Nachdem sich die Zahlen bezüglich Corona in Korea innerhalb von 4 Wochen verzehnfacht haben, werden immer mehr Sachen geschlossen. Inzwischen schwankt die Anzahl der Neuerkrankungen pro Tag um die 1000, höher als sie hier je waren. Die Regierung reagiert jedoch sehr schnell, weshalb bereits seit ebenfalls 4 Wochen alle Geschäfte und Restaurants um 21 Uhr schließen müssen, Cafes dürfen nur ToGo verkaufen. Alle Schulen und Universitäten sind geschlossen und ausschließlich online. Inzwischen gibt es Gespräche darüber, dass Sicherheitslevel 3 ausgerufen werden könnte. Dies würde vermutlich bedeuten, dass ein Zustand ähnlich zum Lockdown in Deutschland gilt. Bisher ist es allerdings noch nicht geschehen. Trotzdem ist dadurch mein Tag schon ruhiger geworden, zumal letzte und diese Woche in der Uni Klausuren stattfanden und ich deshalb auch weniger Zeit hatte. Deshalb gibt es auf dem Blog momentan auch nicht so viel zu lesen. Jetzt sind allerdings alle Klausuren und Abgaben erledigt, die letzte Vorlesung gehört und damit das Kapitel “Universität in Korea” abgeschlossen. Trotzdem warte ich nicht darauf, dass die Zeit bis zum Abflug nächste Woche vergeht, sondern nutze die Freiheit, die hier noch herrscht.
Am letzten Wochenende stand der letzte, größere Ausflug auf dem Plan. Das Ziel lag an der Ostküste, direkt am Japanischen Meer: die kleine Stadt Sokcho. Mit Bergen und Meer, sowie langem Sandstrand bietet sie alles, was Koreaner für einen Urlaub brauchen. Im Sommer ist die 90.000 Einwohner Stadt gut besucht, während jetzt im Winter deutlich weniger los ist. Da fühlt man sich schon fast wie auf dem Dorf.
Geplant war von Samstag bis Sonntag dort zu sein. Mit von der Partie war auch wieder Kwon, diesmal mit seiner Freundin, damit wir die auch kennen lernen. Er hatte im Vorhinein ein Auto gemietet und wir trafen uns Samstag Vormittag an einer Bahnhaltestelle am Rande der Stadt.

Von dort ging es quer durch das Land, welches bereits nach kurzer Zeit immer bergiger wurde. Bei der Pause nach knapp zwei Stunden hatte man das Gefühl, dass wir irgendwie in der Eifel sein könnten.

Gegen 15 Uhr erreichten wir die Stadt und stärkten uns zunächst mit einem verspäteten Mittagessen. Es gab kalte Nudeln. Klingt zunächst sehr ungewöhnlich, ist dort aber eine Spezialität und wird in ganz Korea vor allem im Sommer sehr gerne gegessen. Zu zwei verschiedenen kalten Varianten (eine mit Salat, die andere mit vieeeel Sesam) gab es aber auch eine warme und einen riesigen Reibekuchen.

Nachdem wir aufgegessen hatten fuhren wir ans Meer, direkt nach Sokcho Beach. Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein täuschten dabei über die eisigen Temperaturen hinweg. Dies hielt mich jedoch nicht davon ab, zumindest die Hände ins Wasser zu halten. Zusätzlich gab es auch dort wieder einen langen Holzsteg, der an den Felsen entlang führt. Dabei kommt man auch an der Stelle vorbei, wo 1996 ein U-Boot der Nordkoreaner havariert ist, bei dem Versuch zwei Spione wieder einzusammeln. Ansonsten bietet der Weg einen tollen Blick auf das türkis-blaue Wasser. Am Ende des Weges (er war leider ab der Hälfte gesperrt) standen wir auf einer Plattform, die an einzelnen Stellen Gitter hatte, sodass man nach unten auf die Felsen und das Wasser gucken konnte. Dabei fielen uns die etwas denkwürdigen Verstrebungen auf, die zusammengeschweißt die Platform hielten. Von gerade Stahlträgern, aus einem Stück oder zumindest bündigen Verbindungen scheint noch niemand etwas gehört zu haben…
Zurück am Stand liefen wir ein Stück daran entlang, bevor es unangenehm kalt wurde und wir uns deshalb mit dem Auto auf dem Weg zum etwas entlegenen Leuchtturm und Pavillon machten.
Eine Herausforderung dabei stellte jedoch der Verkehr und die Parkplatzsuche dar. Nachdem wir diese überwunden hatten, liefen wir erst zu einem etwas höher gelegenen Aussichtspunkt, von dem man einen Blick auf den Pavillon und die bunt beleuchtete Brücke hat, bevor wir auch diesen besuchten. Hier war der Wind besonders kalt, weshalb wir es nicht sehr lange aushielten.
Um etwas für das Abendessen zu holen fuhren wir zu einem Markt, auf dem verschiedenste Spezialitäten verkauft werden. Natürlich auch jede Menge Fisch, wir waren ja schließlich am Meer. Zum Glück gab es aber auch Alternativen. Entschieden haben wir uns am Ende für frittiertes Hähnchen in klebrig/süßer Soße, welches kalt gegessen wird, klebrige Pfannkuchen, gefüllt mit Kimchi oder Bohnen sowie gegrillten Kalamari. Das alles nahmen wir mit zu unserer Unterkunft, die etwas außerhalb direkt an einem kleinen See lag.
Das Zimmer, vielleicht ehr Apartment, war ziemlich groß und hatte zusätzlich zu zwei Zimmern auch eine Küche und ein Wohnzimmer.
Während dem Essen erzählten wir von der lustigen Entdeckung, die wir deutschen gemacht haben: Auch deutsche Wörter und Sätze lassen sich in Hangul schreiben und klingen von den Koreanern vorgelesen auch sehr deutsch. Das geht schon fast als Geheimschrift durch. Nach dem Essen sahen wir zunächst die koreanischen Nachrichten über die steigenden Coronazahlen bevor wir entschieden die Zeit mit schöneren Dingen zu verbringen und stattdessen Spiele spielten. Als erstes Stop-Go, ein koreanisches Spiel über das ich im Zusammenhang mit Chuseok schon einmal erzählt hatte. Dabei spielten wir erst alle gegeneinander, bevor dann eine Runde Mädels gegen Jungs und anschließend Koreaner gegen Deutsche gespielt wurde. Als Einsatz gab es dabei Spielkarten. Wir Mädels haben die Jungs erst zwei Runden gewinnen lassen, bevor wir ihnen in der dritten Runde alle Karten abgenommen haben, die sie hatten. Zuletzt haben dann auch Dominik und ich gegen die Koreaner in ihrem eigenen Spiel gewonnen. Um etwas Abwechslung rein zu bringen spielten wir anschließend noch einige Runden Lügen, was vor allem Kwons Freundin sehr schnell begriffen hatte und für viel Spaß sorgte. Der Abend endete damit, dass ich fälschlicherweise dachte, es hätte geschneit. Die Kiesel unter dem Fenster sahen aber auch wirklich zum verwechseln ähnlich.
Mit Schnee wurden wir am nächsten Morgen überrascht. Erst nur einige Flocken, nach kurzer Zeit aber immer mehr, welche ein Gefühl von Skiurlaub weckten. Zum Brunch gab es koreanische Gerichte mit Tofu und für alle die wollten auch mit Fisch. In Deutschland konnte mich Tofu bisher nicht sehr überzeugen, da es nicht nach viel schmeckt, hier wird es aber anders zubereitet und war sehr lecker.

