Der erste Tag in Chile begann mit strahlendem Sonnenschein. Das gute Wetter und der Sommer hat uns zurück. Besingt durch die Zeitverschiebung (immerhin nur vier Stunden) waren wir bereits um kurz nach 7:00 Uhr wach. Es folgte ein stärkendes Frühstück bevor die detaillierte Planung für den Tag startete.

Das erste Ziel war die Metro und ein entsprechendes Ticket. Das was überall anders nicht erlaubt ist, funktioniert hier: ein Ticket teilen. Also brauchen wir nur eine aufladbare Karte auf die wir knapp fünf Euro luden. Eine Fahrt mit der Metro für bis zu zwei Stunden kostet hier pro Person nur knapp 0,80€. Anschließend ging es mit der Metro dann Richtung historisches Zentrum um einen Telefonladen für eine SIM Karte zu finden. Mobile Daten sind hier vergleichsweise günstig, die Läden aber trotzdem gut bewacht. Ohne einen Mitarbeiter, der weiß was man will und einen dann begleitet, kommt man nicht einmal in den Laden rein. Wir hatten jemanden der drei Worte Englisch sprach. Der Übersetzer half beim Rest. Nach etwas hin und her hatten wir die passenden Tarife ausgewählt. Er legte die Karten direkt in unsere Handys ein und aktivierte sie auch. Dafür war ein chilenischer Ausweis notwendig. Kurzerhand nahm er einfach seinen eigenen und legitimierte sich. Ob das wirklich so gedacht war? Auch Bezahlung ging nur in bar (es war wirklich ein größerer, offizieller Laden…). Wir haben die Vermutung dass die Tarife in echt wahrscheinlich etwas günstiger sind und er die Differenz in seine eigene Tasche steckt. Und war es egal, weil wir ohne Legitimation von unseren Daten für einen günstigen Preis funktionierendes Internet auf dem Handy haben. So top ausgestattet konnten wir die Stadt erkunden.

Der erste Stopp für den Tag war ein Park gleich um die Ecke. Cerro Santa Lucia ist bekannt für einen Neptunbrunnen (erinnert etwas an den Trevi Brunnen in Rom nur viel kleiner) und die Aussichtsplattform oben auf dem Berg, auf dem der Park liegt. Wir liefen gemächlich dort hoch, immer etwas von Schatten zu Schatten. Es ist zwar nicht wahnsinnig heiß, die Sonne ist aber doch sehr warm, bei Lufttemperaturen von etwa 25°C. Wir schauten den Brunnen an und kletterten schmale (eindeutig nicht genormte) Treppenstufen hoch bis auf den Aussichtspunkt. Dort oben hat man einen tollen Blick über die Stadt und selbst die Berge die rund um ganz Santiago sind lassen sich erahnen (es war ziemlich diesig).

Von dort oben konnten wir bereits das große, im Barockstil errichtete Museo Nacional de Bellas Artes sehen. Ein chilenisches Kunstmuseum, das bereits 1880 eröffnet wurde. Der Eintritt ist gratis, sodass wir eine Blick hinein warfen und dort auch eine Moment Pause machten.

Es ging bereits deutlich auf die Mittagszeit zu und wir bekamen beide einen kleinen Hunger. Wie gut dass dort um die Ecke das Barrio Patronato ist. Ein Viertel, vor allem bekannt für die unterschiedliche zugewanderten Ethnien: Koreaner, Inder, Pakistaner,… Es gibt viele unterschiedliche Lokale dort. Wie es die Tradition so will, wenn wir in einem neuen Land sind, gab es als erste Mahlzeit koreanisches Essen. Dort hatten wir zufällig auch Glück und eine der Servicekräfte sprach super englisch. Damit konnten wir deutlich einfacher bestellen. Zusätzlich war es super lecker und auch die Pause tat gut.

Etwas ausgeruht machten wir uns anschließend daran, das restliche Viertel zu erkunden. Dort sollte es eigentlich viele kleine Läden und Stände geben. Nach etwas suchen und dem Folgen der größer werdenden Menschenmassen fanden wir schließlich auch Straßen gesäumt von kleinen Ständen. Auf den Bürgersteigen quetschten sich die Menschen und an den ständen gab es nichts, was es nicht gab. Von Essen über Kleidung bis zu Haushaltswaren konnte man dort alles kaufen.

