Da war er also, der letzte Tag in Deutschland. Nachdem wir vor einigen Wochen erfahren hatten, dass die Lufthansa unseren Flug 28 Stunden früher gelegt hat, es kurz etwas Chaos mit Unterkunft und Visum gab, nahmen wir letztlich eben doch genau diesen Flug. Aber beginnen wir mit Dienstag, dem letzten Tag in Deutschland.
Koffer gepackt war schon seit Sonntag, die Wohnung frei geräumt und sauber gemacht. Deshalb verlief der Tag weitestgehend normal im Büro. Dort gab es vom Chef noch einige Tips was man alles unbedingt angucken muss und wenn wir das erledigt habe, kann er uns noch mehr sagen. Die klangen so verlockend, dass ich es nicht mehr erwarten konnte, dass es los geht. Nachdem ich mich dort von allen verabschiedet hatte ginge es, mit einem kurzen Abstecher an der Wohnung vorbei um letzte Dinge zu holen, nach Dabringhausen. Abends war geplant, mit meinem Bruder und meinen Eltern noch mal richtig typisch deutsch essen zu gehen. Das ist uns gelungen und wir hatten einen schönen Abend. Am Ende habe ich mich von meinem Bruder und meiner Mutter verabschiedet. Der Wecker für den nächsten Morgen musste ich auf 5:40 Uhr stellen. Definitiv nicht meine Zeit.

Es mag die Aufregung gewesen sein, oder mein Körper der völlig überfordert war mit der Uhrzeit, aber das Aufstehen war überhaupt kein Problem. So saßen wir um 6:25 Uhr im Auto auf dem Weg zum Flughafen nach Köln. Mein Papa lieferte mit direkt am Terminal ab von wo es für mich alleine los ging. Zumindest zwei Etagen hoch, bis am Check-In Dominik schon auf mich wartete. Nachdem die Koffer abgegeben waren hatten wir noch jede Menge Zeit und beschlossen daher, auf die Besucherterasse zu gehen und Flugzeugen zuzugucken. Allerdings flogen so wenige Maschinen, dass sich das quasi nicht lohnte. Also doch durch die Sicherheitskontrolle (auch hier war kaum was los) und zum Gate. Nach kurzer Wartezeit begann bereits das Boarding und wir hoben pünktlich ab.

Überpünktlich und bei bestem Wetter landeten wir um 9:35 Uhr in München. Jetzt hieß es warten. Der nächste Flug startete erst um 12:45 Uhr. Also erst einmal durch das komplette Terminal gelaufen um etwas Bewegung zu haben.


Auf dem Weg zum Abfluggate mussten wir die Passkontrolle passieren. Dieses befindet sich oberhalb der Sicherheitskontrolle. Da uns dies als spannendste Alternative für den Moment einfiel blieben wir dort stehen und sahen zu was alles in der Sicherheitskontrolle passierte. Nach etwa einer halben Stunde kamen zwei Bundespolizisten auf uns zu und fragten was wir machten, da wohl aufgefallen wäre, dass die Sicherheitskontrolle beobachtet wird. Mit unserer Erklärung, dass wir Langeweile hätte und warten müssten gaben sie sich zufrieden und führten lediglich noch eine Personenabfrage durch. Diese begann mit dem Nachnamen und dem Geburtsdatum. Bei meinen Daten kam ein Vorschlag für einen Vornamen von der Gegenseite, welcher aber nicht stimmte, woraufhin die Polizistin erwiderte, dass eine Ninja benötigt wird. Ein Ninja in der Polizei wäre vielleicht mal eine neue Idee! Durch die Passkontrolle ging es zu entsprechendem Gate, was auch schon vergleichsweise voll war. Das Einsteigen ging trotzdem schnell, da wir mit einer kleinen Maschine flogen. Es war zwar nahezu jede Reihe besetzt, aber überall ein Platz dazwischen frei. Auch trugen alle (den ganzen Flug) eine Maske. An diese gewöhnt man sich relativ schnell. Dominik freute sich außerdem über den Bildschirm den es an jedem Platz gab. Dieser musste natürlich sofort ausprobiert werden.

Zu beginn konnte man noch gut aus dem Fenster gucken, allerdings setzte bald die Dämmerung ein und um 18 Uhr deutscher Zeit, nach einem schönen Sonnenuntergang, war es bereits komplett finster.

So war von Russland und China nichts zu sehen. Kurz nach dem Abflug gab es ein warmes Mittagessen und kurz vor der Landung ein Frühstück. Etwa eine halbe Stunde vor der Landung ging die Sonne auf, was über die Außenkamera am Flugzeug herrlich zu beobachten war.

