Während die Wochen meistens gut gefüllt sind und nicht viel Zeit für ausgedehnte Streifzüge durch die Stadt bieten bleibt am Wochenende umso mehr Zeit.
Vergangenen Samstag machte ich mich nach einem entspannten Morgen alleine auf den Weg in den südlicheren Teil der Stadt auf die andere Flussseite. Dies ist hier sehr bequem mit der Bahn möglich. Zwar muss man einige Male umsteigen, da die Bahn aber sehr häufig fährt und noch dazu sehr günstig ist, stört das nicht weiter. Aber auch am Gleis heißt es (wenn mehr los ist) ordentlich in die Schlange stellen. Nur das Prinzip, dass man zunächst Leute aussteigen lässt bevor man in die Bahn drängt, haben die Koreaner noch nicht so sehr verstanden. Was aber sehr hilfreich ist, sind die Schilder am Bahnsteig, die einem durch eine kleine Animation genau zeigen wo sich die Bahn gerade zwischen den Stationen befindet und durch eine kurze Melodie wird auch angekündigt, wann er in den Bahnhof einfährt. Durch die Glaswände, die den Bahnsteig von den Gleisen abtrennen, hört man die Bahn sonst auch kaum und auch der Wind der häufig bei einer U-Bahn vor dem Zug her gedrückt wird fehlt hier.
Mein Ziel war der “Noryangjin Fisheries Wholesale Market” im gleichnamigen Teil der Stadt, direkt neben Yeouido. Dabei handelt es sich um einen großen Fischmarkt, welcher nahezu 24 Stunden geöffnet hat. Anders als man es vielleicht von einem Fischmarkt bei uns aus der Gegend kennt, gibt es hier noch sehr viele lebendige Tiere, die in Tanks schwimmen.
Von der Bahn führte mich ein Tunnel direkt vor das Gebäude. Bereits hier draußen konnte man den fischigen Geruch riechen. Da es aber ja von einem solchen Markt nicht anders zu erwarten war, hatte ich vorausschauend meine dickere Maske angezogen, welche die meisten Gerüche sehr gut filtert. Von den Eindrucken überwältigt lief ich zunächst etwas planlos durch die langen Gänge. Überall wurde diskutiert und gefeilscht. Sobald man langsamer lief sprach einen der Verkäufer an und wollte Fisch, Krabben oder Garnelen verkaufen. Ich lehnte immer freundlich ab und ließ mich nicht davon abschrecken trotzdem alles anzugucken. Der Boden war überall nass und wurde regelmäßig mit Wasserschläuchen abgespritzt. Dies war auch gut so, da Fische direkt an den jeweiligen Ständen geschlachtet und ausgenommen wurde. Die blutige Angelegenheit wurde anschließend mit dem Wasserschlauch einfach weggespült. Es gab einige sehr große Fische die verkauft wurden. Für mich jedoch verstörend waren die lebendigen Fische die teilweise fast schon gestapelt in den Aquarien schwammen. Manche davon schwammen auch mit dem Bauch nach oben, bewegten sich jedoch noch.
Neben Fisch gab es sehr viele Krabben zu kaufen. Diese kannte ich jedoch auch schon vom Markt hier in der Nähe. Neu war dagegen der Anblick von Tintenfisch und Octopus. Auch Muscheln und Garnelen gab es zahlreiche.
