Ein neuer Tag, ein neues Land. Patagonien ist nicht auf Chile begrenzt, sondern streckt sich bis nach Argentinien. Weil es auch dort wirklich schöne Ecken gibt, wollten wir einige Tage dort verbringen. Jetzt ist das mit den Grenzen dort nicht ganz so einfach wie bei uns. Man fährt nicht einfach drüber und gut ist. Stattdessen muss man durch Passkontrollen und weitere Unannehmlichkeiten. Aber von vorne.
Unser Tag begann mit dem kalt, da über nach das Feuer in unserem Ofen wieder ausgegangen war. Mit neuem Feuer kam auch langsam die Wärme zurück. Anschließend das Auto packen und los. So der Plan. Als das Auto jedoch unmittelbar nach dem starten eine Warnung anzeigte, dass der vordere linke Reifen Luft verloren hätten. Also Auto wieder aus, raus und gucken. So richtig platt sah der Reifen nicht aus. Aber auch nicht als hätte er super viel Luft. Die Eigentümerin des Hostels, zu dem auch das Tinyhouse gehörte, bekam wohl mit, dass etwas nicht stimmte und kam gucken. Als sie unser Problem verstand telefonierte sie kurz herum und schickte uns anschließend eine Straße weiter zu einer Werkstatt. Dort könnte man den Reifen aufpumpen. Wir bedankten uns und fuhren in die angegebene Richtung. Eine Werkstatt sahen wir jedoch nicht. Wir wendeten und fuhren langsam die Straße erneut in die andere Richtung. Durch einen aufmerksamen Anwohner wurden wir zur richtigen Adresse gewunken. Ein normales Wohnhaus, mit der Ausnahme dass daneben zwei Autos vor einem Schuppen parkten. Es kam ein älterer Herr raus, der offensichtlich schon auf uns gewartet hatte. Er schaute sich den eigen an und pumpte diesen auf. Wir fragten ihn, ob dass alles wäre oder ob der Reifen evtl ein Loch hätte. Wir hatten den Reifen zuvor bereits selbst inspiziert und festgestellt, dass das Material definitiv spröde war und der Reifen schon ziemlich abgefahren. Auch der alte Herr schaute sich den Reifen an und fand zunächst nicht. Schließlich meinte er an einer Stelle doch, dass dort ein Loch sein könnte und er es flicken müsste. Wir sagten ihm, dass wir das zunächst mit der Autovermietung absprechen müssten. Als wir den Herr, der uns das Auto geliefert hatten anriefen, wusste er weder wer wir waren noch welches Auto wir hatten. Er hatte offensichtlich auch weder Lust noch Zeit sich um unser Problem zu kümmern und meinte immer nur, dass wir den Reifen halt wechseln müssten. Frustriert gab ich auf. Stattdessen fragten wir den alten Herr, was das flicken kosten würde. Er sagte knapp 10€, woraufhin wir ihn baten, die Reparatur vorzunehmen. Nach etwa zwanzig Minuten war der Reifen repariert (ob wirklich ein Loch darin war, erfuhren wir nicht), aufgepumpt und montiert. Er erklärte uns, dass er ihn mit Absicht nicht voll aufgepumpt hatte, da wir über Schotterstraßen fuhren und das so für den Reifen besser wäre. Wir bedankten uns und wollten nun endlich los. Allerdings zeigte das Auto noch immer einen deutlich zu niedrigen Luftdruck für den Reifen an. Wir überlegten was wir nun tun sollten. Bei den meisten Fahrzeugen müssen diese Sensoren einmal zurückgesetzt werden, nach dem erneuten befüllen. Einen solchen Knopf bot unser Chinaauto jedoch nicht. Auch das Internet war keine Hilfe. Wir überlegten deshalb so lange, da wir im falle einer Panne in Argentinien keine Unterstützung der Autovermietung hatten (hatten wir in Chile zwar offensichtlich auch nicht, aber trotzdem). Letztendlich entschieden wir dem alten Herrn zu vertrauen und machten uns auf den Weg zur Grenze.
