Teotihuacan

Bereits bevor wir in Mexiko waren hatte Jesús Pläne gemacht, was er uns am Wochenende zeigen wollte. Für Samstags war ein Ausflug nach Teotihuacan geplant. Dies liegt etwa 45 km nordöstlich der Stadt und gilt als eine der bedeutendsten prähistorischen Ruinenstädte Amerikas.

Da es am Abend zuvor spät geworden war, hatten wir uns für 11 Uhr verabredet. Da Jesús aber im Stadtverkehr feststeckte wurde es kurz vor zwölf, bis er tatsächlich bei uns war. Gemeinsam machten wir uns mit dem Auto auf den Weg. Zunächst noch durch den dichten Stadtverkehr, bis wir die Grenze zwischen Mexiko Stadt und Mexiko State erreichten. Dort wurde der Verkehr etwas weniger und auch die Landschaft und die Häuser veränderten sich sehr.

Nach etwas mehr als einer Stunde hatten wir unsere Ziel erreicht. Die Pyramiden von Teotihuacán. Teotihuacán bedeutet so viel wie:”Wo man zu einem Gott wird”. Diesen Namen erhielt der Ort von den Azteken die bei ihrer Einwanderung ins Hochland von Mexiko die Stadt bereits als Ruinen vorfanden. Verlassen wurde diese, aus bisher unbekannten Gründen, etwa 750. Besonders bekannt sind dort die Sonnen- und Mondpyramide da diese riesig sind. Wir starteten am äußersten Ende der “Straße der Toten”, welche den gesamten Ort durchquert, am großen Komplex. Dieser diente früher als Organisationssitz der Stadt.

Die zahlreichen Pyramiden auf dem Gelände können fast alle bestiegen werden. Dabei sind die Stufen die hinaufführen jedoch sehr steil und hoch gebaut, sodass man immer wieder Touristen sah, die im sitzen die Treppen wieder herunter kamen oder am oberen Ende standen und aufeinander Höhenangst bekamen. Es gibt dort auch nur sehr wenige Absicherungen, damit man nicht herunter stürzt, ein Geländer, bzw. ein Seil, gibt es auch nur auf den ganz großen Pyramiden.

Alle Bereiche dort sind immer wieder durch Treppendämme abgetrennt über die man “klettern” muss. Dazwischen gibt es zahlreiche kleine Händler, die alles mögliche an Souvenirs verkaufen.

Wie groß die Stadt damals dort gewesen sein muss merkt man erst, wenn man auf der “Straße der Toten” steht und sieht wie weit es bis zur Mondpyramide ist, welche sich am Ende befindet. Auf dem Foto lässt sich diese nicht einmal erkennen. Hinten rechts von der Straße lässt sich jedoch die Sonnenpyramide erahnen. Passend zu dieser hatten wir großes Glück mit dem Wetter und es war den ganzen Tag sonnig und trotz etwas Wind auch warm. Der Wind wurde rückblickend aber vor allem Caro zum Verhängnis. Man merkt kaum wie sehr die Sonne vom Himmel brennt, sodass ein Sonnenbrand vorprogrammiert war. Das ganze Ausmaß wurde jedoch erst einen Tag später klar und sie erhielt den liebevoll gemeinten Spitzname “living Tomato”.

Zwischen den großen Pyramiden befinden sich auch immer wieder kleinere, sowie verschiedene andere Ausgrabungsstätten. Fest angelegte Wege gibt es dabei nicht, sodass man auch immer mal wieder durch die Wiese läuft. Etwas, wovon ich kein Fan war, da dort überall Grashüpfer saßen und ich kein Fan bin von allen Tieren die plötzlich springen oder aber fliegen können. Mit der Zeit konnte ich mich etwas daran gewöhnen, jedoch bin ich den kleinen Hüpfern bis zum Ende so gut es ging aus dem Weg gegangen.

Mit Ausblick auf die Sonnenpyramide konnte ich beobachten wie zwei Mexikaner versuchten ein Foto von sich zu machen. Nachdem sie mit Jesús Hilfe dieses gemacht hatten wollten wir ebenfalls eine haben und liehen uns dafür die passenden Hüte von den beiden Männern aus. Viel mexikanischer könnte das Foto dann fast nicht mehr sein.

Nachdem wir die Sonnenpyramide aus der Ferne gesehen hatten war dies nun unser nächstes Ziel. Aus der Entfernung wirkt sie nicht so groß wie sie tatsächlich ist. Sie ist die zweitgrößte Pyramide des amerikanischen Kontinents. Man konnte genau sehen wie sich ein ganzer Strom an Touristen wie eine Ameisenstraße dort hinauf bewegte. Dabei galt es auch hier wieder viele, sehr steile Stufen zu erklimmen.

