Abreisetag. Wir hatten bereits am Abend zuvor nachgesehen, wie lange wir bis zum Hafen brauchten. Eine knappe Stunde fahrt. Die Fähre sollte planmäßig um 14 Uhr ablegen, 2 Stunden vorher soll man dort sein. Bedeutet Abfahrt um 10:45 Uhr um noch etwas zeitlichen Puffer zu haben. Da die Strecke ziemlich geradeaus über große Straßen verlief erwarteten wir keine Verzögerung durch enge Kurven. Somit ließen wir uns beim Frühstück zeit (auch, weil wir frühzeitig aufgestanden waren) und fingen anschließen an, unsere Sachen einzupacken. Als wir gegen 10 Uhr noch einmal das Navi checkten, erschraken wir, da es nun plötzlich 1,5 Stunden bis zum Hafen dauern sollte und wir noch nicht alles eingepackt hatten. Wir beeilten uns und verließen gegen 10:40 Uhr den Campingplatz. Es lief allerdings so wie meistens, wenn man es eilig hat. Ein langsames Auto nach dem anderen vor uns. Zusätzlich ein Navi, was etwas verrückt spielt. Je näher wir Bastia kamen, desto größer wurde die Straße. An Kreuzungen (mit Kreisverkehr natürlich) gab es immer einen Tunnel für die Spur, die geradeaus führte. Am ersten Kreisverkehr leitete uns das Navi explizit auf die rechte Spur, in den Kreisverkehr und genau auf dieser war Stau, während die Spur durch die Unterführung lief. Am nächsten Kreisverkehr führte uns das Navi nun durch die Unterführung. Ihr könnt euch vermutlich denken, auf welcher Spur Stau war und auf welcher es halbwegs lief. Jan wollte aber lieber den Ansagen des Navis folgen, bevor wir nachher aus Versehen irgendwo anders landen und somit noch mehr Zeit verlieren würden. Nach einiger Zeit hatten wir den Großteil des Staus zum Glück hinter uns gelassen und es ging über ein sehr kurzes Stück Autobahn in die Stadt. Den Hafen erreichten wir dann mit nur zehn Minuten Verspätung. Dies interessierte dort jedoch niemanden und wir waren auch bei weitem nicht die letzten.
Die Tickets für die Fähre werden nach Autogröße berechnet. Wir hatten diese bereits im Vorhinein gekauft und uns etwas geärgert. Autos bis 5m Länge konnte einen günstigen Tarif buchen. Der Bulli hatte leider eine Länge von 5,10 m… Nachdem wir zunächst überlegt hatten es zu riskieren, da bestimmt niemand die 10 cm Länge sehen würde, verwarfen wir die Idee, da wir im Internet lasen, dass es doch immer wieder vorkommt, dass nachgemessen wird und man dann den Tageshöchstpreis für die Fähre zahlen muss, wenn man denn dann überhaupt mitgenommen wird.
So hatten wir bereits in Genua auf der Hinfahrt gespannt darauf gewartet, dass die Autos kontrolliert oder gemessen werden würden. Aber nix! Da dachten wir schon, wir hätten den doppelten Preis umsonst gezahlt. In Bastia wurde uns nun aber deutlich gemacht, dass es keineswegs so war. Dort standen sie mit Höhenmaß und Messrad um die genaue Größe der Fahrzeuge zu ermitteln. Wir wurden direkt durchgewunken, während andere weniger Glück hatten. Uns fiel ein Auto aus Österreich auf, die bereits mit den Leuten vom Hafen diskutierten. Da wir weiter fahren und uns in der Schlange anstellen konnten vergaßen wir sie vorerst wieder.
Da bereits mittag war und die Sonne schien, hielten wir es im Auto nicht all zu lange aus und liefen lieber bis an das vordere Ende der Autoschlange wo die eben angekommene Fähre ausgeladen wurde. Aber auch hier machte sich der Bulli mit der umklappbaren Rückbank wieder bezahlt. Mit geöffnete Fenstern war es dort erträglich und wir konnten entspannt die Beine hochlegen. Gegen 13 Uhr ging es dann endlich los und die Autoschlange setzte sich langsam in Bewegung. Als wir vorne ankamen wurden wir zunächst aussortiert, da als erstes kleine Autos im Schiff auf einem höheren (flachen) Deck verladen wurden. So kam es, dass wir wieder hinter dem Auto aus Österreich landeten. Wir beobachteten, wie sie zunächst erneut mit dem Hafenpersonal diskutierten und dann begannen ihr Dachzelt lose zu schrauben. Da dieses sehr groß war boten wir spontan Hilfe an, es von ihrem Autodach herunter zu holen. Sie nahmen die Hilfe dankbar an und wir gingen anschließend zurück in unser Auto. Allerdings sahen wir, dass die beiden etwas ratlos überlegten, wie sie denn nun das Dachzelt ins Schiff bekommen sollten. Das Hafenpersonal begann nun auch allmählich unsere Schlange ins Schiff zu lassen. Das setzte die beiden natürlich zusätzlich unter Druck. Kurz entschlossen boten wir erneut unsere Hilfe an und wollten das Dachzelt in den Bulli laden. Allerdings hatten wir uns dabei etwas verschätzt, da es nicht ganz hinein passte. Ein kleines Stück schaute aus der Seitentüre raus, sodass sich diese nicht schließen