Durch die Verzögerungen am Morgen und dem Stau auf der Autobahn ging es vergleichsweise spät los Richtung Ingelheim in der Nähe von Mainz, wo wir Jans große Schwester und deren Familie besuchen wollten. Durch die späte Uhrzeit hatten wir nun aber auch Glück, dass die Autobahn komplett frei war. Kurz vor unserem Ziel machten wir einen Abstecher in den Supermarkt um ein paar Grundnahrungsmittel zu besorgen, da diese auf der Insel etwas teurer sein werden.
Gegen 20 Uhr und nach kurzer Parkplatzsuche wurden wir mit Pizza, fertig zum belegen erwartet. Während diesem im Ofen waren, luden wir die wichtigsten Sachen für die Nacht aus. Um verderbliche Lebensmittel für die kommende Zeit zu kühlen, haben wir extra eine Kühltasche dabei, die man sowohl über den 12V Anschluss im Auto, als auch über die Steckdose betreiben kann. Beim Anschließen merkten wir jedoch, dass sie einen sehr unangenehmen, lauten, surrenden Ton von sich gab. Zunächst erschien uns das nicht weiter schlimm, da man dort die Tür zum Raum einfach schließen konnte. Es sollte sich jedoch heraus stellen, dass sie später noch deutlich Störsender sein würde.
Wir genossen einen gemütlichen Abend zusammen und unterhielten uns, bevor wir gegen 23 Uhr wirklich müde ins Bett fielen.
Am nächsten Morgen wachten wir erholt auf und wurden bereits von tollem Frühstück erwartet. Nach einer Dusche, einer Stärkung und dem packen unserer Sachen fuhren wir alle zusammen zur Lauschhütte, im Binger Wald. Dort hatte Jans Schwester für uns Bogenschießen gebucht. An insgesamt 10 Stationen konnten wir auf unterschiedliche Ziele schießen, teilweise Zielscheiben, teilweise nachgebildete Tiere oder auch mal nur ein hängender Fußball. Dabei hatte jeder 6 Versuche, möglichst oft zu treffen. Nach einer kurzen Einweisung in die Handhabung ging es los. Dabei hatten wir jede Menge Spaß, aber auch einige kleinere Blessuren, da die Sehne des Bogen doch einen Unterarm erwischte. Nach etwas mehr als zwei Stunden kamen wir im Ziel an, mit müden Armen. Bevor es für uns weiter gehen sollte, wollten wir noch eine Kleinigkeit Essen. Da in der Lauschhütte selbst kein Platz mehr frei war, fuhren wir ca. 5 Minuten weiter zum Forsthaus Heiligkreuz, wo noch einige Plätze frei waren. Dort gab es Käsespätzle und Serviertenknödel mit Waldpilzen, was beides lecker war. Lediglich die Bedienung war etwas trantütig und schlecht organisiert, weshalb alles länger dauerte.
Um viertel nach vier ging es dann aber wirklich weiter Richtung Rust zum Europapark. Ursprünglich hatten wir noch überlegt, meine Cousine in der Nähe von Darmstadt zu besuchen und die hatten uns auch zum Grillen eingeladen. Allerdings hätten sie leider an dem Tag erst gegen Abend Zeit gehabt, was für uns mit der 3 stündigen Fahrt zu spät geworden wäre. Deshalb entschieden wir den Besuch auf ein anderes Mal zu verlegen.
Nach einem Stopp zum Tanken erreichten wir gegen 19:45 Uhr den Europapark. Bereits aus einiger Entfernung ließen sie riesige Achterbahnen erkennen und auch die Straße, auf der die Fahrspuren unterschiedlich geschaltet werden konnten, verrieten, dass es nicht mehr weit ist. Wir hatten einen Platz auf dem zugehörigen Campingplatz gebucht, zum einen weil es sich mit dem Bus anbot, zum anderen weil die Hotels mit 300€ pro Nacht auch schlichtweg sehr teuer sind. Der gesamte Campingplatz ist im Western Thema gehalten, wobei die Stellplätze selbst ehr einem großen Parkplatz gleichen. An der Rezeption wurde uns unsere Stellplatznummer mitgeteilt und wir parkten den Bus und schlossen ihn an den Strom an. Dann erwartete uns die erste Herausforderung: Vorzelt aufbauen. Grundsätzlich nicht sehr kompliziert, wenn man denn dann die ganze Tasche ausgeräumt hätte. So hatten wir zwar das Dach und die Stangen, fragten uns aber wieso keine Seile und Heringe zum Abspannen dabei waren. Wir behalfen uns vorübergehend mit anderen Heringen und Seilen aus dem Bus. Wirklich stabil wurde es aber nicht. Auch das Bett musste von der Bank umgeklappt und bezogen werden. Die Kühlbox schlossen wir ebenfalls wieder an den Strom an und stellten fest, dass sie besonders Abends doch noch viel lauter wirkte und möglicherweise direkt angrenzende Nachbarn störte. Deshalb überlegten wir, ob es noch sinnvoll wäre, eine neue Kühlbox zu besorgen. Allerdings ergab ein Recherche im Internet, dass es nicht so einfach sein würde, besonders wenn man nach einer sucht, die auch bei wärmeren Temperaturen noch einigermaßen kühlen kann und nicht winzig ist. Da es bereits spät war verschoben wir die Suche auf den nächsten Tag.