Zufällig begegneten wir während dem Aufstieg ebenfalls drei Mädels aus Deutschland die sich über einen bekannten Sticker, mit der Aufschrift “Schön hier, aber waren Sie schon mal in Baden Württemberg”. Wir bekamen dieses flüchtig mit und mussten über die Assoziation herzlich lachen, wodurch sie uns ebenfalls als Deutsche erkannten. Leider war keine Zeit dort ein paar Worte mehr zu wechseln.

Oben angekommen soll sich die Energie des Körpers aufladen, wenn man dem Mythos Glauben schenkt. Dazu stellt man sich in die oberste Mitte und streckt die Arme Richtung Himmel.

Besonders beeindruckend ist von dort jedoch der Ausblick den man hat. Wir wollten uns zunächst vom Aufstieg erholen und setzten uns dazu an die Kante. Dort blieben wir auch über eine Stunde sitzen und unterhielten uns.

Ausgeruht liefen wir alle Stufen wieder hinunter um zuletzt auch der Mondpyramide noch einen Besuch abzustatten. Erneut ein vergleichsweise weiter Weg. Diese Pyramide ist auch im oberen Bereich bereits so sehr zerstört, dass man nur bis auf das erste Plato gehen kann. Kaum dort angekommen teilte uns einer der Wachmänner, die an den verschiedensten Stellen auf dem gesamten Gelände waren, mit, dass das Gelände in zehn Minuten schließt. Es war bereits 17 Uhr. Die Zeit für ein paar Fotos blieb jedoch trotzdem.

So langsam knurrte uns nun auch der Magen, da das Frühstück doch schon etwas länger zurück lag. Jedoch mussten wir zunächst die gesamte “Straße der Toten” zurück laufen um zum Auto zu gelangen. Da das Gelände aber schloss blieb uns nichts anderes übrig, als dieses zu verlassen und entlang der Straße zurück zu laufen. Die Zeit nutzten wir um Jesús die Grundlagen von “Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm” beizubringen. Wenn er sich nicht bereits vorher gefragt hat, auf was für verrückte Ideen die Deutschen kommen, dann spätestens an diesem Punkt. Zum essen gingen wir in ein typisch mexikanisches Lokal, welches sich in unmittelbarer Nähe befand. Dort spielte sogar eine mariachi Band als wir eintrafen.

Die Wahl des Essens hatten wir komplett Jesús überlassen, da wir etwas typisch mexikanisches wollten und er dies wohl am besten aussuchen konnte. Es gab dann: Pozole, Chiles en Nogada, Pambazo und Sope. Zusätzlich für die beiden jeweils einen Mezcal mit Limetten (Schnaps).

Pozole ist ein Eintopf/Suppe auf der Basis von Maisnudeln, bei uns unter anderem mit Rindfleisch. Außerdem konnte man Salat, Zwiebeln und Radieschen hinein tun. Dies schmeckt zwar nicht schlecht, begeistert waren wir jedoch nicht.

Chiles en Nogada war dafür mit Abstand eines unserer Lieblingsgrichte. Es besteht aus einer gefüllten Paprika mit einer Walnusssoße und schmeckt leicht süßlich. Die Zutaten repräsentieren dabei die Nationalfarben Mexikos.

Pambazo ist eine Art Sandwich, was aus einem Brot besteht, welches zunächst in eine rote Pfeffersoße getaucht und dann gebraten wird. Gefüllt ist es unter anderem mit Kartoffeln und Fleisch. Dies schmeckte ebenfalls sehr lecker!

Sope ist ein Gericht bei dem auf einem kleinen, dicken Tortilla Gemüse und Fleisch, sowie Käse gestapelt wird. Gegessen wird dies am besten auch direkt mit den Händen. Was genau in den einzelnen Gerichten war wissen wir nicht, aber, abgesehen von der Suppe, waren restlos begeistert!

Mezcal und Limetten

Satt und zufrieden fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft, wo Santiago bereits auf uns wartete um gemeinsam mit uns dreien den Abend zu verbringen. Vom ursprünglichen Plan, irgendwo in die Stadt zu fahren kamen wir ab und gingen stattdessen lieber in die Karaoke Bar die sich gegenüber unserer Unterkunft befindet. Dort mischten Caro und ich die Musik durch, indem wir zwischen all den spanischen Liedern ein paar deutsche mischten und unter anderem das Karnevalslied “Et jitt kein wood” von CAT Ballou sangen. Die Mexikaner verstanden zwar kein Wort, klatschten aber mit. Insgesamt ein sehr lustiger und gelungener Abend und der perfekte Abschluss für einen tollen Tag!

Muchas gracias Jesús!

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3 Kommentare

  1. Das waren ja wieder 2 tolle Tage, über die du berichtet hast. Besonders der Ausflug zu den Pyramiden begeistert mich. Ich mag alte Steine ja gerne, man kann sich so viel Geschichte und Geschichten, Menschen und ihre Schicksale dabei vorstellen.
    Eure mexikanischen Freunde kümmern sich toll um euch. Das Insiderwissen macht die Reise noch interessanter.

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