lies. Da das Hafenpersonal nun anfing direkt bei uns stress zu machen, dass wir endlich fahren sollten, stieg das Mädel aus Österreich hinten bei uns ein um die Tür und das Dachzelt festzuhalten und wir fuhren mit offener Tür auf das Schiff. Zum Glück hatten wir es nicht weit, da wir auf dem unteren Deck direkt an der rechten Bordwand einen Stellplatz zugewiesen bekamen. Dort kletterten wir alle aus dem Auto und stellten uns zunächst mal vor. Sie war Lizzi aus Österreich und ihr Freund (der noch irgendwo anders bei seinem Auto war) hieß Lukas. Wir machten uns auf die Suche nach ihm und begegneten ihm auf dem Weg zum Außendeck. Gemeinsam suchten wir einen Platz draußen und machten es uns bequem. Die beiden waren für eine Woche auf Korsika mit dem Dachzelt unterwegs. Sie sind in einem ähnlichen Alter wie wir, Lizzi studiert Grundschullehramt und Lukas hat vor seinem Job bei der Feuerwehr ebenfalls Maschinenbau studiert. Somit hatten wir einige Gemeinsamkeiten und konnten uns während der 4 stündigen Überfahrt gut unterhalten. Sie waren sehr dankbar über unsere Hilfe und spendierten uns ein kühles Getränk. Sie erzählten, dass sie bei der Buchung schlichtweg übersehen und vergessen hätten, dass das Dachzelt das Auto noch einmal höher macht. Auf der hinfahrt wurden sie in Livorno am Hafen jedoch einfach so durchgewunken und ihnen wurde gesagt, dass sie auch auf der Rückfahrt keine Probleme haben sollten. Darüber schimpften die französischen Hafenmitarbeiter jedoch nur. Die italienischen Kollegen werden ihren Job einfach nicht gründlich machen. Mit unserer Hilfe war es nun zum Glück auch auf der Rückfahrt gut gegangen.
Als wir in Livorno im Hafen einliefen fing die Sonne bereits an unterzugehen. Wir hatten vereinbart, dass Lizzi wieder bei uns mitfahren würden und wir an einer freien Stellen im Hafen halten um das Zelt wieder auszuladen und auf ihr Auto zu montieren. Da wir als einer der ersten in der Fähre standen konnten wir auch frühzeitig raus fahren, mussten jedoch noch einige Zeit auf Lukas, der auf dem oberen Deck gelandet war, warten. Diese Zeit nutzten wir, um das Dachzelt bereits auszuladen und alle Sachen die vorhin hastig auf Seite geräumt wurden, im Bulli wieder an Ort und Stelle zu räumen. Die italienische Mücken freuten sich ebenfalls uns auf dem Festland begrüßen zu dürfen und stachen uns drei mehrfach innerhalb weniger Minuten. Als Lukas bei uns ankam war die Sonne soeben untergegangen. Wir halfen das Zelt wieder auf das Auto zu heben und verabschiedeten uns. Natürlich nicht ohne zuvor zumindest Kontaktdaten auszutauschen.
Uns erwartete von dort noch eine mehrstündige Fahrt bis zum Gardasee. Da die Spritpreise auf der Insel sehr hoch sind mussten wir nun dringend auf dem Festland tanken. Somit führte uns unser Weg zunächst zu einer Tankstelle bevor es dann endlich auf die Autobahn ging. Die Müdigkeit hielt sich zum Glück bei uns weitestgehend in Grenzen, auch wenn ich auf den letzten Metern doch sehr zu kämpfen hatte. Als das Navi eine letzt Abbiegung ansagte und nur noch 1km Strecke dachten wir, wir hätten es endlich geschafft. Allerdings stand an entsprechender Straße ein Schild, was uns darauf hinwies, dass diese Straße nur für Fahrzeuge bis 2,20m Bereite gebaut war. Eine kurze Überschlagsrechnung ergab:
Auto ohne Spiegel: 1,85m
Spiegel jeweils ca.: 0,15m
Gesamtbreite: 2,15m
Sollte also passen, könnte aber ganz schön eng werden. Und genau das war es auch. Es ging durch eine schmale durchfahrt zwischen zwei Autos, über eine alte Brücke und dann noch durch die Weinberge, wobei es auf jeder Seite des Autos eine Betonmauer gab. Ohne Kratzer im Auto erreichten wir endlich die Unterkunft. Dort erwartete uns jedoch die nächste Herausforderung. Das alte Steintor, was die Zufahrt markierte war extrem schmal, sodass ich ausstieg und kontrollierte, dass es auf beiden Seiten tatsächlich passte. Als wir dann tatsächlich am Parkplatz ankam war es bereits kurz nach Mitternacht. Für die letzten Tage Urlaub hatten wir entschieden, dass wir lieber ein richtiges Bett haben wollten und deshalb ein Zimmer im Agriturismo Maso Lizzone gebucht. Der Vater der Eigentümerin hatte extra auf uns gewartet und zeigte uns nun unser Zimmer. So schön der Bulli auch war, so sehr freuten wir uns nun aber auch über ein eigenes Badezimmer und ein richtiges Bett. Völlig erledigt vom langen Tag fielen wir ins Bett, mit der freudigen Erwartung auf ein fertig vorbereitete Frühstück am nächsten Tag. Und natürlich auf die Berge in denen wir uns befanden.
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