeit war endlich weg und der Hunger kam deutlich durch, war die letzte Mahlzeit auch das Frühstück gewesen.
Jan hatte zuvor ein kleines süßes Restaurant raus gesucht. Wir wurden herzlich empfangen und bekamen beide typische Gerichte serviert. Es war lecker und genau das, was wir brauchten. Während dem Essen überlegten wir bereits die nächsten Tage. Es gab die Option Magellan Pinguine zu besuchen. Dafür muss man jedoch mit einem Schiff durch den Magellankanal fahren. Dieser ist bedingt durch den Wind für sein raues Wasser bekannt. Das schreckt (vor allem nach dem Flug) Ninja etwas ab. Es gibt die Option mit einem kleine Schnellboot zu fahren, dann dauert die Überfahrt 45 Minuten. Oder aber mit einer großen Fähre, dann dauert die Fahrt zwei Stunden, ist aber günstiger. Am Ende entschieden wir uns mit der Fähre zu fahren, in der Hoffnung dass diese aufgrund ihrer Größe ruhiger im Wasser liegt.
Gestärkt und mit dem Beschluss gefasst ging es zum Supermarkt. Die meisten Unterkünfte die nächsten Tage haben eine Küche. Das bedeutet wir können unser eigenes Essen machen. Der Supermarkt war denkbar unspektakulär, wobei wir feststellen mussten, dass insbesondere die Auswahl an Gemüse sehr eingeschränkt ist. Trotzdem fanden wir alles was wir brauchten und konnten zur Unterkunft fahren.
Unsere Unterkunft für die Nacht lag auf dem Berg oberhalb der Stadt. Es ist eine Zeltkuppel mit Blick aufs Meer. Als wir dort oben ankamen mussten wir bereits beim aussteigen sehr aufpassen, weil der Wind so stark war. In Böen pustete er einen fast um und zur Unterkunft musste man einen kleinen Fußweg laufen. Wir schafften alles erfolgreich in die Unterkunft und waren sehr froh als wir endlich im Bett lagen.
Der nächste Tag begann etwas früher. Die Fähre fuhr um 10:30 aus dem zwanzig Minuten entfernten Hafen ab. Da die Parkplatz Situation vor Ort wohl nicht ganz einfach ist, wollten wir etwas früher dort sein. Außerdem mussten wir frühstücken, Proviant für den Weg schmieren, warme Kleidung raussuchen und alles wieder zusammen packen. Am Ende war die Parkplatzsuche am Hafen überhaupt kein Problem und wir waren überpünktlich da. Man sagte uns, dass wir im Hafengebäude warten sollten und am Ende mit dem Tourführer auf das Schiff gehen könnten. Und wunderte schon etwas, dass eine große Autofähre (ähnlich der Fähren über den Rhein) für die acht Leute die fährt, mit denen wir auf das Schiff gingen. Wenig später fanden wir jedoch heraus, dass bereits mindestens zwanzig andere Leute auf dem Schiff waren. Dort gab es zwei Decks. Ein unteres mit normalen Kumststoffstühlen und Tischen und ein oberes mit dicken Sesseln, bei denen man sogar eine Beinablage hatte. Leider waren oben bereits alle Plätze an Fenstern belegt. Da wir nach der Erfahrung des Flugs nicht riskieren wollten ohne Fenster zu sitzen, wenn sich das Schiff in den Welle bewegt, blieb uns nichts anderes übrig als unten zu sitzen.
Die Überfahrt dauerte knapp zwei Stunden. Währenddessen erhielten wir bereits Infos über die Insel und ihre kleinen, niedlichen Bewohner. Der Wellengang war auch sehr entspannt, sodass wir die Insel gut erreichten. Die kleine Insel ist unbewohnt und gerade mal 1,7 breit und 650m lang. Seit 1982 gilt die Insel als Naturdenkmal und gehört zum Nationalpark Monumento Nacional Los Pingüinos. Im Umkreis von 30km um die Insel ist fischen verboten um den Lebensraum und die Nahrung der Pinguine zu schützen.