An dem Abend wollten wir bereits etwas zu Essen für den nächsten Tag vorbereiten. In dem Wissen, dass wir beide keine Morgenmenschen sind und der Europapark bereits um 9 Uhr öffnet, sicher keine Dumme Idee. Beim anschließenden Zähneputzen führte uns ein kleiner Umweg um einen beleuchteten See, vorbei an Tipis (die man zum übernachten buchen kann) zurück zum Auto. Als wir um 1 Uhr im Bett lagen, freuten wir uns darauf, was der nächste Tag bringen mag.
Erstaunlich munter, vermutlich auch durch die Helligkeit und die Geräusche der anderen, wachte ich bereits kurz vor dem Wecker auf. Da es für ein Frühstück Gefühl noch zu früh war, schmierten wir uns nur einige Brote und nahmen diese, zusammen mit dem restlichen Proviant mit. Pünktlich um 9 Uhr durchliefen wir das große Tor zum Europapark. Vorher war für uns schlecht abzuschätzen, wie viele Leute an diesem Tag wohl kommen würden (es waren noch Ferien in Baden Württemberg) und wie lang die Schlangen dann werden, weshalb wir am Tag zuvor beschlossen hatten als erstes zur größten, schnellsten (und am meisten G-Kräfte wirkenden) Achterbahn zu gehen. Dem „Silver Star“. Dort wird man zunächst einen wirklich hohen Berg hoch gezogen (73 m) bevor es dann 3 Minuten lang mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h über mehrer Hügel, Steilkurven und Kreisel geht. Dabei wirken Kräfte bis zur 4-fachen Erdbeschleunigung auf den Körper. Das bekamen wir bereits bei der ersten Abfahrt zu spüren und fragten uns beide kurz, warum wir uns das eigentlich antun und ob wir möglicherweise inzwischen zu alt sind für diesen Quatsch mit den Achterbahnen. Spoiler: Sind wir nicht, aber für eine erste Achterbahn war diese auch eine echte Herausforderung.
Wir entschieden es anschließend etwas ruhiger angehen zu lassen und uns zunächst im Park etwas umzusehen. Dabei ist es wirklich beeindruckend, wir authentisch die einzelnen Länder aufgebaut sind. Das Schweizer Bergdorf hat zahlreiche Almhütten und enge Gassen. Dabei sind nicht nur die Kulissen und Achterbahnen angepasst (in der Schweiz gibt es einen Bob Bahn mit nachempfundenen Eiskanal), sondern es gibt auch jeweils Informationen und kleine Ausstellungen die passend sind. Wir stellten uns auf dem Weg durch den Park an verschiedenen Stellen an, die gerade sehr kurze Wartezeiten hatten bevor wir am anderen Ende des Parks den „blue Fire megacoaster“ erreichten. Dieser gehört mit einem Katapultstart ebenfalls zu einer der beliebtesten Achterbahnen des Parks. Er hat eine Spitzengeschwindigkeit von 100 km/h die er in 2,5 Sekunden erreicht und 3,8G bei einer Dauer von 2:20 Minuten. Dabei durchfährt er einen Looping und mehrere Schrauben. Wir entschieden die zusätzliche Wartezeit für die erste Reihe auf uns zu nehmen und wurden nicht enttäuscht. Die Fahrt machte so viel Spaß, dass wir entschieden uns direkt noch einmal anzustellen. Lediglich einer war davon nicht begeistert: mein Körper. Nach der zweiten Fahrt schrie er nahezu nach einer Pause, da es mir nicht sonderlich gut ging. Deshalb suchten wir im Schatten eine Bank, ruhten uns aus (möglicherweise bin ich dabei kurz eingenickt) und aßen etwas. Da wir direkt neben der Halle für die Eisshow saßen, hielten wir es für eine gute Idee, diese zu besuchen und somit die ruhige Pause etwas zu verlängern. Der Inhalt der Show war etwas seltsam, das Können der Eisläufer aber durchaus beeindruckend.
