Nach dem Abend am Meer darf natürlich auch der Sonnenaufgang am nächsten Morgen nicht fehlen. Da wir uns auf der Westseite der Insel befanden, ging die Sonne hinter uns auf. Trotzdem war der Blick aus dem Bett auf das Meer wirklich toll und lud zum liegenbleiben ein. Da aber für diesen Tag die weiterfahrt geplant war, ließen wir uns nicht ewig Zeit und packten, nach einem Frühstück (ihr denkt es euch bereits…) mit Blick auf das Meer, unsere sieben Sachen zusammen. Als wir am Tag zuvor unser Auto umstellten, sprachen uns unsere ehemaligen Nachbarn an, nachdem Jan sehr genau ihr Nummernschild studiert hatte (er wollte bloß wissen woher sie kommen). Neben einigen nützlichen Tips für weitere Campingplätze brachten sie uns an diesem Morgen noch ein Stück Salami von der Insel und verabschiedeten sich, da sie ebenfalls weiter fuhren.

Wir fuhren zum Ende des Nordcaps nach Saint Florent, was aufgrund seines Jachthafens bekannt ist, als das Saint Tropez von Korsika. Wir hatten Glück und fanden nach kurzer Fahrt durch die Stadt einen kostenlosen Parkplatz direkt am Jachthafen. Die Stadt ist nicht groß, auch wenn man dies im Sommer vermuten könnte, da dort dann 10 mal so viele Menschen sind, wie die Stadt eigentlich an Einwohnern hat. Jetzt in der Nachsaison war es zwar schon etwas ruhiger, trotzdem tummelten sich noch einige Touristen in den wenigen Gassen. Wir drehten zunächst eine kleine Runde durch den Jachthafen und schauten uns die Boote an, bevor wir uns auf den Weg zur Zitadelle machten. Diese sitzt auf einer Anhöhe über der Stadt. Dabei soll nicht die Zitadelle selbst das schöne sein, sondern der Weg dorthin. Dieser ist zum Glück nicht sehr lang, was uns in der Mittagshitze gelegen kam, ist dafür aber tatsächlich sehr schön. Es gibt mehrere kleine Häuser und Blumen die den Weg säumen. Von oben hat man dann einen schönen Blick über den Hafen und das Meer.

Zurück am Auto ging es weiter Richtung L‘Île-Rousse. Wir hielten in der Stadt am größeren Supermarkt um Lebensmittel für die nächsten Tage zu besorgen. Außerdem gab es dort einen Campingplatz in der Nähe der Stadt. Dieser war etwas größer als die bisher besuchten, wodurch auch die einzelnen Parzellen näher aneinander waren. Insgesamt war der Platz an den Hand gebaut mit einzelnen Terrassen bzw. Ebenen.Wir suchten uns einen Stellplatz aus, von dem wir das Meer noch sehen konnten. Da uns beide der Hunger quälte, kochten wir zunächst etwas zu essen, nachdem die wichtigsten Dinge aufgebaut waren.