Schon vom Schiff konnten wir viele Pinguine sehen. Im Gegensatz zu den Pinguinen in Australien sind diese auch tagsüber aktiv. Auf der Insel ist ein ca. 1,5 km langer Rundweg mit Seilen abgesteckt, der einmal hoch zu einem Leuchtturm führt und dann zurück zum Schiff. Auf diesen Wegen darf man sich frei bewegen, wobei immer ein Offizieller in der Nähe ist um sicher zu gehen, dass man den Pinguinen nicht zu nahe kommt. Die Pinguine interessieren sich nicht besonders für die Menschen die da sind um sie zu sehen. Stattdessen watscheln sie lustig durch die Gegend, putzen sich oder sitzen mit ihren Küken in der Höhle. Insgesamt ist die Insel von 60.000 Pinguinpaaren besiedelt. Zusätzlich brüten dort auch viele Möwen. Aufpassen musste man dort nur vor dem Wind, der einen insbesondere oben am Leuchtturm fast weg pustete. Nach einer Stunde Besuch auf der Insel hieß es leider zurück aufs Schiff. Es war sehr schön dort und wirklich toll Pinguine so nah sehen zu könne.
Auch die Rückfahrt von der Insel war vergleichsweise ruhig. Dort zahlte sich aus, dass wir die größere Fähre und nicht das kleine Boot genommen hatten, da die Wellen mit mehreren Metern zwar imposant anzusehen waren, das Boot aber nur minimal zum Schaukeln brachten. Am Festland angekommen galt es die Frage zu klären, wann und wie wir jetzt endlich die Papiere für das Auto bekommen würden, da sich die Autovermietung nicht mehr bei uns gemeldet hatte. Nach mehrmaliger Nachfrage und dem Hinweis, dass wir in kürze die Stadt verlassen würden, erhielten wir endlich eine Adresse an der wir diese abholen könnten. Das klappte auch und nun mussten wir lediglich noch einige Kleinigkeiten einkaufen bevor wir uns auf den Weg in die nächste Stadt machten.
Für den Einkauf gab es einen Supermarkt direkt am Weg. Bei der Wahl dessen wussten wir nur nicht, dass er in einem riesigen Einkaufszentrum liegt. Bereits bei der Parkplatzsuche durch ein riesiges, chaotisches und quasi nicht beschildertes Parkhaus wurde uns bewusst, dass es nicht die beste Wahl gewesen war. Schließlich fanden wir einen Parkplatz. Um zum Supermarkt zu gelangen mussten wir an einigen Läden vorbei. Dabei war es ziemlich voll. Wahrscheinlich sind auch hier die Leute mit Weihnachtseinkäufen beschäftigt. Auch wir stoppten noch in zwei Outdoorläden, wo Jan ein Oberteil für sich fand. Als wir endlich alles erledigt hatten ging es los Richtung Puerto Natales.
Nach drei Stunden Fahrt durch die Steppe und gerade Straßen erreichten wir in der Abendsonne den kleinen Ort Puerto Natales. Mit seinen knapp 20.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt in der Region Magallanes y Antárctica Chilena. Für uns jedoch lediglich ein Zwischenstopp auf dem Weg Richtung Norden. Trotzdem hatten wir uns auch hier eine besondere Unterkunft ausgesucht. Die Chile Austral, ein altes Fischerboot, was ausgebaut und aufgebockt auf dem Land steht, war unsere Unterkunft. Bei der Ankunft wurden wir direkt von zwei Hunden begrüßt. Innen gab es neben einem großen Schlafzimmer mit Balkon und einem Badezimmer auch eine Kajüte und eine versteckte Bar, zu der man im Vorderen des Schiffs krabbeln konnte. Wirklich ungewöhnliche Herberge. Da wir beide müde waren und keinen großen Hunger hatten entschieden wir uns dagegen, noch etwas essen zu gehen und gingen stattdessen etwas früher ins Bett.
Nach einer gemütlichen Nacht machten wir noch einen Abstecher in die Stadt. Erst (mal wieder) zum Supermarkt und anschließend an die Promenade. Die wohl einzige Sehenswürdigkeit in der Stadt. Der blaue See vor den Schneebedeckten Bergen sah wirklich toll aus und reichte für ein paar Fotos. Danach ging es endlich weiter in unser Ziel für die nächsten Tage: Torres del Paine Nationalpark.