Man kann dort auf dem Markt Fisch kaufen und diesen im ersten Stock in einem der Restaurants zubereiten lassen. Ansonsten gibt es im ersten Stock noch fertig marinierten Fisch und Unmengen Trockenfisch. Wo man den finden kann verrät einem die Nase…
Nachdem ich dort alles gesehen hatte und ohnehin keinen Fisch kaufen wollte war mein Ziel ein nahgelegener Park. Wie es aber oft mit den Zielen ist, kommt man schonmal vom Weg ab. So auch in diesem Fall. Die andere Straßenseite und dahinter folgende Straße sah einfach viel interessanter aus. Deshalb machte ich in die Richtung zunächst einen Abstecher. Es gab zahlreiche kleine Läden und Restaurants. Einer dieser Läden hatte in Pappkisten vor und in dem Laden Unmengen an Süßigkeiten und Snacks. Da ich neugierig war, auf das koreanische Angebot blieb ein Besuch dort nicht aus. Neben deutschen Süßigkeiten (Haribo, Schokolade, Esspapier,…) gab es auch viele koreanische. Ich hatte von kleinen Küchlein gehört, aus Schokolade, gefüllt mit einer Marshmallow Creme und umhüllt von Schokolade. Eigentlich genau mein Geschmack. Überzeugt haben sie mich bisher jedoch trotzdem nicht. Außerdem gab es Oreos mit Red Velvet Füllung. Da ich Red Velvet Kuchen super gerne esse mussten diese ebenfalls mit, genauso wie eine Sorte koreanischer Chips. Diese beiden Sachen gleichen die Küchlein Enttäuschung wieder etwas aus.
Zwischen den kleinen Gassen rief ich meine Eltern an und erwischte diese auf der Fahrt in den Urlaub. So konnte ich ihnen einen kleinen Eindruck von der Stadt geben während mich mein Weg nun tatsächlich in den Park führte. In diesem gab es neben einer Begräbnisstädte (in Form eines Tempels) eine Aussichtsstelle über den Fluss auf die andere Seite der Stadt und die dahinter liegenden Berge. Leider war es an diesem Tag etwas bewölkt und regnete immer wieder, weshalb die Sicht nicht so gut war. Trotzdem liebe ich es, wann immer ich einen Ausblick auf die Stadt bekomme, diesen zu genießen.
Da ich mir beim bummeln durch die Straßen viel Zeit gelassen hatte wurde es bereits langsam dunkel. Auf dem Rückweg zur Wohnung machte ich noch einen Abstecher am Supermarkt vorbei um (ganz wichtig!) das beste Schokoeis der Welt und einige Grundlagen wie neuen Reis zu holen.
Als ich zuhause ankam hatten wir besuch von JD (einem Koreaner aus dem international Club) der nachmittags mit Dominik zusammen im Sportpark gewesen war. Nachdem wir etwas gequatscht hatten beschlossen wir noch einen Ausflug zum Markt zu machen um dort mit sprachlicher Unterstützung einige neue Sachen zu probieren. Den Beginn machten frisch gedämpfte Dumplings. JD versuchte uns zu erklären wie wir selbst auf koreanisch bestellen konnten. Die fehlenden Grundlagen wie z.B. die koreanischen Zahlen bereiteten aber doch ziemliche Probleme. Als wir alles soweit zusammen hatten, was wir sagen müssten hielt der Verkäufer uns bereits lachend eine Tüte mit unseren Dumplings entgegen. Er hatte wohl beim lernen gut zugehört und wusste was wir haben wollten. Einer davon gefüllt mit süßen roten Bohnen erinnerte schon fast an Germknödel. Die andere waren herzhaft mit Fleisch und Kohl bzw. Kimchi. Diese waren alle unglaublich lecker. Mal gucken wie oft ich dort auf dem Weg von/zum Markt noch stehen bleiben werde.
Auf dem Markt selbst gibt es immer große Säcke mit getrockneten Chilis. Dominik wollte schon lange eine davon probieren. Aber wie sollte man dem Verkäufer erklären, dass man tatsächlich nur eine will. JD verhandelte und am Ende bekam er zwei Chilis für nur 1.000 won (~0,75€). Der nächste Stop war ein Stand mit frischem Kimchi. Es gibt viele Beilagen die man hier bereits fertig zubereitet kaufen kann. Zuhause muss dann lediglich passend dazu Reis gekocht werden. Da wir nicht wussten wie das Kimchi schmeckt wollten wir eigentlich nur eine kleine Portion zum probieren haben. Klein kannte die Verkäuferin aber nicht. Dominik hat es gefreut und auch der spätere Geschmackstest war für ihn ein Erfolg. Ich bin tatsächlich (wenn man das in Korea überhaupt sagen darf…) kein großer Fan des Kimchi, zumindest Roh und ohne etwas dazu.