Praktischerweise lag die Grenze direkt am Ort, sodass wir in weniger als zwei Minuten die Grenzkontrolle in Chile erreichten. Dort versperrt eine Schranke die Straße. Man muss das Auto abstellen und in die Kontrollstelle rein gehen. Dafür benötigt man, neben dem Reisepass, auch spezielle Unterlagen für das Fahrzeug, da man dieses für die Zeit des Aufenthalts im anderen Land, vorübergehend dort zulässt. Dafür brauchten wir auch die speziellen Papiere der Autovermietung, wegen derer wir am ersten Tag noch mal zur Autovermietung gefahren waren um diese ausgedruckt abzuholen. In der Kontrollstelle mussten wir nun als erstes zur Passkontrolle um dort offiziell aus Chile auszureisen. Danach geht es weiter zum Zoll. Dort werden die Unterlagen für das Fahrzeug geprüft und das erste Mal gestempelt. Da ein bisschen was los war, dauerte die gesamte Prozedur etwa eine halbe Stunde. Anschließend durften wir zurück zum Auto und durch die Schranke. Es ging zunächst etwa fünf Minuten über eine asphaltierte Straße, bevor diese in Schotter wechselte und uns ein offizielles Schild darauf hinwies, dass wir nun in Argentinien sei. Nach weiteren fünf Minuten kamen wir zur argentinischen Kontrolle. Dort erneut das Auto abstellen, rein gehen, Pässe vorzeigen und offiziell nach Argentinien einreisen. Anschließend zum Zoll um die Unterlagen für das Auto vorzulegen, diese stempeln zu lassen und damit das Auto vorübergehend in Argentinien zuzulassen. So die Theorie. In der Praxis reichte uns die Frau nach einem kurzen Moment die Unterlagen zurück und erklärte uns auf Spanisch, dass die Unterlagen ungültig sein. Nach vielen Fragezeichen in unseren Gesichtern erklärte sie uns dank Google Übersetzer, dass die Unterlagen falsch ausgestellt seien. Dort stände, dass der Mietvertrag für das Fahrzeug bereits am 16.12. abgelaufen sei (der Tag an dem wir das Auto überhaupt erst abgeholt hatten). Auch das vorzeigen des korrekten Mietvertrags half uns nicht weiter, weil zwingend genau dieses Dokument korrekt, ausgedruckt vorgelegt werden musste. Immerhin konnten sie uns wlan anbieten, damit wir die Autovermietung kontaktieren konnten. Die ersten Antworten von dieser kamen auch sehr zügig per WhatsApp. Allerdings nur, dass sie es prüfen würden. Nach über zehn Minuten wurden wir vom Tourguide einer Gruppe angesprochen, die gerade ebenfalls mit dem Bus dort gehalten hatten. Die Damen vom Zoll hätte ihn gebeten (weil er englisch kann) und zu fragen wie lange wir jetzt hier sitzen würden. Wir müssten so oder so zurück zur chilenischen Grenze um dort das Dokument vorzulegen. Wir fragten noch, ob sie es dort nicht für uns ausdrucken könnten, der Guide hatte aber offensichtlich keine Zeit und Lust uns zu helfen und ging. Mit dem Übersetzer konnten wir zumindest dann noch klären ob wir wieder aus Argentinien ausreisen müssten um zurück zur chilenischen Grenze fahren zu können. Mussten wir. Anschließend ging es zurück zur chilenischen Grenze.