In Seoul selbst war es während der Landung jedoch bewölkt. Der Flug verlief ansonsten sehr entspannt, wenn auch schlaflos und verging trotz 10 Stunden Flugzeit schnell.
Im Flughafen erwarteten uns nun mehrere Schlangen, Schalter und unzählige Formulare, dass wussten wir jedoch noch nicht.

In der ersten Schlange wurde überprüft wie hoch unsere Körpertemperatur ist. In der zweiten Schlange wurde nachgesehen, ob wir die App der Regierung auch installiert haben, da diese Pflicht ist um einreisen zu können. Bei Bedarf gab es hier auch Hilfe dabei. Diese brauchten ziemlich viele Menschen, weshalb es länger dauerte. Irgendwann begann der Mann, der für das Aufteilen der Schlange zuständig war, ebenfalls Vorkontrollen zu machen und erlöste uns somit vom Warten, um uns direkt in die nächste Schlange zu schicken. Am dritten Schalter sollte überprüft werden, ob die in der App angegebene Telefonnummer auch tatsächlich funktioniert. Da wir noch keine koreanische Handynummer haben, gestaltete sich dies etwas schwierig. Wir konnten die Nummer von einem Bekannten aus Korea angeben, womit die Behörden aber nicht so 100% zufrieden schienen.

Trotzdem ließen sie uns weiter zum nächsten Schalter. Dort legten wir die ganzen Dokumente vor, die wir bereits im Flugzeug ausgefüllt hatten. Diese halfen jedoch nur wenig, da wir trotzdem fünf Seiten Dokument ausfüllen mussten, wobei sich der Inhalt jedes Mal wiederholte. Die Adresse konnten wir anschließend auswendig, genau so wie unsere Passnummer. Mit dem Stapel Dokumente ging es dann zum letzten provisorischen Schalter vor der eigentlichen Passkontrolle. Dort wurden einzelne Seiten abgerissen und dafür neue hinzugefügt. Immerhin bereits fertig ausgefüllt. Mit denen ging es dann zur Passkontrolle. Dort wurden zudem Fingerabdrücke genommen und ein Foto gemacht. Als Bescheinigung über das Visum gab es einen Kassenzettel ähnlichen Ausdruck und das wars. Nicht mal ein Stempel im Pass. Weiter ging es, den Koffer abholen. Diese fuhren bereits seit einiger Zeit im Kreis, aber wir waren noch nicht die letzten. Einen letzten Zettel mit der Zollerklärung abgeben und dann raus aus dem Sicherheitsbereich. Dies hieß jedoch nicht, dass es davor weniger sortiert wäre. Direkt ein neuer Schalter. Diesmal die Frage nach unserer Adresse (etwas ganz neues…). Nach der Angabe dieser wurden wir ans andere Ende der Empfangshalle Geschickt. Dort sagte uns der nächste nette Mann, dass wir unsere Koffer einfach dort stehen lassen sollen und draußen am Schalter ein Busticket kaufen müssten. Nachdem wir auch dort der netten Frau gesagt hatten wo wir hin wollten, hatten wir ein Busticket und einen entsprechenden Bus, welcher 30 Minuten später abfuhr.

Dabei war es keineswegs irgendein einfacher Linienbus sondern ein sehr komfortabler Reisebus.


Für Dominik anscheinend etwas zu bequem, er schlief zwischenzeitlich ein. Kurz vor dem Ziel weckte ich ihn. In der Annahme, dass wir nun noch ein kurzes Stück laufen müssten und dann auf diesem Weg auch direkt etwas einkaufen könnten stiegen wir aus.


In Empfang nahm uns vor dem Bus direkt die nächste freundliche Damen. Diese erklärte uns, dass wir unseren Koffer abstellen sollten und zu einem Corona Test müssten. Da dieser ohnehin in den nächsten drei Tagen hätte stattfinden müssen, war es für uns am einfachsten diesen direkt dort zu machen. Nachdem die Hände desinfiziert und in Einmalhandschuhe verpackt waren, nahmen wir auf Stühlen draußen vor dem Gebäude platz und mussten einmal mehr eine Liste mit Fragen und (Überraschung ^^) der Adresse ausfüllen.