Gestärkt und etwas ausgeruht packten wir Schwimmsachen ein und machten uns auf den Weg zum kleinen Bahnhof der sich direkt unterhalb des Campingplatzes zwischen Platz und Meer befand. Wobei Bahnhof übertrieben klingt. Es ist ehr ein Erdhügel am Gleis, wo der Zug von Calvi auf dem Weg nach L‘Île-Rousse zufällig hält. Dort angekommen fanden wir jedoch heraus, dass der nächste Zug erst in 1,5 Stunden fährt. Der Weg vom Campingplatz zur Stadt dauerte zu Fuß jedoch „nur“ 40 Minuten, weshalb wir uns entschieden zu laufen. Dabei ging es zunächst parallel zum Strand durch Wiesen. Am Ende dieser konnte man zwar erkennen, dass dort mal ein Weg war, dieser war jedoch durch eine Palette und Stacheldraht versperrt. Wir hatten keine große Lust umzudrehen, deshalb bewegten wir die Palette gerade genug zur Seite, um durch den Stacheldraht zu klettern. Weiter ging der Weg Richtung Strand, bog dann aber laut Karte kurz vorher rechts ab in den Wald. Dort war zunächst jedoch kein Weg zu sehen, bevor wir feststellen, dass es durch ein kleines verfallenes Häuschen (in dem ein Spielhaus den Weg teilweise versperrte) weiter ging. Der Weg schlängelte sich zwischen Felsen und einigen Bäumen hindurch und führte dabei immer weiter den Berg hinauf. Plötzlich standen wir vor einem verlassenen Haus, was einen Bank und Tisch mit tollem Ausblick bot, jedoch innen drin komplett zerfiel und völlig chaotisch war. Danach ging es weiter den Berg hinauf und wir waren beide froh, als wir den Supermarkt erkannten, bei dem wir Mittags einkaufen waren. Da es trotz der etwas späteren Uhrzeit noch immer sehr heiß war, vertraten wir beide die Meinung uns etwas kaltes verdient zu haben. Ich wollte gerne ein Eis und Jan eine kalte Cola. Leider gab es weder noch, weshalb wir uns auf eine große Flasche gekühlte Limonade einigten. Da der Supermarkt ehr am Rand der Stadt liegt, mussten wir von dort noch einmal ca. 20 Minuten bergabwärts bis in die eigentliche Stadt zu laufen. Dort war an diesem Tag ein großes Boule Turnier, wodurch viel Menschen unterwegs waren. Außerdem war der große Platz in der Mitte des Ortes aufgeteilt in mehrere Boulefelder. Wir schauten zunächst einen Moment zu, bevor wir uns auf den Weg durch die kleinen Gassen machten. Davon gibt es einige und neben Restaurants lassen sich dort vor allem kleine Läden finden. Zurück liefen wir an der Promenade entlang und machten auch einen kurzen Abstecher in die andere Richtung der Stadt vom Platz aus gesehen. Dort liefen wir zufällig an einer kleinen Bäckerei vorbei und beschlossen bereits jetzt das Brot für den nächsten Morgen mitzunehmen. Statt einem klassischen Baguette gab es den kleinen Bruder, ein Barnette. Dieses musste allerdings schon in Teilen auf dem Weg zum Bahnhof den glauben. Da es noch warm war, duftete es aber auch einfach verführerisch. Zurück nahmen wir dann jedoch lieber den Zug (den letzten am Tag), da wir auch noch eine Runde im Meer schwimmen wollten bevor es dunkel war.
Der Zug war eine kleine Diesellok, die zwei Waggons zog und direkt oberhalb des Meers entlang fuhr. Nach fünf Minuten und dem drücken des Haltewunsch-Knopfs, hielt der Zug an unserem Campingplatz. Da wir die Schwimmsachen schon dabei hatten liefen wir direkt zum Strand und schwammen passend zu den letzten Sonnenstrahlen im Meer. Nach einer Dusche liefen wir zurück zum Auto und mussten dort feststellen, dass sich zahlreiche Ameisen einen Weg über unseren Stellplatz gesucht hatten. Zum Glück ließen sie unsere Lebensmittel dabei ungeachtet und hatten sich lediglich über den Müllbeutel (der immer ein Stück vom Auto weg hängt) hergemacht. Beruhigt und müde vom Tag fielen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen packten wir wieder alle Sachen zusammen, da die Reise weiter ging. Der nächste Stop war die Stadt Calvi. Diese ist aufgeteilt in eine ältere Oberstadt und eine neuere, lebendigere Unterstadt. Wir parkten an einem Friedhof (übrigens häufig ein guter Tipp um kostenlos oder günstig zu parken) und liefen zunächst in die Unterstadt. Diese besaß einen kleinen Hafen mit kristallklarem Wasser und viele Lokale. Der Weg in die Oberstadt führte einen Berg hinauf. Dabei wählten wir leider zunächst einen kleinen Weg der zwar direkt bis vor die Stadtmauer ging, dort aber versperrt war. Also wieder zurück und diesmal den größeren Weg hinauf. Die Oberstadt ist deutlich älter und besteht überwiegend aus kleinen Gassen. Vom Rand der Oberstadt hat man einen schönen Blick über die Stadt und den Hafen bis hin zu den umliegenden Bergen. Im Schatten einer der Gassen fanden wir eine Eisdiele und genehmigen uns eine Kugel Eis bevor es zunächst den Berg runter und dann zum Auto wieder hoch ging.