Anschließend waren wir beide ausreichend erholt um noch einmal all Attraktionen mitzunehmen, die sich uns boten. Dabei fuhren wir auch auf den Aussichtsturm und genossen den Blick über den Park und das umliegende Land. Am Ende fuhren wir so lange noch Wasserbahnen, bis wir 1. komplett nass waren und 2. hinter uns der Anstellbereich geschlossen wurde. Auf dem Weg raus machten wir noch ein Foto am Eingang, da wir das am Morgen vergessen hatten und verließen um 18:30 Uhr mit dem schließen der Tore den Park.
Insgesamt kann man sagen, dass sich der Tag wirklich gelohnt hat. Nicht nur hatten wir viel Glück mit dem Wetter (sonnig, warm aber nicht super heiß), den kurzen Schlangen (längste Anstehzeit im Park an dem Tag waren 35 Minuten) und den kurzen Wegen zum Park, auch hatten wir wirklich viel Spaß.
Als wir am Auto ankamen mussten wir feststellen, dass unsere Konstruktion des Vordachs wohl nicht wirklich gehalten hatte und die Standen quer über den Boden verteilt lagen, während das Vordach wohl von einer netten Person auf das Auto geklappt wurde… SOllten wir wohl noch etwas üben.
Später hatten wir weder Lust, noch Kraft etwas zu kochen und deshalb bereits in weiser Voraussicht ein Lokal im Ort ausgesucht. Nach einer Dusche kamen wir dort hungrig an und waren etwas erstaunt über die Schlange vor der Tür. Eigentlich wollten wir einen Tag zuvor reservieren, jedoch nahm das Restaurant leider keine Reservierungen an. Die Wartezeit hielt sich jedoch in Grenzen und wir erhielten einen schönen Tisch im Garten, welcher hinter dem Haus liegt. Diesmal gab es für mich Käsespätzle (eine riesige Pfanne mit Röstzwiebel und Speck) und für Jan geschnetzeltes mit Spätzle. Beides war unwahrscheinlich lecker und der Rest Spätzle, den ich nicht schaffte nahmen wir natürlich mit.
Der eigentlich kurze Rückweg erschien uns beiden nach dem anstrengenden Tag ziemlich lang und wir waren froh, als wir den Park wieder erreichten. Im Bett suchte ich erneut kurz nach Kühlboxen, bevor mir die Idee kam auf Kleinanzeigen zu gucken. Dort gab es tatsächlich in der Nähe von Freiburg eine Kühlbox, die komplett ohne Lüfter arbeitet (daher hört man nix) und in guter Größe zu verkaufen. Wir wollten bis zum nächsten Morgen überlegen und gucken was wir machen.
Der nächste Morgen begann etwas chaotisch, da viele Sachen quer im Bus verteilt lagen und wir zunächst etwas Ordnung machen mussten. Ich entschied den Verkäufer auf Kleinanzeigen anzuschreiben, in der Hoffnung, dass er sich zeitnah melden würde und wir die Box tatsächlich am gleichen morgen noch abholen könnten. Tatsächlich antwortete er sehr schnell und schrieb, dass ich mich bei seiner Frau melden könnte, da diese morgens zuhause sei.
Ich sah auf meinem Handy aber auch, dass meine Mama bat, dass ich sie anrufen soll. Leider musste sie mir erzählen, dass meine Oma am Vortrag verstorben ist. Wir unterhielten uns und überlegten ob es sinnvoll wäre den Urlaub abzubrechen. Da die Beerdigung aber erst für 1,5 Wochen später und somit mitten in die Zeit auf der Insel fällt, entschieden wir, dass ich (wenn es auch für mich okay ist) weiter in den Urlaub fahre. Ich glaube, dass meine Oma dafür Verständnis hätte und ich sie nun so in Erinnerung behalte, wie ich sie kannte.
Das drückte die Stimmung leider etwas, aber die Entscheidung war gefallen und daher beeilten wir uns, weiter zu kommen. Da uns noch mehr Dinge aufgefallen waren, die für den Urlaub fehlen, versuchten wir möglichst viele von ihnen mit einem Besuch in der Metro zu erledigen. Leider gibt es dort aber keine Schrauben, die für den Grill fehlten, sodass ein kurzer Abstecher in den Baumarkt folgte. Anschließend war es dann an der Zeit die Kühlbox abzuholen. Diese war so leise, dass wir uns beim anschauen kurz fragten, ob sie überhaupt funktionierte. Allerdings war das Kühlelement komplett kalt, sodass wir entschieden sie mitzunehmen und schnell alle Lebensmittel umpackten. Anschließend war es schon nach Mittag und für uns Zeit Richtung Genua zu fahren und den Blick auf die Berge der Schweiz zu genießen.
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