Dort hatten wir das große Glück auf Eduardo zu treffen. Eduardo arbeitet beim chilenischen Zoll, spricht (wie alle Grenzbeamten in Chile (im Gegensatz zu Argentinien)) Englisch und war fröhlich mit Witz und hilfsbereit. Er schaute sich unsere Unterlagen an. In der Zwischenzeit hatte sich auch die Autovermietung bei uns gemeldet. Sie würden gerne mit jemandem von der Grenze sprechen, weil das Dokument wohl dort gerade in der Bearbeitung wäre und sie entsprechend keine Änderungen vornehmen könnten. Eduardo nahm sich dies an und kläre der Autovermietung deutlich was sie zu tun hatten und dass sie das fertige Dokument direkt per Mail an ihn schicken sollten, damit er es für uns drucken kann. Zu uns meinte er immer nur: das wird kosten. Wir waren uns nicht ganz sicher, wie ernst die Aussage gemeint war. Nachdem endlich eine geänderte Version vorlag und er diese drucken konnte, kam er erneut auf die Kosten zu sprechen. Sie haben dort ein Buch für Beschwerden und Lob. Dort sollten wir doch bitte (freiwillig) etwas rein schreiben. Diese Kosten bezahlten wir nur allzu gerne und schrieben ihm fast eine Seite (auf Wunsch) auf Deutsch an Lob und Dank für die schnelle und unkomplizierte Hilfe. Währenddessen kümmerte er sich weiter um die Autovermietung. Diese hatte in dem Dokument nur einen Teil von Ninjas zwei geteilten Nachnamen angegeben. Da wir keine Lust auf erneute Probleme an der Grenze hatten, hatten wir bereits die Autovermietung gebeten dies zu ändern. Diese meinte jedoch nur, dass es im System richtig wäre und nur auf dem Ausdruck so aussähe. Eduardo kümmerte sich und machte der Autovermietung klar, dass sie die Dokumente für ihre Kunden gefälligst vernünftig ausstellen sollten. Daraufhin änderte die Autovermietung es erneut.
Als wir endlich das neue, korrekte Dokument in den Händen hielten waren wir erleichtert und baten Eduardo zum Abschied noch um ein Foto. Er schien davon völlig überrascht aber sehr freudig zu sein. So bekamen wir ein Erinnerungsfoto mit ihm vor dem Gebäude der chilenische. Grenzkontrolle. Wir bedankten uns mehrfach ausdrücklich bei ihm und machten uns erneut auf den Weg zur argentinischen Grenze. Dort wurden alle Dokumente erneut ausführlich geprüft, wir reisten wieder ein und bekamen nun auch endlich den Stempel für unser Auto. Damit waren wir offiziell in Argentinien. Jegliche Kontrolle der Lebensmittel und anderen Güter die wir mitbrachten, die oft angekündigt waren, fanden überhaupt nicht statt. An der chilenischen Grenze konnten wir diese jedoch durchaus beobachten.
Damit waren wir endlich in Argentinien und konnten uns auf den Weg nach El Calafate machen. Abgesehen von einem Zwischenstopp in Esperanza zum tanken (erste Tankstelle seit Puerto Natales) und zur Stärkung mit drei Empanadas, ging es ohne große Umwege Richtung Ziel. Die Fahrt zog sich dabei ziemlich und die, wenn auch sehr beeindruckend, aber eintönige Landschaft sorgte nicht für so sehr viel Abwechslung. Es gibt unterwegs auch keine anderen Ort. Nur diese eine Straße. Als wir gegen Abend endlich unser Ziel erreichten waren wir beide müde.
Für die kommenden Tage hatten wir ein kleines Loft (mit richtiger Heizung und warmen Wasser) und Ausblick auf El Calafate. Direkt um die Ecke gab es einen Supermarkt, bei dem wir uns mit Wasser und Lebensmitteln für den Tag eindeckten. Anschließend gab es in einem Lokal direkt bei uns in der Straße Abendessen. Ein echter Glücksgriff. Der Laden hatte erst seit einer Woche wieder geöffnet. Davor war er seit Corona geschlossen. Die Bewertungen sprachen jedoch für sich. Da es schon relativ spät war, waren wir die einzigen Gäste. Wir wurden vom Chef selbst persönlich mit Handschlag und Vorstellung begrüßt. Das Lokal verfügt über eine offene Küche mit einem großen Kohlegrill und ist insbesondere für sein Fleisch bekannt. Wir bekamen Empfehlungen und er präsentierte uns die unterschiedlichen Fleischstücke. Während das Essen kochte unterhielten wir k s etwas mit ihm und er erzählte von sich. Das Essen selbst war sehr lecker und genau das richtige. Insgesamt war es ein sehr netter Abend. Trotzdem waren wir durchaus froh, als wir nach den Strapazen des Tages endlich im Bett lagen.