Eine neue Reise stand an und damit tatsächlich (schon wieder) ein neuer Kontinent: Südamerika. Bisher habe ich es nur mehrfach nach Mexiko geschafft, was allerdings noch zu Nord- bzw. Mittelamerika gehört. Dieses Jahr geht es nach Chile, mit einem kleinen Abstecher nach Argentinien (und einem Zwischenstopp in Kanada auf dem Weg zurück). Die Planung für die Reise begann, wenn man es ganz genau nimmt, schon spätestens 2020. Damals hatte Jan gemeinsam mit einem Kommilitonen den Plan nach der Bachelorarbeit für einige Zeit nach Chile bzw. Südamerika zu gehen. Dafür saßen die beiden sogar zusammen mit Caro und mir im Spanischkurs. Allerdings ja ohne am Ende leider Corona in die Quere und die Reise war nicht möglich. Jetzt endlich aber klappt alles und wir erkunden das Land zu zweit.
So schnell war der Tag der Abreise dann auch plötzlich da. Bereits Sonntag haben wir angefangen Koffer zu packen. Oder zumindest war das der Plan. Viel weiter als unsere Kleidung heraus zu suchen sind wir nicht gekommen. Alles natürlich unter der strengen Aufsicht von Kater Mau, den offensichtlich bereits der Gedanke an Urlaub und eine Sonnenbrille entspannt. Die herausgesuchten Sachen wurden abends in zwei Wäschekörbe verstaut um sie dann am nächsten Tag zu packen. Aber wie das oft ist, fehlte dann die Zeit weil noch hundert andere Dinge wichtiger sind und bevor man sich versieht ist plötzlich der Tag der Abreise und der Koffer noch immer nicht gepackt. Immerhin Findus wurde rechtzeitig in sein Feriendomizil zu Ninjas Eltern gebracht, wo bereits sehnsüchtig auf ihm gewartet wurde.
Heute war dann also Abreisetag. Jan hatte bereits Urlaub, Ninja musste noch arbeiten. Die Zeit brauchte sie auch, um alles was liegen geblieben war noch zu erledigen. Trotzdem war ein etwas früherer Feierabend nötig um noch alles packen und aufräumen zu können. Drei Stunden vor Abfahrt zum Flughafen mit dem Packen zu beginnen liegt dabei definitiv außerhalb von Ninjas Komfortzone… Aber es klappte alles, in den Koffern war sogar noch Platz und auch die Wohnung ist halbwegs ordentlich und sauber.
So ging es mit nur zwanzig Minuten Verspätung Richtung Mettmann zu Jan’s Mama, die unser Auto vom Flughafen mit zu sich nimmt. Glücklicherweise checkte Jan vor Abfahrt noch das Navi. Eine von zwei Routen führt über eine Autobahn auf der mittags ein größerer Unfall war, die zum Zeitpunkt unserer Abfahrt noch 1,5 weitere Stunden hätte gesperrt sein sollen. Das hätte gedauert. Natürlich waren auch die Ausweichstrecken überlastete, aber so, dass wir nicht all zu spät in Mettmann ankamen. Von dort sind es dann nur noch 15 Minuten bis zum Flughafen nach Düsseldorf. Dort kamen wir knappe zwei Stunden vor Abflug an. Wir verabschiedeten uns kurz und machten uns auf den Weg zur Gepäckabgabe.
Da für heute nur der kurze Flug nach Madrid in einer sehr kleinen Maschine anstand, war an der Gepäckabgabe nichts los. Koffer also abgegeben und was zu essen gesucht. Gut dass Jan regelmäßig von der Arbeit zum Mittagessen im Terminal ist und weiß wo es was gutes gibt. Allerdings teilten wir uns nur eine Kleinigkeit, da der Hunger nicht so groß war.
Anschließend durch die Sicherheitskontrolle. Dort hatten wir eine Frau vor uns, die mit ihrer Katze reiste. Auch die Katze musste dabei aus ihrem Körbchen raus und durch die Kontrolle. Danach hatten wir trotzdem immer noch so viel Zeit, dass wir in den Gang zwischen Terminal B und C wanderten, da man von dort gut Flugzeuge gucken kann. Wir kamen genau im richtigen Moment, als gerade ein großer A380 von Emirates zum Terminal rollte. So langsam wurde e dann Zeit fürs Boarding. Also zurück zum Gate, wo das Boarding bereits begonnen hatte. Da der Flieger aber wohl niemanden zurück lässt und man auch als erster im Flugzeug keinen besser Platz bekommt setzten wir uns und warteten bis die Schlange etwas kürzer war. Anschließend ging es in den Bus, wo wir noch auf die aller letzten Leute warteten und anschließend zum Flugzeug. Kurz darauf hieß es auf Wiedersehen Deutschland, mit einer extra Schleife über Düsseldorf und auf nach Madrid.