Direkt angrenzend an das Viertel befindet sich der Markt Vega Central. Bekannt für frisches Obst und Gemüse zu günstigen Preisen hat er darüber hinaus noch so viel mehr zu bieten. Riesige Menschenmasse bewegen sich über diesen Markt und die zahlreichen kleinen Gassen. Unzählige Stände verkaufen dabei teilweise auch sehr gleiche Waren. Die Preise ließen uns dabei nicht schlecht staunen. Ein Kilo Avocados für knapp zwei Euro. Für das Geld bekommt man in Deutschland manchmal nur eine einzige Avocado. Aber auch ganze Kisten Erdbeeren für drei Euro und kiloweise Tomaten gab es. Das Highlight dabei vor allem für Ninja waren die geheimen Herrscher des Markts: Katzen. An jeder Ecke und mitten in den ständen zwischen Obst und Gemüse liegen sie und schlafen. Der ganze Trubel um sie herum scheint sie dabei nicht zu stören. Neben Obst und Gemüse gibt es auf dem Markt aber auch Teile in denen Fleisch, Gewürze und eingelegte Speisen verkauft werden. Die Auslagen der Fleischtheke sind dabei bis oben hin gefüllt. Immerhin gekühlt. Auch kleine Restaurants mit chilenischem Essen gibt es viele.

An der Straße entlang über eine Brücke stehen viele Straßenhändler und verkaufen direkt aus Einkaufswagen. Manche haben sich sogar einen Grill auf ihren Wagen gebaut oder frittieren direkt in einer Schüssel vorne drin. Als eine Dame ihren Wagen mit dem heißen Fett über den doch sehr unebenen Boden an uns vorbei schob, machten wir zu Sicherheit lieber einen Schritt zurück.

Auf der anderen Seite des Flusses erreichten wir direkt den nächsten Markt. Mercado Central ist vor allem ein Fischmarkt. Sobald man die Hallen betritt kommt einem auch der unverkennbare Geruch entgegen. Allerdings weniger nach Meer als ehr wirklich fischig. Auch hier gibt es viele kleine Restaurants die jedoch sehr viel näher an den Ständen sind, als auf dem Markt zuvor. Hier versucht einen jeder ran zu winken oder man wird direkt angequatscht. Irgendwann waren wir so genervt, dass Ninja einfach nur noch zurück gewunken hat. Das sorgte grundsätzlich mal erst für Verwirrung. Ein Kopfschütteln von uns reichte dann aber um Ruhe zu haben. Da der Markt abgesehen von Fisch nicht viel anderes zu bieten hatte, hielten wir uns dort nicht so lange auf. Stattdessen wollten wir lieber das gute Wetter nutzen und auf den großen Hausberg der Stadt fahren.

Cerro San Cristóbal ist ein lang gezogener Hügel der sich rund 300m über die Stadt erhebt. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten dort hoch zu kommen: laufen, mit einer Schrägseilbahn oder der Gondel. Wir entschieden uns für die Schrägseilbahn, mit der es fünf Minuten steil bergauf geht. Oben angekommen gibt es unter anderem eine 22m hohe Statue der Jungfrau Maria, sowie eine Kapelle und eine Freiluftkirche. Außerdem hat man einen tollen Blick rundherum über die ganze Stadt bis zu den Anden. Da es Verlauf des Tages etwas aufgeklart war, konnte man die Berge nun gut erkennen. Dort oben trafen wir auch das erste Mal auf andere, nicht spanisch sprachige Touristen. Diese waren uns am gesamten Tag noch nicht begegnet. Wir hatten nur ein Ticket für die Bahn auf den Berg hoch gekauft und wollten vor dort etwas über den langgezogenen Hügel und schließlich wieder runter in die Stadt laufen. Dabei machten wir noch einen Abstecher zum Observatorium, was jedoch leider kurz vorher geschlossen hatte. Anschließend führte uns der Weg meist entlang der nicht befahrenen Straße und durch Waldstücke. Es boten sich immer wieder tolle Ausblicke auf die Stadt und die bunten Gondeln über uns.

Es wurde bereits Abend. Wir wollten noch zu einem Supermarkt für Wasser und einige Snacks. Da wir beiden noch vom Mittagessen sehr satt waren, gab es kein Bedarf für ein ausgedehntes Abendessen. Etwa fünften Minuten vom Berg entfernt gibt es neben dem höchsten Gebäude in Chile auch das größte Einkaufszentrum. Und in diesem auch ein Supermarkt. Da wir von dort bequem mit dem Bus zurück zur Unterkunft konnten, war uns auch egal, dass es eigentlich etwas in die falsche Richtung lag.

