Leicht lädiert von den Stadtwanderungen der vergangenen Tagen standen wir heute morgen mit schmerzenden Beinen auf. Da der Tag zu dem Zeitpunkt bereits fortgeschritten war entschieden wir uns dazu bereits die nächsten Sehenswürdigkeiten für Wien heraus zu suchen und den Tag dann mit einem Mittagessen zu beginnen.

Bei uns in der Nähe gab es das Restaurant “U Vodoucha“. Diese bietet vor allem traditionelle tschechische Küche und selbstgemacht Limonaden. Eine deutsche oder englische Karte gab es dort jedoch nicht. Die Kellnerin machte sich jedoch die Mühe uns zumindest im Schnelldurchlauf alle Angebote (etwa eine DIN A4 Seite) zu übersetzen. Das zu behalten war jedoch unmöglich 😄 in weiser Voraussicht hatten wir den google Bild Übersetzer schon zu Beginn unserer Reise heruntergeladen und genau dieser leistete jetzt gute Dienste. So entschied sich Lukas für Roastbeef mit Böhmischen Knödeln (auch bekannt als Serviertenknödel, werden hier zu den meisten Gerichten serviert) und Steak Soße und ich hatte zwei Scheiben Rinderbraten mit Spinat und Böhmischen Knödeln. Dazu bekam jeder von uns eine selbstgemachte Limonade (0,5L) , einmal Himbeer und einmal Orange. Für das gesamte Mittagessen mussten wir jedoch nur 12€ bezahlen. Ein wahres Schnäppchen! Auch dazugesagtes Umfeld im Restaurant ist, so wie das Essen auch, ehr rustikal aber ein Besuch in jedem Falle wert!


Gestärkt ging es bei schönstem Wetter weiter Richtung neuem jüdischen Friedhof. Dort liegt neben Opfern des Holocaust auch Franz Kafka begraben. Wie man merkt lässt der einen in Prag nicht los. Jedoch war es nicht so ganz einfach bis auf den jüdischen Friedhof zu kommen da in unserer Karte keinerlei Eingang eingezeichnet war. Der kürzeste Weg um bis überhaupt an den jüdischen Friedhof zu kommen führte uns zuvor jedoch über einen weitaus größeren Friedhof. Der Olšany Friedhof ist der größte in Prag und hat 2 Millionen Gräber. Dies ist besonders durch die Dichte der Gräber auffällig. Hier gibt es nicht einzelne Reihen wie in Deutschland sondern es liegen durchaus auch drei bis vier Leute direkt hintereinander. Dazwischen befindensichlediglich ganz schmale Trampelpfade. Auch sind die Gräber nicht so ordentlich gepflegt wie bei uns. Die meisten haben eine große Steinplatte die das jeweilige Grab verschließt. Darüber wachsen meist diverse Sträucher. Jedoch hat jedes Grab eine Art Säule auf der steht wer dort begraben liegt. Das was uns ebenfalls aufgefallen ist, war dass es unterschiedliche Preiskategorien gibt. Es gibt riesiger Gräber mit Zäunen und noch größeren Gedenktafeln über normale Gräber wie oben beschrieben bis zu einer Art Schließfach für die Urne. Leider geben unsere Fotos dort nur einen kleinen Eindruck. Gerade deshalb lohnt sich dort ein Besuch.

Um den jüdischen Friedhof zu erreichen mussten wir eine Straße überqueren (diese teilt im übrigen den Olšany Friedhof). Ein Stück die Straße herauf und um eine Ecke fanden wir das kleine Tor was der Zugang zum jüdischen Friedhof war. Das besondere ist, dass es sich dabei um den neuen jüdischen Friedhof handelt der mit etwa 100.000 m² deutlich größerist als der alte und 1890 das Platzprobleme lösen sollte. Auch dort sahen die Gräber ähnlich verwuchert aus wie auf dem anderen Friedhof. Zum Glück war das Grab von Kafka ausgeschildert, sodass wir nicht lange suchen mussten. Auf dem Weg dorthin fiel uns beim lesen einiger Grabsteine auf, dass diese auf deutsch beschrieben sind. Diese stammen noch aus der Zeit vor der deutschen Okkupation 1938. Das Grab vier Familie Kafka ist eins der wenig gepflegten. Es ist mit weißem Kies bestreut und es liegen Blumen darauf. Ansonsten gab es dort aber nicht besonderes zu sehen. Für Kafka Fans bestimmt ein Abstecher wert für uns war aber der Olšany Friedhof deutlich beeindruckender.

Als Abschluss für Prag hatten wir uns überlegt die Prager Hochburg (Wyschehrad) zu besichtigen. Wir hatten im Vorfeld gelesen dass diese nicht sehr stark besucht ist von Touristen da sie nicht direkt an der Stadt liegt. Die 5 km weg bis dorthin liefen wir diesmal jedoch nicht sondern nahmen ganz komfortabel die Bahn. Von der Bahnstation aus erwartete uns dann nur noch der Aufstieg über einige Treppen bevor wir den Ausblick über eine andere Ecke von Prag Genießen konnten. Dort oben befindet sich außerdem die St.-Peter-und-Paul-Kirche sowie der Vyšehrader Friedhof (ja mal wieder einer :D) auf dem zahlreiche Künstler, Wissenschafter und Politiker bestattet sind. Über einen außen herumführenden Rundweg hatten wir in der abendlichen Sonne erneut einen herrlichen Ausblick über Prag bevor uns 3 km Rückweg den Berg hinauf in die Unterkunft führten.

 

Nun sind bereits die Taschen gepackt und morgen früh heißt es dann auf Wiedersehen Prag und Hallo Wien. Die Zugfahrt ist mit 4,5 Stunden vergleichsweise kurz und wir freuen uns bereits drauf, auch wenn Prag sehr schön war, endlich wieder von der Sprache etwas verstehen zu können (denn tschechisch ist dann doch ganz anders als deutsch oder niederländisch oder englisch…).