Tag 10. Das bedeutet es sind 2/3 der Quarantäne geschafft. Die Tage beginnen jedoch miteinander zu verschwimmen, weshalb ich gleich drei mal zählen musste ob jetzt heute tatsächlich der 10 Tag ist. Aber das Ziel kommt immer näher. Am Freitag, um 12 Uhr Mittags dürfen wir endlich raus in die Stadt.

Gestern Abend saßen wir draußen auf dem Balkon und unterhielten uns über die Zeit die wir bisher hier sind. Einstimmig kamen wir zu der Erkenntnis, dass wir uns fühlen, als würden wir schon viel länger als 1,5 Wochen in der Wohnung wohnen und dass wir noch keinerlei Gefühl dafür haben, in welchem Land wir eigentlich sind. Das wird sich aber hoffentlich bald ändern.
Was in den letzten Tagen geschah:

  • Buddys
  • bestes Essen
  • Moses, wo ist die Arche?

Von der Universität hier in Seoul gibt es ein Programm, welches immer einen koreanischen Studenten einem ausländischen Studenten zuteilt. Diese sollen uns im ersten Alltag, beim Wählen von Kursen und einigen Besorgungen, wie z.B. dem Kauf einer Sim-Karte unterstützen. Mittwoch Morgen erhielt ich eine E-Mail mit koreanischem Betreff und sowohl koreanischem als auch englischem Text. Jedoch ging diese E-Mail an Hyo-Joo. Und der bin ich ja ganz offensichtlich nicht… Ich schrieb deshalb freundlich zurück, dass ich zwar auch noch keinen Buddy hätte, aber auch nicht der gesuchte sei und es wohl eine Verwechslung bei der Mail Adresse gegeben habe. Etwa  eine halbe Stunde später erreichte mich die nächste Mail. Wieder ein koreanischer Betreff und koreanischer Text. Diesmal half Google Übersetzter weiter. Ein weiterer koreanischer Student aus dem Buddy-Programm, jedoch hatte auch er die falsche Mail Adresse. Die dritte Mail die mich an dem Tag erreichte kam von einer koreanischen Mail Adresse, hatte jedoch einen deutschen Betreff: “Hallo – Ich bin Buddy”. Es stellte sich heraus, dass die Mail tatsächlich von meinem richtigen Buddy kam und, zu meiner Überraschung, komplett auf deutsch geschrieben war. Jiu, so heißt sie, studiert Germanistik und hat ein Jahr in Deutschland gelebt. Die Kommunikation läuft komplett auf deutsch, was für mich sehr einfach ist und sie sieht es als Übung an, wobei sie wirklich gut deutsch kann. Sie hat mir schon ein bisschen was über sich erzählt und ist sehr hilfsbereit. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr wenn wir uns irgendwann persönlich kennen lernen.
Zusätzlich zu ihrer E-Mail erhielt ich noch drei weitere, die eigentlich für andere Austauschstudenten bestimmt waren. Die Uni scheint tatsächlich das ganze etwas durcheinander gebracht zu haben. Dies führte jedoch dazu, dass ich noch einen weiteren sehr netten Buddy kennenlernen konnte. Lee. Sie studiert unter anderem Kunst, Industrial Design und Business. Ihre E-Mail war super nett weshalb ich auch etwas ausführlicher darauf geantwortet habe und ihr meinen Benutzernamen bei KakaoTalk (das WhatsApp der Koreaner) gab. Sie meldete sich tatsächlich wenig später. Sie hat ein Semester Deutsch an der Uni belegt und ist auch so total interessiert an der deutschen Kultur. Leider bekam sie von ihrem Buddy eine Mail, dass diese nicht nach Korea kommt auf Grund von Corona. Daher haben wir beschlossen, dass ich sie einfach als zusätzlichen Buddy ansehen darf. Auch hier freue ich mich schon jetzt wahnsinnig darauf, sie irgendwann kennen zu lernen.

Jeden Tag stellen wir uns die Frage, was wir essen wollen. Die Bestellungen beim Supermarkt decken das Frühstück meistens ganz gut ab, aber zum kochen reicht es nicht, weshalb wir eine warme Mahlzeit am Tag nach wie vor bestellen. So kam es, dass wir vor einigen Tagen das erste Mal Dumplings bestellt haben. Das sind gefüllte Teigtaschen mit Fleisch und Gemüse oder aber auch Fisch.

