Norwegen ist sehr Vielseitig und hat ganz unterschiedliche Facetten. Nach einer Nacht am See, in einer kleinen Unterkunft über eine Garage, mit wunderbarem Ausblick, ging es am nächsten Tag weiter in die Berge. Dabei begann die Fahrt ohne dass wir viel sehen konnten. Der Nebel hing tief in den Tälern durch die wir kamen und selbst an der Fähre konnten wir noch nicht ausmachen ob sich diese tatsächlich bewegt oder steht. Genau rechtzeitig zum ersten Stopp klarte es dann aber plötzlich auf.

Zunächst fuhren wir nach Åndalsnes. Ein Bild an der Straße lockte uns in dieses unscheinbare Dorf. Darauf abgebildet war ein abstrakt aussehendes Gebäude. Wir vermuteten zunächst eine moderne Kirche, dann die Talstation der Gondel. Es stellte sich heraus, dass es das Bergsteigerzentrum der Region ist und Norwegens höchste Kletterwand beherbergte. Åndalsnes ist der Hauptort der Gemeinde Rauma. Die Stadt liegt am Isfjord, einem Seitenarm des Romsdalsfjords, und hat etwas mehr als 2.300 Einwohner. Obwohl die Stadt selbst nicht viele Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, ist sie ein beliebter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung. Hier gibt es die Raumabahn, den Trollstigen, die historische Stabkirche Rødven und den Gebirgskamm Romsdalseggen. Dank der vielen beeindruckenden Klippen und Felswände sowie einiger der anspruchsvollsten Kletterrouten der Welt trägt Åndalsnes auch den inoffiziellen Titel Norwegens Kletterhauptstadt. Nachdem wir uns in Ruhe ein Bild vom Ortsteil am Flussufer gemacht haben sind weiter in die Berge zu den Trollen gefahren.

Norwegen Fans werden jetzt bereits wissen, dass wir an diesem Tag den bekannten Pass Trollstigen hoch gefahren sind. Mit insgesamt 11 Haarnadelkurven, von denen jede einen eigenen Namen hat, windet sich die Straße den steilen Berg hinauf. Begrüßt wurden wir am Fuß des Berges von den ersten Trollen. In Norwegen sieht man Trolle überall: in Souvenirläden, vor Geschäften und Restaurants, an Bushaltestellen und an vielen Aussichtspunkten. Fast überall kann man sie als kleine Figuren, Schilder oder Holzschnitzereien kaufen. Doch wer oder was sind Trolle?

Ein Troll ist ein Kobold, ein Ungeheuer, ein Fabelwesen aus der nordischen Mythologie, und man findet sie überall in Skandinavien. Vor langer Zeit, als es noch keine Menschen gab, herrschten Trolle zusammen mit Elfen und Zwergen im hohen Norden. Trolle sind im Allgemeinen gutmütige Wesen – man sollte sie aber nicht zu sehr ärgern, denn sie können leicht sehr wütend werden und dann ziemlich gewalttätig sein.

Trolle leben hauptsächlich in Wäldern (“Waldtrolle”) und in den Bergen (“Bergtrolle”), aber man sieht sie auch in Gebirgsgegenden, an Seen, am Meer und selten in bewohnten Gegenden. Ihr Aussehen ist sehr unterschiedlich, sie können groß wie Berge sein oder klein wie Zwerge. Oft sehen Trolle den Menschen sehr ähnlich: Sie sind behaarte Wesen mit großen Händen, meist großen Nasen und scharfen Zähnen. Manche Trolle haben nur ein großes Auge, andere haben mehrere Köpfe. Auf ihren Köpfen wachsen oft Bäume und Gräser. Die meisten Trolle haben einen Schwanz mit einem Haarbüschel am Ende. Sie haben nur vier Finger an jeder Hand und nur vier Zehen an jedem Fuß.