In Madrid landeten wir sehr pünktlich und uns erwartete nun noch die letzte Aufgabe des Tages: das Shuttle zum Hotel am Flughafen zu finden. Die Beschreibung die wir vorab erhalten hatten war ehe notdürftig und auch auf Nachfragen wurde nicht reagiert. Es gibt auch theoretisch einen Fahrplan. Praktisch wird jedoch darauf hingewiesen dass die Fahrzeuge nach Verfügbarkeit und Zeit fahren. Wir folgten jedoch trotzdem den Anweisungen die irgendwie versuchten zu erklären wo wir hin mussten. Die einfachere Erklärung wäre wohl gewesen einfach den Schildern Richtung Hotel Busse zu folgen… die einzigen waren wir dort auf jeden Fall nicht. Es hielt jedoch auch nicht nur ein Bus für unser Hotel dort sondern gefühlt für jedes Hotel in einem Umkreis von 20km. Unser Bus war dabei jedoch mit der letzte. Und zusätzlich nicht sehr groß. Es passten so gerade alle Leute rein und nach nur fünf Minuten Fahrt war wir am Hotel (was zusätzlich direkt am Trainingsgelände von Real Madrid liegt). Da jetzt alle gleichzeitig einchecken wollten bildete sich schnell eine Schlange und hielt sich auch hartnäckig, was wohl an der Geschwindigkeit der Rezeption lag… so hatten wir aber die Möglichkeit uns mit einem Paar hinter uns in der Schlange zu sprechen. Die beiden waren auf dem Weg nach Kolumbien um Weihnachten mit ihrer Familie zu feiern. Weihnachten dort wird wohl als große Party auf den Straßen gefeiert und ist sehr anders als bei uns.
Als wir um 23 Uhr endlich einchecken konnten, hatte das Hotelrestaurant leider schon geschlossen und auch im Umkreis gab es nichts. Ein Glück hatten wir von Jans Mama Weihnachtsplätzchen bekommen, die ein gutes alternatives Abendessen waren.
Der nächste Morgen startete früh mit dem Frühstück um 7:15 Uhr. Anschließend packten wir unsere drei Dinge wieder zusammen und waren um 8:10 Uhr wieder unten für das Shuttle um 8:15 Uhr zum Flughafen. Dabei erwartete uns, zu unserer Überraschung, eine ziemlich Schlange. Uns wurde gesagt, dass im Bus nur noch ein Platz frei wäre. also kurz hin und her überlegt. Der Plan war dann, dass Ninja mit beiden Koffern und Reisepässen vor fährt um das Gepäck einzuchecken und Jan mit einem öffentlichen Bus nach kommt (das nächste Shuttle fuhr erst 45 Minuten später). Es ergab sich jedoch spontan die Möglichkeit, dass zwei Jungs ein Uber zum Flughafen hatten und Jan dort mitfahren durfte. So war er bereits auf dem Weg zum Flughafen (ohne Gepäck) als sich herausstellte, dass sich in der Schlange jemand vorgedrängelt hatte und nun doch ein Platz zu wenig im Bus frei war. Damit ließen sie Ninja mit den beiden Koffern einfach dort stehen. Nach kurzer Überlegung blieb dann keine Alternative als ein eigenen Uber zu rufen. Ninja fragte vor Ort noch herum ob sonst noch jemand ein Fahrzeug brauchte und fand zufällig eine Frau die zum gleichen Terminal wollte. Sie kommt aus Deutschland, wohnt auf Mallorca und flog für eine Kreuzfahrt nach Orlando.
Am Flughafen angekommen wartete Jan bereits und wir konnten zum Check-In unsere Koffer abgeben. Anschließend durch die Sicherheitskontrolle und den Schildern zum Terminal folgen, die einen Spaziergang von 23 Minuten versprachen. Es ging Rolltreppen runter und hoch und Flure entlang, zu einer selbstfahrenden U-Bahn und Rolltreppen wieder hoch bis zur Passkontrolle. Anschließend waren wir bereits am Gate, wobei mein Spaziergang leider deutlich kürzer war als von den Schildern versprochen.
Bis zum Boarding sollte es nicht mehr lange dauern. Beim Anblick der Schlangen die sich jedoch bereits geformt hatten war uns klar, dass wir noch mehr Zeit hatten. Also die Zeit genutzt für einen Spaziergang und etwas Bewegung bevor es ins Flugzeug und dann halbwegs pünktlich Richtung Chile los ging.