Direkt neben dem Stand mit Kimchi wurde Reiskuchen verkauft. Diesmal in einer anderen Form als einige Tage zuvor im Fried Chicken, als tatsächlicher Kuchen. Allerdings ist dieser sehr zäh und hat keinen wirklichen Geschmack. Schade eigentlich, wo er so schön bunt war. Nachdem ich JD zu den Dumpings eingeladen hatte wollte er uns nun auch zu etwas koreanischem einladen. Gelandet sind wir an einem der kleinen Stände im Markt, wo es verschiedenes frittiertes und gekochten Reiskuchen in Soße gab. Da sich bei den frittierten Dingen teilweise nicht mehr richtig erkennen lassen konnte, was es ist probierten wir einfach. So kam es, dass ich auch ein Stück Tintenfisch Tentakel hatte. Da ich in der Vergangenheit bereits Calamaris gegessen hatte, störte es mich jedoch wenig. Der gekochte Reiskuchen sorgte bei mir wieder für Begeisterung, auch wenn die Soße erneut ganz schön brannte im Mund. Ausgestattet mit Lebensmitteln und satt ging es anschließend wieder zurück nach hause.
Der Markt ist auf jeden Fall einer meiner liebsten Orte hier in Seoul. Es gibt jedes mal noch so viel neues zu entdecken! Es handelt sich dabei übrigens um den Mangwon Market.
Für Sonntags hatte ich bereits einen Ausflug zu einigeren bekannteren Sehenswürdigkeiten geplant. Eine kurze Umfrage in der internationalen Gruppe ergab, dass sich noch weitere anschlossen. So trafen wir uns Mittags am Gwanjang Street Food Market trafen. Eigentlich mit dem Plan, erst gemütlich darüber zu schlendern strebten die Koreaner eines der Restaurants an um uns einige Speisen zu zeigen. Wir verschoben das Bummeln also auf anschließend um uns zunächst zu stärken. Dort gab es Beef tartare, bestehend aus dünn geschnittenem, rohen Rindfleisch und kleinen Stücken Birne, welches mit einem rohen Eigelb vermischt wird. Ich hatte seit Tagen Hunger auf Mett. Das ist zwar nicht ganz das gleiche, konnte diesen Appetit jedoch ausgleichen. Außerdem gab es Mungbohnen Pfannkuchen, welche hier sehr bekannt und beliebt sind. Geschmacklich erinnern diese etwas an Reibekuchen. Alles sehr lecker!
Beim bummeln über den Markt (leider waren bedingt durch die relativ frühe Uhrzeit einige Stände noch geschlossen) ließ sich auch noch ein Nachtisch finden in Form eines Waffelfisch gefüllt mit süßen roten Bohnen und gehakten Walnüssen.
Da sich noch mehr Leute der Gruppe anschließen wollten warteten wir am künstlich angelegten Cheonggyecheon Fluss, den ich bereits vor zwei Wochen besucht hatte. Das Wetter war total schön und angenehm warm, sodass man die Füße ins Wasser halten konnte und entspannen.
Nach fast einer Stunde Pause waren wir für die nächsten Stunden vollständig und setzten unseren Weg fort zum Dongdaemun Design Plaza. Dabei handelt es sich um eines der größten, modernsten und ausgefallensten Gebäude in ganz Seoul. Es ist Veranstaltungsort für verschiedene Kunstausstellungen und Konferenzen. Das Gebäude selbst ist bereits sehr beeindruckend durch die Architektur. Es gibt keine gerade Kante und alle Übergänge sind fließend ineinander. Einen großen Anteil an dem besonderen Aussehen haben mit Sicherheit die 45.133 Aluminiumplatten welche die Außenseite des Gebäude verkleiden. Dort gibt es keine zwei identischen, da jede einzeln gefertigt wurde. Ein ziemliches Meisterwerk, wie ich finde.
Direkt angeschlossen an das DDP ist der Dongdaemun History & Cultur Park. Ursprünglich befand sich auf dem Gelände eine Festung und dann eines der größten Baseball Stadien. Nachdem dieses abgerissen wurde fand man im Rahmen von Ausgrabungen einige alte Stadtteile welche restauriert und heute zu besichtigen sind.
