Die Mitte des Jahres ist erreicht, was bedeutet, dass es nunmehr nur noch 5 Wochen sind bis es losgeht. Inzwischen steht auch fest, ich fliege nicht alleine. Ein Kommilitonen aus meinem Studiengang, Dominik, hat sich ebenfalls für eine Semester dort beworben und wurde angenommen. Es gibt einem eine gewisse Sicherheit, dass vor Ort noch jemand sein wird, der die gleiche Sprache spricht und ähnliche Probleme haben wird.

Nachdem wir beide die Zusage für erhalten haben wollten wir möglichst zeitnah Flüge buchen, solange diese günstig sind. Dabei stellte sich jedoch direkt die erste Frage. Wann? Bedingt durch Corona erwarten uns in Korea zwei Wochen Quarantäne, bevor wir irgendwas tun dürfen. Da das Semester dort bereits Anfang September beginnt müssen wir spätestens Mitte August fliegen. Den zweiten Teil der Klausurphase in Deutschland verpassen wir bedingt dadurch. Hat Vor- aber auch Nachteile… Somit stand dann aber relativ schnell der 13.08.2020 als Abflugtag fest. Dann kam die nächste Frage: Wann geht es zurück? Das Semester endet bereits vor Weihnachten. Ursprünglich hatte ich mit meiner Familie überlegt, dass diese kurz vor Weihnachten nach Seoul kommen, ich ihnen die Stadt zeigen kann und wir Weihnachten feiern, bevor wir dann über Silvester an einen wärmeren Ort fliegen. Da zurzeit aber offen ist, ob es noch Quarantäne geben wird, ob es überhaupt Flüge gibt und wie es dann stattfinden könnte, sind diese Pläne aber auf Eis gelegt. Dominik wollte nutzen, dass wir einmal am anderen Ende der Welt sind und noch etwas reisen im Anschluss an das Semester. Diesen Plänen habe ich mich jetzt angeschlossen und den Rückflug für den 13.01.2021 gebucht. Verschieben geht momentan komplett kostenlos, also abwarten wann ich tatsächlich wieder da bin.

Bei der Unterkunft gab es die Möglichkeit, dass man in das Studentenwohnheim der Uni kann. Dies ist eine kostengünstige aber sehr einfache Möglichkeit zu wohnen. Dabei wird streng nach Frauen und Männern getrennt, es gibt nur ein Zimmer, welches man sich mit einem Mitbewohner teilt (der unter Umständen kein Englisch kann), keine Küche (lediglich Kühlschrank und Mikrowelle) und das Gebäude ist von 24 Uhr bis 5 Uhr geschlossen (abends lange unterwegs sein geht also nicht). Bestimmt kann man auch dort sehr viel Spaß haben und nette Menschen kennen lernen, für uns kam es aber beide nicht so richtig in Betracht. Da wir aber zu zweit sind war die alternative, eine Wohnung in der Nähe zu suchen, die eine Küche und zwei Zimmer hat und für diese Zeit eine WG zu gründen. Genau dies haben wir jetzt getan und werden in Mapo-Gu wohnen, ca. 1km von der Universität entfernt. Die Neugierigen unter euch können hier gucken wo wir wohnen. Mapo-Gu ist ein Stadtbezirk, liegt im Westen der Stadt und grenzt an den Han River. Außerdem liegt das World Cup Stadion und das bekannte Studentenviertel Hongdae dort. Somit ist alles direkt vor der Tür. Die Unterkunft ist bis zum 28.12.2020 gebucht. Danach geht es zwangsläufig auf Reisen. Der Plan ist, bis dahin schon möglichst viel von Korea gesehen zu haben, in der Hoffnung, dass die Grenzen wieder halbwegs geöffnet sind und wir Japan, Thailand oder auch Taiwan angucken könnten. Die genauen Pläne dafür werden sich aber wahrscheinlich erst Ende des Jahres ergeben.