Ein Bonus: Die sind nicht scharf! Außerdem gibt es dazu immer gelbes Gemüse. Lauwarme Scheiben, gelbes Gemüse. Ich vermute dass es gelbe Bete ist. Genau weiß ich es nicht, aber es schmeckt.

Nachtrag: Es ist Rettich. (Danke Leonie)

Seitdem wir diese das erste Mal hatte gibt es sie fast jeden Tag, weil sie einfach so gut schmecken und vergleichsweise günstig sind. Sobald wir einkaufen können ist der Plan, diese auch einmal selbst zu machen.

Gestern fing der Tag bereits sehr bewölkt und dunkel an. Am Vormittag konnte man die ersten Gewitter hören. Nachmittags zog es sich dann komplett zu. Zunächst wurde das Gewitter deutlich heftiger. Es blitzte und donnerte, wie ich es in Deutschland ewig nicht erlebt habe. Kurz darauf fing es auch an zu regnen. Jedoch nicht ein Schauer wie wir ihn kennen, sondern riesige Tropfen. Kurze Zeit später stand unser Balkon fünf Zentimeter hoch unter Wasser (trotz Abflüsse) und die Treppe hatte sich in einen Wasserfall verwandelt.

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Die Straße hatte sich innerhalb von wenigen Minuten geleert. Die wenigen Leute die dann doch noch unterwegs waren trugen entweder Badelatschen (nass wären die Füße so oder so geworden…) oder aber hatten Plastiktüten in Stiefelform über Füße und Schuhe gezogen. Dinge die ich so zuvor auch noch nicht gesehen hatte. Es dauerte jedoch auch nicht so lange, bis der Regen wieder aufhörte und die Wolken sich verzogen. Die Luft hatte sich angenehm abgekühlt und wir öffneten alle Fenster in der Wohnung um möglichst viel frische Luft herein zu lassen. Da es auch nicht wieder so sehr warm wurde am Tag wurde die Luft nicht wieder feucht und die Klimaanlage konnte für den Tag ausgeschaltet bleiben. Abends saßen wir entspannt eine Runde draußen und beobachteten die Leute im gegenüberliegenden Park, wobei wir darüber nachdachten wie lange wir schon hier sind.

Heute war wieder ein vergleichsweise normaler Tag. Da Wochenende ist habe ich ausgeschlafen. Gegen Mittag erreichte mich eine Nachricht von unserer Vermieterin, dass sie gerne einer Interessentin die Wohnung zeigen würde und ob es okay wären, wenn wir dafür fünf Minuten in eines der Zimmer gehen würden, da wir ja nach wie vor in Quarantäne sind. Da sie immer sehr entgegenkommend war für uns und uns einen Tag früher als ursprünglich vereinbart in die Wohnung ließ, erfüllten wir ihr diesen Gefallen sehr gerne. Dies war auch ein guter Grund, noch einmal richtig aufzuräumen. Zwar herrscht immer eine Grundordnung aber einiges bleibt trotzdem liegen. Nachdem die Besichtigung vorüber war bestellten wir Essen. Es gab, einmal dürft ihr raten, natürlich Dumplings. Diese brauchten heute jedoch leider fast zwei Stunden bis sie bei uns waren. Der Hunger war in der Zwischenzeit riesig geworden, auch weil unsere bestellte Lieferung vom Supermarkt statt Freitag erst heute Nachmittag kam. Neben einigen Folgen Serie gucken telefonierte ich noch mit meinen Eltern und zeigte ihnen die Gegend, so gut dass vom Balkon aus geht. Bei dem restlichen Telefonat draußen fiel ich leider den Mücken zum Opfer die mit Einbruch der Dunkelheit kommen. Da ich auf diese etwas allergisch reagiere wurden die Stiche sehr groß und juckten. Damit habe ich jedoch direkt für die Zukunft gelernt: lange Hose tragen oder Mückenspray besitzen!

Zusätzlich kommt noch ein kurzer Eindruck unserer Unterkunft.