Weiter führte unser Weg von dort entlang der alten Stadtmauer (welche durch die Stadt selbst nur in einzelnen Stücken noch steht) über eine Kleidermarkt. Dominik wollte sich schon länger der koreanischen Mode anpassen und ebenfalls ein bunt bedrucktes Hemd haben. Dort wurde er endlich fündig und läuft seitdem als “Bananaman” durch die Gegend. Nun konnten wir langsam unser finales Ziel anstreben. Vorher gab es noch mal einen Personenwechsel in der Gruppe. Melanie und Anaïs mussten leider los, da sie verabredet waren, dafür gesellte sich Kwon noch dazu. Es gibt entlang der Mauer (die ab hier auch tatsächlich wieder stand) den Berg hoch. Für die Koreaner war es schon fast eine Wanderung. Hier wird wann immer es geht der Bus, die Bahn oder ein Taxi genutzt. Das man auch einen Kilometer zu Fuß laufen kann und das relativ schnell geht verstehen sie nicht. Die Blicke auf die Stadt die sich uns boten, sorgten jedoch für die nötige Motivation bis zum Ende durchzuhalten.
Das Bild der Stadt veränderte sich auch, je weiter wir den Hügel hoch kamen. Die Häuser wurden immer kleiner uns die Gegend erinnerte er an ein kleines Dorf. Kurz vor der Aussichtsplattform die uns erwartete erreichte mich noch ein Anruf einer Freundin, die den Ausblick nun ebenfalls genießen konnte. Da es nun nicht mehr so sehr lange bis zum Sonnenuntergang dauerte wollte ich gerne darauf warten, sagte den anderen jedoch, dass sie gerne schon zum Abendessen fahren konnten und ich nachkommen würde. Sie wollten aber lieber warten, auch wenn ich nicht den Eindruck hatte, dass sie der Sonnenuntergang tatsächlich so sehr interessierte.
Ich fand es sehr schön, wie die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand und die Stadt in ein rötliches Licht tauchte. Nachdem das Spektakel vorüber war ging es mit dem Bus zu Bahn und von dort weiter zum Abendessen.
Ich hätte von mir behauptet, dass ich mich bereits sehr gut an das scharfe Essen gewöhnt habe, vor allem wenn man bedenkt, dass ich in Deutschland alles an gut gewürztem Essen bereits scharf fand. Aber das Abendessen wies mich wieder in meine Schranken. Es gab eine große Pfanne mit Fleisch und Kohl in Soße. Wirklich sehr lecker, aber so scharf, dass mir Tränen übers Gesicht liefen. Auch der Reis, der gegen Ende in die Pfanne kommt und mit der restlichen Soße vermischt wird, hat die Schärfe nicht gemildert. Dann arbeite ich wohl doch noch etwas an meinem Schärfeempfinden.
Es ist hier in Korea übrigens sehr normal, dass man meisten für den Tisch ein Gericht bestellt. Davon kann sich dann einfach jeder bedienen wie er mag. Zusätzlich gibt es immer Wasser als Getränk und kleine Beilagen wie eingelegten Rettich und Kimchi. Das gibt dem Essen etwas gemeinschaftliches und man kann verschiedene Dinge probieren, ohne dass man das Gefühl hat, man würde dem anderen etwas vom Teller klauen.
Der Abend endete, wie meistens, am Spot im Stadion an der Uni. Dort trafen wir auch wieder auf alle anderen, die teilweise früher gehen mussten oder den Tag woanders gewesen waren. Dabei waren auch einige Koreanerinnen, die an der Hand ablesen konnten, was uns in der Zukunft erwartet. Während einige der Jungs nicht so viel Glück hatten und bald sterben werden oder arm und mit drei Frauen enden hatte ich etwas mehr Glück. Mein Job und meine Persönlichkeit passen hervorragend zusammen, ich habe einen starken Willen, werde viel Geld verdienen und dies auch nur mit einem Mann teilen müssen. So eine Vorhersage nehme ich doch gerne an.






















































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