Die Strecke die wir dann fuhren ist nichts für große Autos, dafür aber für jeden der schöne Landschaft mag und Zeit mitbringt. Die Straße schlängelt sich entlang des Berges immer mal mehr oder weniger nah dem Meer. Dabei ist die Küste hier rauer und zerklüfteter als irgendwo sonst auf der Insel. Die Straße war teilweise sehr schmal, sodass wir besonders vor Kurven langsam fahren mussten um eventuell entgegen kommenden Fahrzeugen auszuweichen. Aber auch der Straßenbelag passte sich teilweise der Umgebung an und war streckenweise ebenfalls sehr zerklüftet und kaputt. Je näher wir Porto kamen, desto roter und skurriler wurden die Felsformationen. Wir passierten das Fangotal und fuhren weiter Richtung Süden. Durch mehrere kleine Orte und über einen Pass biegen wir kurz vor dem Ort Porto ab in das Landesinnere und erreichen nach wenigen Kilometern den Campingplatz „Funtana a l‘Ora“.
Dort hatten wir bereits den Abend zuvor einen Platz reserviert, da wir sicher gehen wollten, auf jeden Fall dort stehen zu können. Bereits vor der Reise haben wir über den Platz und vor allem die gute Pizza dort gelesen. Er liegt mitten in den Bergen, terrassiert über mehrere Ebenen und direkt unter Bäumen. Etwas unterhalb fließt der Rivière de Porto, in dem man bei warmen Wetter in verschiedenen Badegumpen schwimmen kann. Zusätzlich gibt es aber auf dem Platz selbst einen sehr schönen Pool mit Blick auf die Berge, der Abends sogar beleuchtet ist. Da wir reserviert hatten, zeigten sie uns einen Platz, den sie freigehalten hatten, wir durften uns aber anschließend noch selber umsehen, ob wir woanders stehen wollten. Wir liefen den Hang, an dem der Platz lag, hinauf und guckten uns verschiedene Ecken an. Am Ende fanden wir einen Platz, bei dem im vorderen Bereich ein „Reserviert“ Schild auf einem Stuhl stand. Auf dem hinteren (von uns begehrten) Platz stand jedoch nur ein Stuhl. Zur Sicherheit machten wir ein Foto und fragten an der Rezeption nach ob dort frei war. Wir hatten Glück und parkten den Bulli anschließend um.

Der Platz war wirklich optimal. Etwas oberhalb befanden sich kleine Hütten die man mieten kann. Ansonsten gab es nur ein Zelt in der Nähe. Die Bäume boten genug Platz um das Sonnensegel aufzuhängen (ehr für die Gemütlichkeit als gegen die Sonne, es gab ja schließlich Bäume) und auch noch einen Platz für die Hängematte. Geplant war, dass wir zwei Nächte bleiben.
Am Abend machten wir einen kurzen Abstecher zum Fluss (dieser war jedoch etwas zu kalt zum schwimmen) und schwammen anschließend lieber eine Runde im Pool. Da die Pizza in sämtlichen Rezensionen zum Campingplatz erwähnt wurde, konnten wir uns diese selbstverständlich nicht entgehen lassen und probierten sie abends. Dabei war sie nicht nur wirklich lecker und kam direkt aus dem Steinofen, sondern auch riesig groß. Wir schafften beide nicht die komplette Pizza und nahmen die Reste mit für den nächsten Tag.
Den Abend saßen wir noch etwas draußen oder lagen in der Hängematte, glücklich mit unserem neuen Platz, bevor es zeit fürs Bett wurde. Dabei auch auf der Flucht vor Mücken, die mich leider zu ihrem Lieblingsopfer gekürt haben und Jan überwiegend in Ruhe lassen. Umso besser ist das Mückennetz, was wir über das Bett gespannt haben.