Trolle sind normalerweise sehr scheu und nur in der Dämmerung und nachts aktiv. Wenn sie es nicht schaffen, vor Sonnenaufgang in ihren Bergen zu verschwinden, zerbrechen sie oder werden zu Stein. Die oft geheimnisvolle norwegische Landschaft mit ihren mächtigen Felsen wurde also zu einem großen Teil von Trollen geschaffen, die es nicht rechtzeitig in ihre Höhlen schafften…

Der Trollstigen, die Leiter der Trolle, kommt daher nicht ohne die ein oder andere Trollfigur aus. Für die insgesamt 18km lange Strecke ließen wir uns viel Zeit und hielten regelmäßig an um Fotos zu machen.

Oben auf der Passhöhe gibt es einen großen Parkplatz, auf dem einige Reisebusse standen. Von dort kann man zu Fuß zu zwei Panoramaplattformen laufen, die einen tollen Blick über das Tal und die gesamte Straße bieten, während unter einem ein gigantischer Wasserfall in die Tiefe geht.

Wer wie wir noch Lust auf eine kleine Wanderung hat, kann auf der Mitte des Weges zur Aussichtsplattform einer Steintreppe rechts hoch folgen. Von dort führt ein Trampelpfad immer am Berg entlang. Außer uns hatte zu dieser Zeit offensichtlich niemand Lust die Strecke zu laufen, weshalb wir ganz alleine unterwegs waren. Am Rand des Weges fanden wir zusätzlich noch einige Blaubeeren für einen Snack.

Zurück am Auto fuhren wir noch einige Zeit über das Hochplateau.

Das schöne an der Panoramastraße ist, dass man auch auf Sehenswürdigkeiten hingewiesen wird, von denen man zuvor noch nie gehört hat. So hielten wir an Gaudbrandsjuvet, einer 25m tiefen Schlucht des Valldøla Flusses. Dort gibt es viele kleine Brücken die einen direkt über die Schlucht führen.

Von dort führte uns die Straße abwärts zum nächsten Fjord und der nächsten Fähre. Auch auf dieser Strecke hatten wir das Glück einen Reisebus vor uns zu haben, der vor jeder Kurve stark abbremsten. Überholen nicht möglich. Umso größer war die Freude als wir hinter der Fähre nicht weiter der Panoramastraße (und dem Bus) folgten, sondern zu unseren nächsten, ganz besonderen, Unterkunft abbogen.

Entlang des Fjords, durch ein kleines Dorf und dann eine Schotterstraße hinauf, befanden wir uns mitten im riesigen Nationalpark in der Norddale Kommune. Dabei handelt es sich um ein winziges Dorf, fern ab der Zivilisation, ohne Strom und fließendes Wasser. Dort gibt es viele kleine Hütchen, alle mit einem Gras bewachsenen Dach. Unsere Unterkunft hatte zudem eine Eingangstür die gerade einmal 1,20 m hoch war. Drinnen war es urig eingerichtet und nachdem der Ofen angefeuert war wurde es auch langsam warm. Badezimmer gab es natürlich nicht, dafür ein Plusklo am anderen Ende des Dorfs. Wir waren, abgesehen von den dort frei herumlaufenden Schafen, komplett alleine. Bei unserer Ankunft schien die Sonne noch und beleuchtete die umliegenden Berggipfel. Da wir am Vortrag genug für zwei Tage gekocht hatten, wärmten wir das Essen auf und setzten uns nach draußen, während die Sonne unterging. Da es dort oben nicht besonders warm war, entschieden wir ein Feuer anzuzünden und auf einen vielversprechenden Sternenhimmel zu warten. Komplett ohne Licht ließ sich mit bloßem Auge sogar die Milchstraße gut erkennen.

Als wir gegen 23 Uhr ins Bett krochen waren wir froh über warme Kleidung und dicke Decken, sodass wir auch die gesamte Nacht nicht frohren.

Gerade die Einfachheit der Hütte, ohne Internet und Strom, machte diese Übernachtung zu einem besonderen Erlebnis, geprägt von der Schönheit Norwegens. Wer auch mal so übernachten möchte, findet unsere Unterkunft hier.