Am vorherigen Abend hatte uns Santiago angeboten, dass wir uns zum Frühstück treffen. Allerdings kein traditionelles, mexikanisches Frühstück sondern Churros. Ich war von der Idee begeistert, da ich Churros liebe und es nach dem letzten Aufenthalt bereut habe keine probiert zu haben. Da aber sowohl Caro, als auch ich, keine Morgenmenschen sind trafen wir uns erst zu einem späten Frühstück um 10:30 Uhr.
Der Laden war ziemlich überfüllt als wir dort ankamen, allerdings zu 95% mit Einheimischen und nicht Touristen. Das lies unsere Erwartungen erneut steigen. Direkt hinter dem Tresen war die offene Küche, sodass man bei der Zubereitung zusehen konnte. Dazu hatten wir dann auch, länger als uns lieb war, die Gelegenheit, da kurz vor uns der Teig ausgegangen war und sie neue zubereiten mussten. Dabei fiel uns erneut etwas auf, was wir schon mehrfach bemerkt haben. Von den Leuten die dort arbeiten tut nur knapp die Hälfte tatsächlich etwas, während alle anderen dabei zusehen und drum herum stehen. Als wir einen der Mexikaner dazu gefragt haben erzählte er uns, dass häufig mehr Leute eingestellt werden als nötig sind, damit die Menschen einen Job haben. Und trotzdem gibt es immer noch viel zu wenig Arbeitsplätze.



Der Teig wurde dort unter vollem Körpereinsatz zubereitet von dem kräftigen Mann mit den dunklen Locken, der an dem großen Kochtopf steht. Er rührte den Brandteig auf dem Herd mit den Händen an. Als wieder genügend Teig vorhanden war füllten sie diesen in die Spritze mit dem Rad an der Seite und schwenkten diese über die riesige Fritteuse. Dort würd langsam der Teig rein gespritzt während er mit einer Metallstange im Kreis gedreht wurde, sodass sich eine große Schnecke bildete. Nach kurzer Zeit wendeten sie diese und schließlich war sie fertig. Um sie nun in Stücke zu zerteilen wurden Gleichklänge Stücke mit einer Schwere abgeschnitten. Anschließend kamen diese noch in in Bad aus Zucker oder wahlweise Zimt und Zucker.




Geschmeckt haben sie unglaublich gut und sind mit dem was man. Aus Deutschland von einer Kirmes kennt nicht zu vergleichen. Einzig der viele Zucker war dann doch etwas zu viel, sodass wir anfingen den abzumachen bevor wir den Churro aßen.
Von dort wollten wir an diesem Tag zum Central Park von Mexico City laufen, dem Park Chapultepec, in dem auch das gleichnamige Schloss der Stadt steht. Chapultepec ist Nahuatl und hißt im deutschen so viel wie Heuschreckenhügel. Auf dem Gipfel dieses steht das Schloss, welches ursprünglich als Sommersitz des Vizekönig Bernardo de Gálvez y Madrid gebaut wurde bevor es durch die Stadt erworben und als Militärakademie genutzt wurde. Zuletzt diente es als offizieller Regierungssitz bis es 1944 zum Nationalmuseum umgebaut wurde, was es bis heute ist. Auf dem Weg dorthin liefen wir ein Stück durch die Stadt und kamen unter anderem an einer Demonstration von Schülern vorbei die aus dem Staat Mexiko in die Stadt gereist waren um für mehr Sicherheit und kostenlose Schule zu demonstrieren.

Der Eingang zum Park befindet sich direkt an einer der größten Straßen die durch die Stadt führt und wird durch ein großes Tor geschmückt. Dahinter beginnt der Wald mit seinen vielen Wegen die alle Richtung Schloss führen.

Doch bevor man den Aufstieg zum Schloss beginnen kann überquert man noch eine große, mehrspurige Straße über eine Brücke. Von dieser hat man, wenn man zurück blickt ebenfalls einen tollen Blick auf die Hochhäuser.