Um aber nicht bereits bei der ersten Einreise Probleme an der Grenze zu bekommen, haben wir vergangene Woche der Botschaft von Südkorea in Bonn einen Besuch abgestattet um unser Visum zu beantragen. Da auch hier Corona eine Rolle spielt war es notwendig, dass wir ein Attest vom Arzt vorlegen konnten, das nicht älter als 48 Stunden ist und auf dem vermerkt ist, dass wir keine aktiven Coronasymptome haben. Der Besuch beim Arzt war dabei durchaus interessant. Da ich keinen Hausarzt in Wuppertal habe sind wir beide zu Dominiks Arzt gegangen. Dort wurde ich zunächst aus dem Wartezimmer aufgerufen. Nachdem ich kurz erklärt hatte, was ich wofür benötigte und dass das Attest nach Möglichkeit auf Englisch sein sollte, fragte der Arzt nur kurz ob ich denn irgendwelche Anzeichen hätte und wie man Husten noch mal auf Englisch schreibt. Mit meinem “Nein” gab er sich zufrieden und auf den Hinweis, dass gleich noch jemand kommt, der das gleiche benötigt, nickte er nur. Innerhalb von fünf Minuten war das Attest geschrieben, was ich am Empfang abholen konnte. Nun wollte ich warten, bis auch Dominik fertig war. Der wurde jedoch nicht mal mehr aufgerufen sondern konnte sein Attest direkt abholen. Gut, dass der Arzt da solches Vertrauen hat…
Leider hatte ich am Abend vorher festgestellt, dass die Passbilder von denen ich dachte, dass ich sie vom Vorjahr noch hätte, nicht mehr da waren sondern lediglich welche vom Visum von 2012 für Amerika. Die waren dann doch definitiv zu alt! Also schnell in die Stadt noch neue machen, was zum Glück in fünf Minuten erledigt war. Damit wir ganz in Ruhe bei der Botschaft alles erledigen konnten, war der Plan um kurz nach 14 Uhr, nach deren Mittagspause, dort zu sein. Mit einem Umweg am Büro meiner Eltern vorbei (da ich am Wochenende davor meinen Reisepass bei ihnen vergessen hatte…) ging es nach Bonn. Dort befindet sich die Botschaft in einem sehr unscheinbaren Gebäude. Aber nicht nur außen wirkte es nicht hoch offiziell, auch in dem kleinen Bereich der Botschaft, im dritten Stock erinnert lediglich die südkoreanische Fahne und die koreanischen Mitarbeiter daran, dass dies kein Ticketverkauf ist.
Die meisten Unterlagen hatten wir im Voraus durch die Uni erhalten oder online heruntergeladen, sodass wir diese zusammen mit dem Attest lediglich durch das kleine Fenster schieben mussten. Als Antwort darauf bekamen wir zwei neue Zettel zum unterschreiben zurück. Eine Bestätigung, dass uns bewusst ist, dass wir bei der Einreise zwei Wochen in Quarantäne müssen (da kommt doch Freude auf…) und eine Adresse und Nummer für Deutschland und Korea unter der wir zu erreichen wären. An entsprechendem Fenster gab es auch einen Aushang über die Quarantäne. Die Bedingungen dafür sind etwas undurchsichtig gestaltet. Offiziell gibt es die Regel, dass man bei der Einreise 14 Tage in Quarantäne muss und sich innerhalb von drei Tagen nach Ankunft auf Corona testen lassen muss. Bei Leuten die eine Visum für mehr als 90 Tage haben (was bei uns zutreffend ist), darf diese Zeit in der eigenen Unterkunft verbracht werden und muss nicht in einer der staatlichen Unterkünfte stattfinden (diese sind vor allem sehr teuer mit 110€ pro Tag). Auf dem Aushang stand nun jedoch etwas darüber, dass Leute aus europäischen Ländern direkt am Flughafen getestet werden und bis zu dem Ergebnis unter Umständen in eine der offiziellen Unterkünfte müssen. Ich hoffe ich finde vor der Abreise noch genauere Informationen dazu, sonst müssen wir uns wohl am Flughafen überraschen lassen. Auf jeden Fall gilt jedoch, wie momentan überall die Maskenpflicht. Auch während dem Flug. Auch wenn dabei extra Plätze freigelassen werden. Auch wenn der 10,5 Stunden dauert. Aber auch hier: Abwarten und Tee trinken und gucken was passiert. Ändern können wir es eh nicht und rüber wollen wir auf jeden Fall. Das Visum ist in jedem Fall erfolgreich beantragt und wird am 24.7. online ausgestellt.

Sollte jemand gute Tipps haben für Seoul oder Südkorea immer her damit! Ansonsten werde ich hier berichten wie  das Abenteuer weitergeht.