Der gesamte Flug dauerte 13,5 Stunden, die jedoch komplett tagsüber geflogen wurden. Das machte den Flug für Ninja sehr viel angenehmer, da sie im Flugzeug nicht schlafen kann. So war Zeit zum Filme gucken, Spiele spielen, über Essen freuen (was etwas sehr wenig war…) und aus dem Fenster gucken. Besonders das letzte Stück bot einen spektakulären Ausblick, als wir über die Anden flogen. Trotz 12.000m Flughöhe kommt einem der Boden plötzlich sehr nah vor, wenn man die teilweise bis zu 8.000m hohen Berge überfliegt. Es sah wirklich unfassbar schön aus und kommt auf den Fotos nicht ansatzweise so rüber.
Um kurz nach 20 Uhr chilenischer Zeit landeten wir in Santiago de Chile. Jetzt nur durch die Einreise und einen neuen Stempel für den Pass sammeln. Die Beamtin an der Einreise war jedoch interessierter an ihrem Handy und den WhatsApp Nachrichten als an uns und erledigte die Einreise mehr nebenbei ohne ein Wort mit uns zu reden. Anschließend wurden wir und unsere Rucksäcke noch von einem Hund abgeschnüffelt damit wir auch bloß keine tierischen Lebensmittel mit ins Land bringen.
Unsere Koffer warteten schon auf dem Karussell. Wie auch gestern, kamen weiche Reisetaschen mit als erstes. Jetzt mussten wir nur noch aus dem Sicherheitsbereich raus. Das war jedoch schwieriger als erwartet. Gleichzeitig mit uns war eine riesige Gruppe Schüler und Schülerinnen angekommen und draußen warteten ganze Familien auf diese. Die Kinder blieben immer wieder stehen weil die Eltern Fotos machen wollten und auch den Ausgang versperrten Eltern die ihr Kinder direkt dort in Empfang nehmen wollten. Es war laut und chaotisch. Irgendwann hatten wir uns durch gewuselt und unseren Fahrer gefunden. Der Luxus eines eigenen Fahrers zum Hotel war in unserer Hotelbuchung involviert, was das Ankommen deutlich entspannter machte. Franck, so hieß der gute Mann, war sehr quirlig und quatsche direkt auch spenglisch auf uns ein. Er kommt eigentlich aus Venezuela, aufgrund der politischen Lage lebt er aber in Chile. Was mir dabei sofort wieder auffiel war die Verhaltensweise die ich aus Mexiko schon kenne und nicht so richtig schätzen kann. Gerade als Frau wird einem alles abgenommen, man soll nichts selbst tun und auch Türen aufhalten ist Aufgabe der Männer. Zusätzlich gibt es Komplimente im Überfluss, die teilweise auch nicht so sehr angenehm sind. Da gilt es dann die Balance zu finden zwischen nicht alles gefallen lassen und trotzdem höflich bleiben.
Franck führte uns zu seinem sehr kleinen Auto und fuhr uns zur in der Buchung angegebenen Adresse. Kurz vor dem Ziel kam uns das Viertel schon sehr zwielichtig vor. An der Adresse angekommen war kein Hotel zu sehen. Wir checkten mit seiner Hilfe erneut wo das Hotel war und es stellte sich raus, dass wir 15 Minuten entfernt in einem anderen Stadtviertel waren. Auch er war offensichtlich davon beruhigt, dass wir nicht in diesem seltsamen Viertel übernachteten und fuhr uns zum Hotel. Während der Fahrt unterhielten wir uns über unterschiedliche Dinge. Er in einem Mix aus Spanisch und Englisch und wir auf Englisch mit einzelnen Stücken Spanisch. Er erzählte uns, dass er seit sieben Jahren in Chile ist. Seine Frau und sein Kind leben jedoch in Venezuela und er ist seit sieben Jahren nicht dort gewesen, da er nicht mehr einreisen kann. Ziemlich traurig. Immerhin leben sein Bruder mit Familie und seine Eltern ebenfalls in Chile.
Am Hotel angekommen checkten wir ein und fragten noch nach etwas zu essen. Das Restaurant im Hotel wäre normalerweise noch geöffnet, jedoch an diesem Abend auf Grund einer Veranstaltung nicht. Um die Ecke gäbe es aber einige Restaurants. Wir fragten noch wie sicher die Gegend sei. Und wurde gesagt, dass man sich abends in dem Häuserblock des Hotels gut bewegen kann, diesen jedoch auch nicht verlassen sollte. Im Zimmer angekommen waren wir beide jedoch dann so platt und erschöpft, dass wir beschlossen erneut Kekse als Abendessen gelten zu lassen und uns lieber aufs Frühstück zu freuen.