Weiter in den Park hinein kamen wir an eine Stelle an der sich viele neugierigen Eichhörnchen tummelten. Diese kamen zu uns gelaufen und als wir ihnen kleine Stücke von unseren übrig gebliebenen Churros gaben krabbelten sie uns auch auf den Schoß und an den Beinen hoch. Caro und ich waren auf jeden Fall begeistert und hielten uns dort über eine halbe Stunde auf.



Der Eintritt zum Schloss kostet normalerweise Geld. Wir hatten jedoch Glück, da Studenten umsonst rein kamen und auch unser deutscher Studentenausweis akzeptiert wurde, obwohl vermutlich niemand wirklich wusste was darauf steht. Der Aufstieg zog sich um den Berg herum stetig aufwärts. Unterwegs boten sich schon die ersten tollen Ausblicke auf die Stadt und ließen erahnen was uns oben erwarten würde.



Wir liefen über das Gelände und auch durch das Museum, jedoch sind wir beide keine großen Fans von Museen weshalb wir uns nicht länger aufhielten. Außerdem waren unsere Köpfe auch so mit den vielen Eindrücken überfordert. Der Ausblick und auch die Räume des Schlosses sind wirklich beeindruckend und wir verbrachten dort einige Zeit.





Als wir alles angesehen hatten gingen wir den Berg wieder hinunter um weiter durch den Park zu laufen. Dort gibt es, neben dem Schloss und wem vielen Wald noch verschiedenen angelegte Seen sowie einen Zoo. Letzteres war unser Ziel, wobei wir an den Seen vorbei kamen. Dort wurden wir von drei jungen Schülerinnen auf Englisch angesprochen ob diese ein Interview mit uns machen könnten. Santiago erklärte uns später, dass dies eine standard Hausaufgabe im Englischunterricht sei. Da die drei so nett gefragt hatten, beantworteten wir ihnen gerne die Fragen und machten als Abschluss noch ein Foto.

Anschließend liefen wir weiter Richtung Zoo, vorbei an zahlreichen Straßenständen, von denen einen grundsätzlich die Verkäufer anquatschen oder viel mehr anschreien, und einem großen CDMX (Ciudad de México = Mexiko City) Schild.


Am Zoo angekommen waren wir erneut überrascht, dass auch dieser keinen Eintritt kostet. Lediglich das Schmetterlingshaus und die großen Krabbeltiere kosteten ein kleines bisschen. Da man dort damit gelockt wurde, dass man ein Tarantel und eine Kakerlake anfassen dürfte, wollte Caro unbedingt dort hin. Im Schmetterlingshaus waren wir zufällig zu genau dem Zeitpunkt da, als dort die neu geschlüpften Schmetterlinge freigelassen werden sollte. Dazu bekamen ausgewählte Leute einen durchsichtigen Behälter mit einem Falter in die Hand gedrückt und dann folgte erst ein 10 Minuten Vortrag auf Spanisch (für uns deshalb leider völlig uninteressant) bevor wir die Schmetterlinge freilassen durften. Insgesamt waren wir am Ende der Meinung, dass sich der Eintritt nicht gelohnt hat…





Der restliche Zoo war ziemlich trostlos, da es kaum Tiere gab, und die, die wir dort gesehen haben, leider in viel zu kleinen Käfigen saßen. Es hat mich nur wieder daran erinnert, warum ich sonst nicht gerne in den Zoo gehe. Da war es noch spannender, den Arbeitern zu zusehen, die mitten zwischen den Besuchern ein Gitter schweißten. Auch hier galt das Prinzip: Einer Arbeitet und zwei gucken zu.

Wir sahen uns nur einen kleinen Teil des Zoos an, da es anfing zu regnen, uns die Füße weh taten und wir ohnehin nicht begeistert waren.
Auf dem Rückweg liefen wir noch am “Monumento a los Niños Héroes” vorbei. Dieses war am Vormittag auf Grund einer Veranstaltung des Militärs gesperrt gewesen. Erbaut wurde es um den sechs großen Helden aus dem Unabhängigkeitskrieg Ehre zu erweisen.