Am Einkaufszentrum angekommen galt es zunächst einen Eingang zu finden und dann noch den Supermarkt. Auch dort war es völlig überlaufen an Menschen und entsprechend lange dauerte der Weg durch das Einkaufszentrum bis zum Supermarkt. Dort angekommen standen wir jedoch vor einem verschlossenen Eingang. Also einmal auf die andere Seite gelaufen und dort versucht rein zu kommen. Dort standen aber Mitarbeiter und ließen keinen mehr rein. Wir vermuteten zunächst, dass wegen Überfüllung geschlossen wäre. Jedoch strömten so viele Menschen aus dem Laden raus, dass sie auch neue hätten rein lassen können. Dann dachten wir, vielleicht wird gerade das Einkaufszentrum evakuiert, weil auch so viele Menschen auf der Rolltreppe runter kamen, aber in anderen Läden standen alle völlig entspannt. Als wir schließlich einsahen, dass wir dort wohl nicht mehr rein kamen entschieden wir zu einem anderen Einkaufszentrum zu gehen. Auf dem Weg raus fragten wir noch an der Information nach, warum der Laden keinen rein ließ. Genau wusste es dort auch niemand, es gab aber eine Vermutung. Am Sonntag sind die Stichwahlen der Präsidentenwahlen in Chile. Deshalb könnte es sein, dass Läden eine Stunde früher schließen.

Wir leiden also weiter zum nächsten Supermarkt. Doch auch dort hatten wir kein Glück. Alle Eingänge waren verschlossen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir ziemlich frustriert. Und taten die Füße weh, wir hatten Durst und auch einfach keine Lust mehr. Bevor wir noch einen dritten Supermarkt versuchen würden, entschieden wir uns lieber für einen (wenn auch etwas teureren) Minimarkt. Dort gibt es aber ebenso Wasser, Snacks, Joghurt und ein einfaches Empanada. Damit ausgerüstet ging es dann endlich zum Bus und zurück zum Hotel. Dort angekommen stellten wir fest, dass direkt neben dem Hotel auch ein Minimarkt gewesen wäre… dort holten wir uns noch ein Eis, welches wir im Zimmer am Fenster mit Blick auf die Stadt und den Sonnenuntergang aßen.

Unsere Uhren zeigten am Ende des Tages fast 30.000 Schritte und knapp 20 km an. Kein Wunder dass wir müde und kaputt waren.

Der nächste Tag war bewölkt und mit 15°C deutlich kühler. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns erneut auf den Weg die Stadt zu erkunden. Das Ziel für heute war vor allem die Altstadt. Mit dem Bus ging es zunächst zum Centro Cultural Gabriela Mistral. Dort kam man normalerweise verschiedene Ausstellungen besuchen, an diesem Tag war es aber geschlossen. Uns beschlich bereits das Gefühl, dass viele Dinge heute geschlossen sein könnten, durch die Stichwahl.

Weiter ging es in das Barrio Lastarria. Passend zum Centro Cultural ist dieses Viertel bekannt für seine Künstler, hippen Bars und ausgefallenen Restaurants. Aber auch hier war das meiste geschlossen. Wir fanden lediglich einen kleinen Markt auf dem unter anderem Schmuck verkauft wurde. Auf der Suche nach dem Flair des Viertels liegen wir noch durch zwei angrenzende Straßen, aber wurden nicht fündig. Also ging es stattdessen weiter in die Altstadt von Santiago.

Begonnen haben wir unseren Rundgang am großen Plaza de Armas. Rund um den Platz gibt es verschiedene bedeutende Gebäude, z.B. die Catedral Metropolitana de Santiago und das Museo Histórico Nacional. Auf dem Platz selbst gibt es viele Bänke undplätze im schatten von Bäumen. Dort waren auch zahlreiche (teils seltsame) Gestalten versammelt. Nicht ohne Grund wird man insbesondere dort vor Taschendiebstählen gewarnt. Wir liefen einmal quer über den Platz um zur Kathedrale zu gelangen. Diese überraschte uns in zweierlei Hinsicht. Sie war vergleichsweise niedrig innen für eine große Kathedrale und für eine katholische Kirche sehr hell gestaltet. Wir genossen die Ruhe, bevor sie langsam anfingen alle Leute nach draußen zu schicken. Warum genau, konnten wir nicht verstehen. Es schien mal als würden sie die Kirche schließen und wir wären noch gerade so rechtzeitig gewesen um eine Blick ins Innere zu werfen.

Weiter führte uns unser Weg zum Plaza de la Constitución, an dem der Hauptsitz des Präsidenten liegt. Entsprechend der Wahl gab es dort ein erhöhtes Polizeiaufgebot und der Platz direkt vor dem Gebäude war weiträumig abgesperrt. Da das Gebäude selbst zusätzlich noch eingerüstet war gab es, abgesehen von einem sehr großen Weihnachtsbaum, nicht wirklich etwas für uns zu sehen. Also nur kurz Füße ausgeruht und weiter.

