Nach der Ankunft begann unweigerlich die Quarantäne von 15 Tagen. Wir kennen unser Ziel: 28.8.2020 12:00 Uhr. Dann dürfen wir raus. 1/3 der Zeit ist geschafft und der Rest wird auch zu bewältigen sein. Was in der Zwischenzeit geschah:

  • Wasserknappheit
  • Essen, scharfes Essen
  • Krieg gegen die Fliegen
  • Tropenhaus
  • Temperatursturz
  • Sicherheitswarnungen
  • Trockeneis
  • Dominik + Reiskocher = <3
  • Sehnsucht nach Supermärkten

Jetzt zu den Details:

Der Ankunftstag endete für mich relativ unspektakulär und, wie ich später lernen sollte, vergleichsweise früh gegen 1 Uhr. Am nächsten Morgen wachte ich um 10 Uhr auf und dachte ich hätte bereits den schlimmsten Teil des Jetlag hinter mir. Dominik war erst gegen 6 Uhr morgens eingeschlafen und schlief deshalb länger. Zum Frühstück gab es die Reste des Abendessens. Ansonsten verbrachten wir den Tag (ich) mit arbeiten, Serie gucken, (Dominik) Zocken und (beide) ausruhen.

Wir stellten im laufe des Tages jedoch fest, dass unser Wasservorrat (es gab bei der Ankunft zum Glück eine 2L Flasche Wasser) ziemlich schnell zu ende geht und kaum noch für den Tag reichen wird. Nachdem wir zunächst die Koreaner (die wir aus Projekten bereits kennen) gefragt hatten, wo man in einem Supermarkt bestellen könnten, schickten uns diese zwar verschiedene Seiten, jedoch waren diese alle auf Koreanisch und auch der Übersetzer konnte nur begrenzt helfen. Frustriert kamen wir zur Erkenntnis, dass wir so niemals schnell genug an neues Wasser kommen würden und baten die Koreaner um Hilfe. Einer von ihnen fragte, was wir alles benötigten und bestellte diese Dinge. Die wurden am nächsten Morgen bereits vor 6 Uhr geliefert. Da wir jedoch beide den Abend zuvor nicht einschlafen konnte (da war es also doch noch, der Jetlag) stand ich um 6 Uhr auf um die Dinge in den Kühlschrank zu räumen und ging wieder schlafen. Damit hatten wir zumindest wieder die nötigen Grundlagen. Wasser, Haferflocken, Milch, Obst, Eier, Bacon und Brot. 

Damit war für den zweiten Tag ein leckeres Frühstück gesichert. Damit war es aber für manche von uns mit dem leckeren Essen vorerst vorbei, da das Essen den Bauch ärgerte. An dieser Stelle sei gesagt, wie froh ich bin, den robusten Magen meines Vaters geerbt zu haben. Somit fiel das Essen trotzdem etwas vorsichtiger aus. Leider bekamen wir an diesem Tag jedoch neue Besucher. Klein und ziemlich nervig schwirren sie durch die ganze Wohnung. Fruchtfliegen. Wir kontaktierten unsere Vermieterin (die nicht nur immer erreichbar ist, sondern sich auch regelmäßig erkundigt, ob wir irgendwas benötigen) und sie brachte nur zwei Stunden später ein Spray gegen die nervigen Viecher, welches zumindest teilweise erfolgreich war bisher. Ansonsten war es der erste Tag, an dem es jede Menge regnete, wobei es trotzdem warm war. Dies verwandelte die Welt in ein Tropenhaus. Drinnen bliebt es durch die Klimaanlage und danke der doppelten Fenster zum Glück sehr angenehm. Draußen war die Luftfeuchtigkeit jedoch so hoch, dass sogar die Fenster (von außen) beschlugen, ohne dass diese sonderlich kalt waren.
Abends gab es noch eine halbe Stunde Sport um auf andere Gedanken zu kommen und sich etwas zu bewegen. Mit einer erneut sehr späten Schlafenszeit (meistens gegen 5 Uhr, kurz bevor es hell wird) ging der Tag zu Ende.

Der nächste Tag weckte uns mit Sonnenschein und auch drinnen schien es unerträglich warm geworden zu sein. Die Klimaanlage lief zwar, aber es kam keine kalte Luft. Ist halt nicht so einfach, wenn es für zwei unterschiedliche Klimaanlagen nur eine Fernbedienung gibt und diese dann noch auf koreanisch ist. Irgendwann werden wir wissen, wie die jeweilige Anlage zu bedienen ist, ohne dabei Temperaturstürze in eine der Richtungen zu erleiden. Hoffentlich nicht erst, wenn es draußen auch kalt wird. Wir verbrachten den Tag auf die verschiedensten Weisen: Essen, arbeiten, zocken, Leuten im Park gegenüber zusehen und warten bis die Zeit vergeht. Dominik ging es noch immer nicht viel besser. Als es Abend wurden ging es mit der Hoffnung ins Bett, dass der Jetlag langsam nachlässt. Dominik hatte Glück, während ich erneut bis fünf Uhr wach lag und nicht schlafen konnte…