Auch über die Brücke, die über die große Straße läuft, liefen wir wieder. Inzwischen war, zusätzlich zum ohnehin verrückten Verkehr, Feierabendzeit, sodass sich auf den Straßen die Autos nicht mehr bewegten. Dazwischen laufen währenddessen immer Leute her und versuchen Dinge, wie z.B. Wasser, zu verkaufen. Verkehrsregeln gibt es übrigens auch in Mexiko. Gelernt haben wir jedoch in den letzten Tagen, dass nur eine Regel wirklich gilt. Und diese lautet: Ignoriere alle Regeln. Dementsprechend chaotisch funktioniert der Verkehr hier. Einen Blinker haben die Autos zwar, benutzt wird er aber nicht, da er ohnehin nichts bewirkt. Auch Ampeln sind ehr eine Empfehlung als etwas an das man sich halten sollte. Das gilt auch für Fußgänger. Dementsprechend läuft man einfach wenn die Straße frei ist oder die Autos, aufgrund von Stau, sowieso stehen.

Für Abends waren wir wieder mit Jesús verabredet. Dieser muss tagsüber leider arbeiten, und da er noch neu in der Firma ist, gelten spezielle Regeln. Bis er die Probezeit, die mit einem Test abgeschlossen wird, überstanden hat, muss er Mittags bis späten Abend arbeiten. Danach erst beginnt die normale, ganztägige Arbeit.
Er holte uns an unserer Unterkunft ab und hatte noch eine Freundin mitgebracht. Da wir uns mit ihnen unterhalten wollten, äußerten wir den Wunsch nach einem ruhigeren Ort, wo man etwas essen und trinken kann, ohne das die Musik so laut ist. Er fuhr daraufhin gefühlt quer durch die Stadt. Bevor wir zur eigentlichen Lokalität gingen sollten wir in einem kleinen Imbiss unbedingt “Pastas” probieren. Gefüllte, gebackene Teigtaschen. Diese waren mit unterschiedlichem Fleisch, sowie Soße gefüllt. Wir waren nicht begeistert, aber ganz schlecht schmeckte es auch nicht. Das die Teller dabei in Folie eingepackt sind ist in kleinen Imbissen sehr normal. So spart man sich das spülen.

Der Ort wo wir anschließend hin gingen entsprach nicht ganz unseren Vorstellungen. Es war eine Art indoor Streetfood Halle, allerdings ohne jegliches mexikanisches Essen und dafür mit lauter Musik. Nach einer Dreiviertelstunde dort musste Jesús plötzlich weg, weil ihm etwas wichtiges dazwischen gekommen war. Eigentlich bestand er noch darauf uns zurück zu fahren, da er aber sehr gestresst wirkte lehnten wir ab und nutzen die Gelegenheit lieber um durch die beleuchtete Stadt zurück zu laufen.




Als wir an unsere Unterkunft ankamen hielt plötzlich ein Auto hupend hinter uns an. Es war Jesús der sein Problem doch viel schneller lösen konnte als er gedacht hatte. Da wir nun aber keine Lust mehr hatten zurück in die Stadt zu fahren beschlossen wir stattdessen, uns in die Unterkunft zu setzten und es uns dort gemütlich zu machen. Lediglich auf ein Bier mussten die beiden (Jesús und Caro) verzichten, da der Supermarkt bereits zu hatte. Es ist im übrigen in Mexiko streng verboten auf offener Straße Alkohol zu trinken. Dies wird auch überwacht und stellenweise kontrolliert. Als Strafe dafür landet man hier direkt im Gefängnis. Gegen eine entsprechende Kaution und etwas Bestechungsgeld wird man jedoch auch schnell wieder frei gelassen.
Schön war der Abend so auf jeden Fall, trotz Unterbrechung. Und wir konnten die Pläne für den nächsten Tag, ein Ausflug zu den Pyramiden außerhalb der Stadt, noch besprechen.
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