Auf dem Weg zum letzten Stadtviertel was wir angucken wollten kamen wir noch an der Börse vorbei. Ein schönes altes Gebäude, aber natürlich ebenfalls geschlossen. Immerhin befindet sie sich direkt an einer bunt bemalten Straße, sodass sich der Abstecher doppelt lohnte.

Zuletzt ging es dann noch in das Barrio Paris Londres. Weder ist es dort besonders französisch noch hat die britische Botschaft ihren Sitz dort. Es sind einfach nur zwei Straßen mit genau diesen Namen die sich dort kreuzen. Entsprechend klein ist das Viertel auch. Die erste Herausforderung war trotzdem erst einmal dort hinein zu kommen, da die erste Straße in das Viertel komplett gesperrt war. Später fielen uns auch noch mehrere Wagen für eine Fernsehübertragung auf und wir fanden heraus, dass dort der Parteisitz einer der Präsidentschaftskandidaten ist. Über eine andere Straße um die Ecke gelangten wir dann doch in das Viertel und konnten einmal quer durch schlendern. Die kleinen Straßen, mit alten Gebäuden und Kopfsteinpflaster erinnerten dann doch etwas an Paris und gefielen uns gut.

Da das Wetter für den Nachmittag schlecht angesagt war und bereits die ersten Regentropfen fielen fuhren wir zum großen Einkaufszentrum (direkt am größten Turm und mit dem geschlossenen Supermarkt des Vortags). Wir hatten am vorherigen Abend im Hotel extra gefragt was wohl am Wahltag geschlossen sein würde. Er sagte uns, dass das Einkaufszentrum auf jeden Fall offen sei und dies sogar auf der Website stünde. Als wir ankamen mussten wir leider das Gegenteil feststellen. Alle Eingänge verbarrikadiert und zugebaut, zwei Sicherheitsmitarbeiter die alle Leute wegschickten mit den Worten „Mañana, Mañana“. Das half uns in dem Moment nicht so wirklich weiter. Wir entschieden dann kurzfristig zurück zum Hotel zu fahren und dort eine Pause zu machen. Wie sollte es anders sein in unserem Urlaub, waren wir leider beide ziemlich erkältet. Jan war bereits vor dem Urlaub erkältet und dann wieder fit, ich war auf dem Weg in den Urlaub krank und hatte ihn wohl leider wieder angesteckt. So freuten wir uns auf einen Moment Ruhe und Entspannung.

Als uns abends so langsam der Hunger überkam hatten wir bereits einen Plan. Sas Wetter war wieder richtig gut, die Sonne schien und das (wie wir finden) schönste Viertel von Santiago hatten wir uns noch aufgespart. Außerdem war es von unserer Unterkunft zu Fuß zu erreichen: Barrio Italia. Ein Viertel das vor allem aus zwei Straßen besteht, die mit unzähligen Restaurants, Bars und Boutiquen gesäht sind. Dort war es nicht nur schön entlang zu laufen auch de Stimmung war eine ganz andere als in der restlichen Stadt: deutlich entspannter. Wir liefen ein gutes Stück die Straße runter bevor der Hunger so groß wurde, dass wir eine Entscheidung für ein Restaurant brauchten. Es wurde am Ende zu Ninjas Freude ein Mexikaner und dort natürlich Original Tacos. Nicht in komisch harten Tacoschalen, sondern in frischen Mais- und Weizentortillas. Sie waren wirklich lecker und kamen nah an das Original. Da wir nach der ersten Portion nicht ganz satt waren, bestellten wir noch eine kleine Menge nach. Die Sitzplätze auf der kleinen Terrasse direkt an der Straße ermöglichten uns dabei alles um uns herum zu beobachten. Das Essen bestellten Sorge zusätzlich für ein Training unser Spanischkenntnisse. Nach dem Essen liefen wir noch etwas weiter die Straße herunter und kamen zufällig zu einem kleinen Hamdwerkmarkt, der durch einen kleinen Eingang in einem Hinterhof war. Etwas später lockte uns ein buntblinkender Tunnel auf das, was bei uns wahrscheinlich ein Weihnachtsmarkt wäre. Nur ohne die ganzen Fressbuden. Lustig anzusehen, auch wenn einem die Weihnachtsmusik bei über 20°C schon verkehrt vor kommt.

Anschließend machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Die Lage Helligkeit sorgt schon mal dafür, dass man vergisst wie spät es schon ist, zumal es für uns am nächsten Tag früh raus ging. Wir hatten zwar noch eine weitere Nacht in Santiago, für den Tag aber einen Ausflug an die Küste geplant.