Montag morgen wachte ich davon auf, dass man Leute direkt vor dem Haus reden hören konnte. Der Park ist zwar direkt auf der anderen Straßenseite, jedoch hört man die Leute normalerweise nicht. Ein Blick aus dem Fenster zeigte eine Ansammlung von fast 30 Menschen, aber noch nicht den Grund. Ein Moment später konnte man Lampen, große Reflektoren und eine Filmkamera sehen, welche bei uns in der Einfahrt stand. Das spannendste was seit Tagen passierte. So saßen wir beide über eine halbe Stunde am Fenster und sahen zu. Leider wissen wir nicht was oder wer genau dort gefilmt wurde.

Da Montag war begann ich meinen Tag erneut mit arbeiten. Froh, dass ich etwas sinnvolles zu tun habe konnte ich dort einige Dinge erledigen. Jetzt könnte man sich fragen, wieso ich bei Langeweile nicht einfach immer arbeite. Jedoch sorgt die Quarantäne nicht nur für Langeweile, sondern auch dafür, dass die Motivation fehlt etwas zu tun. Ich telefonierte mit verschiedenen Freunden und Familie von zuhause und erzählte wie die ersten Tage waren. Später am Tag entschieden wir, dass es erneut Zeit war einige Lebensmittel und Wasser zu bestellen. Ohne die Koreaner wäre dies bestimmt auch irgendwie möglich, jedoch deutlich komplizierter.
Hier gilt während der Quarantäne ein komplettes Ausgangsverbot, nicht einmal einkaufen geht. Täglich bekommen wir unzählige Sicherheitswarnung auf das Handy. Die letzten Tage noch einmal mehr, da es von einer Kirche eine Versammlung mit über 200 Menschen gab, von denen niemand eine Maske trug. Seit dem ist die Zahl der infizierten etwas angestiegen. Außerdem gab es am Unabhängigkeitstag eine Demonstration mit mehreren tausend Menschen die sich versammelten. Nun muss überall draußen eine Maske getragen werden und wer dies nicht tut, bekommt eine Strafe. Außerdem ist wohl ein infizierter Patient irgendwo in der Stadt unterwegs und die Polizei versucht ihn zu finden. Dinge die so in Deutschland wahrscheinlich nicht passieren würden. Was genau die Sicherheitswarnung sagen wissen wir jedoch nicht, da diese auch in koreanisch sind. Wir haben begonnen koreanisch zu lernen, und das Alphabet klappt auch teilweise schon ganz gut (dadurch lässt sich vieles lesen, wobei man dann trotzdem nicht weiß was dort steht), aber es ist noch lange nicht ausreichen um irgendwas verstehen zu können.

Die nächste Essenslieferung traf heute Nacht um 1:38 Uhr vor unserer Tür ein und wird dort normalerweise einfach abgestellt, in gut gekühlten Taschen. Da ich aber ohnehin noch wach war holte ich diese rein und packte die Sachen in den Kühlschrank bzw. in das Gefrierfach, da ich mir als besonderes Essen Eis gewünscht hatte. Heute morgen fand ich heraus, dass das Eis ebenfalls gut gekühlt gewesen war, mit zwei Packungen Trockeneis. Eine neue Beschäftigung und ein Highlight für die nächste halbe Stunde. Trockeneis blubbert übrigens wenn man es in Wasser schmeißt.

Nach dieser Spielerei ging der normale Tag weiter. Arbeiten, Zocken, mit Freunden quatschen und warten, dass die Zeit vergeht. Bei der letzten Essenbestellung war nun auch Reis, Salz, Pfeffer und Hähnchen dabei, sodass es heute Abend das erste selbst gekochte Abendessen gab. Für Dominik definitiv ein Highlight, da er seine Liebe zu dem Reiskocher entdeckt hat und diesen unbedingt ausprobieren wollte. Es funktioniert hervorragend und das Essen schmeckte, auch wenn es sehr einfach war. Dies weckte jedoch auch wieder die Sehnsucht nach den Supermärkten. Der nächste größere Supermarkt ist nur 3 Minuten zu fuß entfernt von der Wohnung. Der Tag an dem wir endlich raus dürfen wird einer unserer ersten Wege definitiv dort hin führen. Das wird schön!

Bis dahin genießen wir, dass wir zumindest einen Balkon haben, der ermöglicht, dass wir draußen sitzen können und füllen fleißig weiter die App der Regierung aus, die zwei Mal täglich unsere Körpertemperatur sowie alle möglichen Symptome von Corona abfragt. Außerdem haben wir von der Uni eine Liste mit den Kursen bekommen, die wir belegen können und werden uns auch damit in den nächsten Tagen beschäftigen. Es wird sich wohl etwas finden was wir tun können. Und wenn nicht: Dann genießen wir die Zwangspause so gut es geht.

camphoto_1804928587.jpg