Anschließend fuhren wir in den Seoraksan Nationalpark, der ist ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat und enthält unter anderem den dritthöchsten Berg Südkoreas. Auf diesen führt eine Gondel, welche unser Ziel war. Da dies etwas höher liegt gab es dort bereits etwas mehr Schnee. Oben auf dem Berg angekommen klärte sich zum Glück der Himmel ein kleines bisschen, sodass man die umliegenden Berge ebenfalls sehen konnte. Der Ausblick was unglaublich schön! Zu Fuß konnte man den Berg noch etwas weiter hoch. Dabei blieb es nicht aus, dass auch der ein oder andere Schneeball flog. Trotzdem musste man aufpassen, nicht auszurutschen, da wir alle nicht unbedingt die richten Schuhe trugen. Trotzdem hatten wir viel Spaß und auch die Kälte war für einen Moment vergessen. Als wir zurück zur Bergstation der Gondel waren, hingen bereits wieder dicke Wolken um uns herum und versperrten den Blick auf das Tal und die anderen Berge. Wir hatten den Moment also optimal abgepasst.
Unten im Tal liefen wir noch zu einer Buddha Statur, die besonders groß und eindrucksvoll war. Ein Blick auf den Verkehr sagte uns jedoch, dass wir uns besser Zeitnah auf den Weg zurück machen sollten, da viel Stau angezeigt wurde. Daher entschieden wir uns, einen Zwischenstop einzuplanen fürs Abendessen, welches jedoch auf dem Weg nach Seoul lag. Dass tatsächlich viel Verkehr war mussten wir bereits nach wenigen Kilometern auf der Autobahn feststellen. Der Verkehr war stockend und wir kamen nur langsam voran. Da große Teile der Strecke durch Tunnel führen, konnte man auch nicht so sehr viel sehen. Allerdings entschädigten die Blicke, die man dann auf die Berge hatten definitiv. Die Sonne leuchtete die schneebedeckten Gipfel and und färbte den ganzen Himmel rot.
Nach drei Stunden hatten wir die ersten 100km geschafft und unser Abendessen erreicht. Es gab Dak Galbi, ein koreanisches Hähnchengericht, was ziemlich scharf ist. Es wird direkt am Tisch gekocht und jeder kann sich das aus dem großen Topf nehmen was er möchte. Wenn es fast leer ist kommt Reis hinein, mit dem dann die letzten Reste Soße und Fleisch vermischt und angebraten werden.
Anschließend ging es weiter und gegen 19:30 Uhr waren wir wieder in Seoul an der Bahnstation, von wo Dominik und ich noch einem etwa eine Stunde Bahn fahren mussten. Durchgefroren (-9°C draußen) erreichten wir unser Zuhause.
Der Ausflug nach Sokcho und in den Nationalpark hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Es war schön wieder mehr vom Land zu sehen und auch noch einmal Zeit mit Kwon zu verbringen. Für die kommenden Tage ist jetzt nicht mehr so sehr viel geplant. Ich bin morgen für einen Tag Ski fahren, habe Freitag noch eine Übung über 8 Stunden von der Uni in Deutschland und werde mich am Wochenende noch mal mit einzelnen Leuten treffen, sowie Koffer packen. Montag geht es zum Frisör (nachdem in Deutschland ja alle geschlossen haben, aber mein jährlicher Haarschnitt nun mal auf Dezember fällt…) und letzte Sachen besorgen. Dienstag fliege ich dann zurück nach Deutschland. Da Südkorea zum Glück nicht als Risikogebiet zählt erwartet mich zuhause keine Quarantäne und ich kann Weihnachten mit meinen Eltern und meinem Bruder verbringen.



































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