Nachdem unsere Wartenummer aufgerufen wurde ging es in das Gebäude um zunächst unseren Zettel zu überprüfen, dann den Zettel erneut zu überprüfen und ein Teströhrchen zu erhalten, mit dem man dann in den letzten Raum geschleust wurde, wo der eigentliche Test stattfindet. Wer schon auf Corona getestet wurde, wird wissen, wie unangenehm das ist. Für alle anderen: Man bekommt ein Stäbchen durch die Nase bis in den Rachen geschoben und ein Abstrich wird im Rachen direkt gemacht. Vor allem Ersteres ist wirklich sehr unangenehm, und brannte auch nach ein paar Stunden noch. Die Ergebnisse werden in den nächsten Tagen per SMS zugeschickt. Außerdem bekamen wir eine weiße Plastiktüte überreicht. Diese enthält eine große Flasche Desinfektionsmittel, einen Beutel für toxischen Müll (aus Sicherheitsgründen entsorgen die den kompletten Müll der während der Quarantäne anfällt gesondert), Masken und Unterweisungen, welche jedoch ausschließlich in Koreanisch sind. Trotzdem wurde auch hier wieder deutlich, wie ernst die Koreaner die Pandemie und vor allem die Quarantäne nehmen.

Um sicherzustellen, dass die Menschen in Korea auf dem Weg in die Quarantäne tatsächlich nicht draußen herum laufen ging es für uns von der Teststation nicht zu Fuß weiter, wie geplant sondern wir wurden gebeten, in ein bereitstehendes Auto zu steigen. Dies würde uns direkt zu unserer Adresse fahren. Durchkreuzte damit zwar unsere Pläne zum einkaufen, aber die schweren Koffer nicht noch durch die Stadt schleppen zu müssen hatte auch seine Vorteile. Zumal die Koreaner diesen Service völlig kostenlos anboten. So bekamen wir noch ein kleines bisschen von der Stadt zu sehen, bevor wir vor dem kleinen Häuschen standen, welches wir aus dem Internet kannten.


Für die Tür hatte ich einen Code schon vor einigen Tagen von unserer sehr netten Vermieterin bekommen. Daher kamen wir direkt ohne Probleme rein. Die Wohnung sah schon im Internet sehr schön aus, aber wie es tatsächlich ist weiß man ja häufig erst wenn man da ist. Und unsere Erwartungen wurden in diesem Fall definitiv übertroffen! Es gibt nicht nur ein, sondern zwei Zimmer mit Doppelbett, ein sehr modernes Bad, eine gut ausgestattete Küche und eine eigene Waschmaschine. Das Haus befindet sich in einer ruhigen Seitenstraße weshalb man vereinzelt mal einen Motorroller hört, aber sonst ehr Vögel aus dem kleinen Park auf der anderen Straßenseite. Eines von Dominiks Highlights waren definitiv die Sportgeräte welches es dort gibt.
Nach der ersten Freude und dem entscheiden, wer welches Zimmer bekommt, haben wir die Koffer ausgepackt und uns eingerichtet. Anschließend waren wir froh, am Ziel zu sein und einen Moment sitzen zu können (auch wenn wir den ganzen Flug natürlich nichts anderes getan haben…). Dabei merkte man jedoch auch, wie so langsam die Müdigkeit durch kam. Es war 11:30 Uhr koreanischer Zeit (in Deutschland ist es immer 7 Stunden früher) und wir bekamen außerdem etwas Hunger. Eigentlich war der Plan, bis ca. 18 Uhr wach zu bleiben und dann erst schlafen zu gehen, um dem Jetlag zu umgehen. Während wir aber auf unser bestelltes, koreanisches Essen warteten (es gibt zumindest eine App, die neben koreanischen Schriftzeichen auch englische Beschreibungen hat, gut für uns), kam die Müdigkeit immer mehr durch, sodass wir vereinzelt immer wieder einnickten. Daher entschieden wir uns beide, nach dem Mittagessen schlafen zu gehen. Von 14 Uhr und dann möglichst so lange wie es geht.

Um 17: 30 Uhr stand Dominik bei mir in der Tür. Nachdem ich erst völlig verwirrt war, wo ich bin, welcher Tag ist und was gerade passiert, merkte ich, wie warm es war. Wir hatten 3,5 Stunden geschlafen. Eigentlich die perfekte Zeit. Jetzt hatten wir so viel Zeit, dass wir den wirklich heftigen Schlafmangel nach 25 Stunden wach etwas ausgleichen konnten um den Abend wach zu bleiben und dann zu einer normalen Uhrzeit schlafen zu gehen. Ob dieser Plan aufgeht wird sich zeigen…
Für uns wird damit auf jeden Fall ein sehr langer, aufregender Tag zu Ende gehen und wir freuen uns, dass wir eine so reibungslose Reise hatten und am Ziel sind.
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